Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Rosa Rabe empfiehlt diese Woche glückliche Künstler, besetzte Bunker und die Revolution im Alltag.

Leverkusen: Revolutionen des Alltäglichen

Revolution fängt im Alltag an. Das dachten sich auch die lateinamerikanischen Künstler der Ausstellung "Revolution des Alltäglichen". In ihren Werken schärfen sie das Bewusstsein für die Form und Materialität der Dinge, indem sie Alltagsgegenstände aus ihrem Kontext befreien und neu gestalten. So werden Wischmopp, Plastikbecher oder Erste-Hilfe-Folie zum Objekt ihrer Arbeiten.

Insgesamt acht zeitgenössische lateinamerikanische Positionen greifen so auf bestehende Wertesysteme und Ideologien zurück und reagieren auf eine immer stärker globalisierte Welt. Mit von der Partie ist die brasilianische Künstlerin Valeska Soares, der argentinische Künstler Jorge Macchis oder auch der Mexikaner Gabriel Kuri, die mit 50 Werken in unterschiedlichen Medien, in Skulptur, Video, Installation, Fotografie oder Collage, ihre Arbeiten, teilweise zum ersten Mal, in Deutschland präsentieren.

Hamburg: I am a lucky man

"I am a lucky man." Unter diesem lebensfrohen Motto präsentiert sich der Fotograf Wolf Suschitzky, einer der bemerkenswertesten Vertreter des britischen Dokumentarfilms, Reportage- und Porträt-Fotografie, Mittwoch den 27. August, in der Gallerie Hilaneh von Kories. Mit einem sensiblen und wachen Blick für die ganz alltäglichen Momente im Leben dokumentierte Wolf Suschitzky eindrucksvoll die Lebensumstände unterprivilegierter Schichten in den dreißiger Jahren. Suschitzky selbst war zeitweise als Sohn einer berühmten jüdischen Familie auf der Flucht vor den Nazis in Österreich. Er flüchtete in die Niederlande und später nach London, wo er unter glücklichen Umständen zum Film und später dann auch zur Fotografie gelangte. Über diese Verkettung glücklicher Umstände ist der 97-jährige bis heute immer noch froh und präsentiert mit seiner Ausstellung "I am a lucky man" erstmals seine Bilder in Deutschland. Als einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen und Protagonisten des deutschsprachigen Exils in Großbritannien wird der Fotograf seine Ausstellung kommenden Mittwoch um 19 Uhr selbst eröffnen.

Montabaur: Spuren der Sonne

Versteckt zwischen Bäumen und Sträuchern liegt ein verborgener Spielraum für Kunst und Design. Das Projekt b-05 besetzt Bunker und Zufahrtstrassen eines ehemaligen Militärgeländes und gestaltet ein buntes Kunst und Kulturprogramm in der Idylle von Montabaur, einem kleinen Städtchen zwischen Köln und Frankfurt. Nach der erfolgreichen Eröffnungsparty im letzten Jahr geht das von "Skoda" geförderte Projekt mit der Ausstellung "Spuren der Sonne - Eine apokalyptische Oper" in die zweite Runde. Ausstellen werden dieses Jahr die Künstlern Werner Herzog, Jannis Kounellis und Markus Selg. Gemeinsam möchten sie den Besucher mit seiner Existenz in einem technischen Zeitalter konfrontieren und untersuchen dieses Phänomen auf ganz unterschiedliche Weise.

Berlin: Friends and Enemies

Das Künstlernetzwerk "Friends and Enemies" präsentiert mit der Ausstellung "Bon Voyage" einen Abend zum Thema Character Design auf Reisen im "Tape Club" in Berlin. Hier zeigen 25 internationale Künstler mit zahlreichen Illustrationen, Installationen und Animationen auf verschiedenen Wegen, wie viele Formen so eine Reise annehmen kann. Das Konzept von "Friends and Enemies" zielt auf den Dialog zwischen verschiedenen Künstlern und fördert Ausstellungen außerhalb des kommerziellen Kunstmarkts. Die Teilnehmer gestalten Wohnungen zu Ausstellungsorten um oder produzieren Projekte in temporär angemieteten Räumen. "Bon Voyage" heißt es, wenn sich der "Tape Club" am Samstag, dem 22. August, auf Reisen begibt und zur anschließenden After Show-Party einlädt.

Chemnitz: Bjørn Nørgaard - Mythos und Morphologie

Mit zahlreichen Einzelskulpturen aus den vergangenen 24 Jahren verwandelt Bjørn Nørgaard die Kunstsammlung Chemnitz in einen mythologischen Skulpturenpark. Der Künstler sucht in den zeitgenössischen Skulpturen Formen für mythologische Themen und versetzt den Besucher mit einer außergewöhnlichen Formphantasie und Materialvielfalt in Staunen. Mit erhobenem Zeigefinger und gesenkten Kopf steht "Mickeys verlorener Freund" im Raum und knüpft mit zahlreichen anderen merkwürdigen Phantasiewesen an die Kunst der Maya, Altägypter oder Afrikaner an. Als Fluxus-Vertreter der sechziger Jahre beteiligte sich Nørgaard an der Aktion von Joseph Beuys „Manrese“ und verfolgte die Idee der sozialen Plastik. Für den Künstler sollte Kunst nicht nur Werk sein, sondern in alle Lebensbereiche eingreifen. Erst 1970 begann Bjørn Nørgaard sich immer mehr für die Skulptur zu interessieren. Ab dem 22. August werden in der Kunstsammlung Chemnitz mythologische Geschichten erzählt und auf humorvolle wie provokante Weise mit der Gegenwart verknüpft.