Bookmarks - Lesetipps März

Die Lesetipps des Monats

art-Redakteurinnen Ulrike von Sobbe und Undine von Rönn stellen jeden Monat zehn neue Kunstbücher vor – diesmal mit Lichtdesign, Rainer Fetting und dem New Yorker Nachtleben.
Das müssen Sie lesen:Zehn neue, spannende Kunstbücher für den Monat März

Roy Lichtenstein: Plakate

Als "plump" und "kalt" wurden seine neuen Bilder vor knapp 50 Jahren geschmäht – heute gelten Roy Lichtensteins Gemälde mit ihren Markenzeichen, den Rastern, Schraffuren und schwarzen Umrisslinien, als Meisterwerke der Pop Art. Die rund 70 Poster freilich, die bis zu seinem Tod 1997 entstanden, sind weitgehend unbekannt geblieben; dabei beweist eine Hamburger Ausstellung (die auch ein Konvolut mit Plakaten nach Lichtenstein-Motiven zeigt, Museum für Kunst und Gewerbe, bis 1. März), dass sie der gleiche präzise Schwung und subtile Witz auszeichnet wie die berühmteren Arbeiten (Prestel Verlag, 152 S., 206 Abb., 29,95 Euro).

Georges Braque

Zeitlebens stand der Franzose im Schatten seines großen spanischen Kollegen Pablo Picasso, dabei hinterließ der Mitbegründer des Kubismus bei seinem Tod 1963 ein Werk, das mit seinen Gemälden, Grafiken und Skulpturen zu den Großtaten der Klassischen Moderne gehört. Nachzuprüfen (bis 1. März) im Wiener Bank-Austria-Kunstforum anhand von über 80 Arbeiten, zu denen im Begleitbuch noch mehrere Essays und eine reich bebilderte "biografische Topografie" kommen (Hatje Cantz Verlag. 240 S., 179 Abb., 39,80 Euro).

Twentyfive years of portraits by wowe

Die Liste der Prominenten, die wowe vor seine Kamera holte, ist lang, neben Musikern, Modeschöpfern, Schauspielern auch berühmte Künstler wie Georg Baselitz, Andy Warhol, Dorothea Tanning oder Richard Serra. Wowes (Wolfgang Wesener) Leidenschaft gilt dem Gesicht der Menschen, die von ihm Porträtierten blicken ruhig und gelassen in die Kamera und scheinen so dem Betrachter Gelegenheit zu bieten, ihnen in die Seele zu schauen.
Wowe, 1960 in Köln geboren, begann seine Karriere 1984 in New York, wo er auch als Assistent von Evelyn Hofer arbeitete und Fotos vom New Yorker Nachtleben veröffentlichte. Später war er zwölf Jahre Mitarbeiter beim inzwischen eingestellten Magazin der "FAZ". Die zwei vorliegenden Bildbände, einer in Schwarzweiß, der andere in Farbe, geben einen Überblick über seine Porträtarbeiten aus 25 Jahren. Noch bis zum 15. Februar sind wowes Fotografien in der Berliner C/O-Galerie im alten Postfuhramt zu sehen. (Edition Braus. Mit Texten von Martin Mosebach und Glenn O’Brien, 644 S., zahlreiche Abb., zwei Bände im Schuber, 98 Euro)

Künstler erleben. 18 Atelierbesuche

Eine ausgestopfte Kuh im Wohnzimmer, an der Wand ein großes, mit getrockneten Blüten gefülltes Holzkreuz, auf der Sofalehne hocken einige Plüschaffen, die verschiedenen Fernsehsessel sind allesamt Designklassiker – wir schauen in das Wohnatelier des Künstlerehepaars Peter Sengl und Susanne Lacomb. Für die Autoren des Bildbands, Monika Uzman und Harald Eisenberger, haben 18 namhafte steirische Künstler, darunter auch Günter Brus und Erwin Wurm, ihre Türen geöffnet, oft nicht nur die von Ateliers und Werkstätten, sondern auch die ihrer ganz privaten Wohnräume – das macht das Blättern spannend. Anschauliche Texte zu den jeweiligen Künstlerinterieurs liefert die 1954 in Wien geborene Monika Uzman, Mitarbeiterin in einem Auktionshaus und freie Autorin, die fotografischen Einblicke gibt Harald Eisenberger, der 1971 in Graz geboren wurde und für verschiedene Magazine arbeitet. Ein gelungenes Projekt, das auch neugierig auf die Steiermark macht. (Monika Uzman, Harald Eisenberger: Künstler(er)leben. 18 Atelierbesuche. Leykam Buchverlags-gesellschaft, 184 S., circa 200 Abb., 38,70 Euro)

Atlas der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur

Noch ist an vielen Orten in Europa das wohlgestaltete Grün unter einer Schneedecke verborgen. Aber bald kann man wieder die Formenvielfalt zeitgenössischer Designer in Parks und Gärten erkunden. Einen Überblick über das, was in diesem Bereich international buchstäblich gewachsen ist und geformt wurde, gibt dieser reich bebilderte Atlas: Die Spannbreite reicht von Großprojekten wie einer Lawinenschutzanlage in Island über einen Hafenpark in China bis zu urbanen Plätzen in Brasilien, Slowenien oder im Libanon. Der gewichtige Bildband lädt ein zu einer spannenden Weltreise, die ebenso überraschende wie faszinierende Außenansichten beschert. (DuMont Buchverlag. 600 S., 800 Abb., 68 Euro).

Bernhard Dessecker (Hrsg.): Ingo Maurer. Designing With Light – Gestalten mit Licht

Federn, Fächer, Teller: Was hat er nicht alles benutzt, um seinen Mitmenschen ein Licht aufzusetzen. Langweilig sind die Lampen von Ingo Maurer jedenfalls nie gewesen, und so hat der gelernte Typograf mit seinen ebenso fantasievollen wie poetischen Entwürfen gleichsam im Alleingang dem deutschen und internationalen Lichtdesign ganz neue Impulse gegeben. Sein langjähriger Mitarbeiter Bernhard Dessecker hat dem mittlerweile 77-Jährigen nun einen Prachtband gewidmet, der das vielseitige Werk des Meisters mit vielen Bildern, Dokumenten und Kommentaren liebevoll und kenntnisreich würdigt (Prestel Verlag. 288 S., 600 Abb., 59 Euro).

Rainer Fetting. Skulpturen. Rückkehr der Giganten

Eigentlich ist der 60-jährige Künstler, der in Berlin und New York lebt und arbeitet, eher für seine Gemälde bekannt. Sein weniger bekanntes bildhauerisches Werk wird nun erstmals in einer Ausstellung und einem Katalog vorgestellt: 30 zum Teil bemalte, figürliche Bronzen zeigt das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen (bis 22. Februar), darunter auch Büsten von Helmut Schmidt und Willy Brandt. Da Fetting zu den wenigen zeitgenössischen Bildhauern zählt, die mit den Möglichkeiten der Modellierung arbeiten, dokumentiert das Katalogbuch die Entstehung der Skulpturen in der Bildgießerei Noack in Berlin (Kerber Verlag. 160 S., 243 Abb., 38 Euro).

Fra Angelico

Er ist einer der berühmtesten Maler der italienischen Frührenaissance. Wen seine Reise nach Italien bringt, sollte sich die prachtvollen Altarbilder in Florenz und Rom nicht entgehen lassen – oder sich den Genuss dieses Buches gönnen: Eingebunden in zartlila Seide, führt der Bildband mit fundierten, gut lesbaren Aufsätzen und wunderbaren Reproduktionen der Malereien zu den Lebensstationen dieses Ausnahmekünstlers: die Werke für Dominikanerklöster in Fiesole, Cortona und Florenz klassifizieren ihn als Meister der Malerei, im Museum von San Marco in Florenz beweisen vor allem die Fresken tiefe religiöse Empfindsamkeit, seine Wand- und Deckenbilder im Dom von Orvieto lassen seine Könnerschaft ebenso erkennen wie seine Tafeln in der Pinakothek von Perugia. Schon zu Lebzeiten war der um 1390 geborene stets bescheidene Künstler hoch verehrt – sogar Raffael soll von ihm inspiriert worden sein. 1455 wurde Fra Angelico in Rom beigesetzt (Phaidon Verlag. 240 S., um 170 Abb., 39,95 Euro).

Designlehren. Wege deutscher Gestaltungsausbildung

Welche Lehrvorstellungen verfolgten die klassischen Gestalter wie Peter Behrens, Walter Gropius oder Max Bill? 100 Jahre nach der Eröffnung des "Großherzoglichen Lehr-Ateliers für angewandte Kunst zu Darmstadt" ziehen die Autoren Justus Theinert und Kai Buchholz, beide lehren im Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt, Bilanz: Entstanden ist ein umfassendes, praxisorientiertes Kompendium, das anhand von zahlreichen historischen Fotografien und erklärenden Aufsätzen dokumentiert, wie sich die Design-Ausbildung im vergangenen Jahrhundert im deutschsprachigen Raum entwickelt hat – an der Hochschule für Gestaltung Ulm oder an der Folkwangschule Essen, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee oder in der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle. Mehr als 280 Abbildungen, 100 Künstlerbiografien, Interviews und Übersichtskarten machen die zweibändige Publikation, die mittels einer Magnetfolie zusammengehalten wird, selbst zu einem Designstück (Arnoldsche Verlagsanstalt. 424 S., 49,80 Euro, herausgegeben vom Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt).

Visconti. Schriften, Filme, Stars und Stills

"Der Leopard", "Tod in Venedig" oder "Die Verdammten" zählen zu den Glanzstücken der Kinogeschichte. Marianne Schneider und Lothar Schirmer haben nun eine Bildbiografie über Luchino Visconti (1906 bis 1976) herausgegeben, die in ihrer Detailversessenheit und Opulenz dem Werk des italienischen Film- und Theaterregisseurs in nichts nachsteht. Der umfangreiche Band enthält eine Sammlung der wichtigsten Schriften Viscontis zu seiner Arbeit für Theater, Oper und Film, die Kuratorin seines Nachlasses hat eine detaillierte Biografie verfasst, und im zweiten Teil findet sich ein reich bebilderter Filmführer zu seinen 17 Kinoproduktionen, die von 1942 bis 1976 entstanden sind. (Schirmer/Mosel Verlag. 320 S., 191 Abb., 78 Euro).