Pavillontausch - Venedig Biennale 2013

Pavillon-Tausch in Venedig

Deutschland und Frankreich wechseln zur Biennale ihre Ausstellungshäuser: Der französische Beitrag wird im deutschen, die deutsche Ausstellung im französischen Pavillon stattfinden
Umzugspläne:Deutschland und Frankreich tauschen ihre Pavillons

Der deutsche und der französische Pavillon in Venedig

Noch eine Überraschung für Venedig: Deutschland und Frankreich wollen für die Dauer der 55. Biennale die Pavillons tauschen und ihre Künstler für Venedig jeweils im Ausstellungshaus des Nachbarlandes präsentieren.

Das gibt Kuratorin Susanne Gaensheimer heute bekannt. Erst vor wenigen Wochen hatte die Direktorin des MMK in Frankfurt und erneute Kuratorin für den deutschen Pavillon verlauten lassen, dass 2013 vier ausländische Künstler Deutschland auf der Biennale vertreten werden. Damit wolle sie traditionelle Formen nationaler Repräsentation in Frage stellen. Mit dem Pavillon-Wechsel spitzt sie die Nationalfrage nun noch weiter zu – und setzt eine fixe Idee des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags endlich in die Tat um.

Denn die Initiative für den Pavillontausch sei ursprünglich von den Auswärtigen Ämtern der Länder ausgegangen, erklärt Gaensheimer. Bereits bei der letzten Biennale, wo sie im deutschen Pavillon eine Ausstellung mit dem überraschend verstorbenen Theater- und Filmemacher Christoph Schlingensief präsentierte, sei eine entsprechende Anfrage an sie gerichtet worden. Doch zu dem Zeitpunkt seien die Planungen schon zu weit gediehen. Diesmal hat sich Gaensheimer frühzeitig mit Kuratoren-Kollegin Christine Macel, die für den französischen Pavillon zuständig ist, verständigt.

"Wichtig war, dass alle beteiligten Künstler mit dem Wechsel der Ausstellungsflächen einverstanden waren", sagt Gaensheimer. Die vier Künstler, die sie für die Biennale ausgewählt hat – der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei, der deutsch-französische Filmemacher Romuald Karmakar, der südafrikanische Fotograf Santu Mofokeng und die indische Fotokünstlerin Dayanita Singh – waren von der Idee, ihre Werke im französischen Pavillon zu präsentieren, angetan. Kein Wunder eigentlich, stehen sie mit ihren Arbeiten doch für den modernen, global agierenden Künstlertypus, dem künstlerische Freiheit wichtiger ist als nationale Loyalitäten. Auch der für Frankreich antretende Künstler Anri Sala, der aus Albanien stammt und in Berlin lebt, hatte offenbar nichts dagegen, seinen Biennale-Beitrag im deutschen Pavillon zu zeigen.

Für Verwirrung dürfte der Pavillontausch wohl eher bei den italienischen Biennale-Organisatoren und einigen Besuchern sorgen. Wo Deutschland draufsteht, ist jetzt Frankreich drin – oder auch nicht. Jedenfalls werden an den nationalen Kunsttempeln in den Giardini nach wie vor die alten Ländernamen stehen: "GERMANIA" blass in Stein gehauen über dem französischen Beitrag und auf schnurgerader Sichtachse gegenüber "FRANCIA" in dicken Lettern über dem Portal der deutschen Ausstellung.

55th International Art Exhibition

Venedig
1. Juni bis 24. November 2013
http://www.labiennale.org/en/art/exhibition/