Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Leonie Radine empfiehlt diese Woche traumatisierende Sprengkörper, Gurkensalat verschmähende Pferde und mindestens zwei Gründe, die Kunst zu feiern.

Heidelberg: "I might die before I get a rifle"

Kriegswunden und Traumata: Die künstlerischen Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit physischer und psychischer Gewalt in 14 Jahren Bürgerkrieg im Libanon werden ab dem 21. November im Heidelberger Kunstverein erfahrbar.

Die ambitionierte Ausstellung "I might die before I get a rifle" ist eine Rekonstruktion eines 1989 unternommenen Projekts in Alexandria, das der Kurator Marwan Baroudi zusammen mit fünf libanesischen Künstlern realisierte. Farrid Sarroukh, Janah Hilwé, Maha Traboulsi, Hannah Mrad und Mhammad Sabra verarbeiteten damals in Fotos, Videos und Performances die Auswirkungen der libanesischen Kriege. Sprengkörper, Schusswaffen oder Explosionen wurden zum Gegenstand ihrer Arbeiten. Der Name Walid Raad kam 2002 ins Spiel, als dieser die Arbeiten im Kontext seines Kunstprojektes "Atlas Group" präsentierte. Die Ausstellung birgt also nicht nur die Geschichte des bewaffneten Konflikts im Libanon, sondern verfügt auch über eine außergewöhnliche Ausstellungshistorie. Der Kunstverein kehrt nun zu den Ursprüngen zurück und konnte den arabischen Kurator Baroudi dafür gewinnen, die Ausstellung von 1989 genauso noch einmal zu realisieren.

Hamburg: New Color Photography / Kiyoshi Suzuki

Walker Evans behauptete einmal, die Farbe in der Fotografie sei "vulgär". Wer sich vom Gegenteil überzeugen lassen will, sollte die Ausstellung der amerikanischen Fotografen Joe Maloney, Joel Meyerowitz, Stephen Shore und Joel Sternfeld besuchen. Im Haus der Fotografie in den Deichtorhallen werden ab Freitag bis zum 11. Januar 2009 vier prägende fotografische Positionen der New Color Photography der siebziger Jahre präsentiert. Und doch lassen sich ihre Werke kaum in eine Schublade stecken. Die eher formalästhetische Herangehensweise Stephen Shores unterscheidet sich maßgeblich von den romantisierenden Kompositionen von Joel Meyerowitz, subtil sozialkritische Stellungnahmen finden sich bei Joel Sternfeld, während Joe Maloney die Realität durch verfremdete Farbgebung auf eine surreale Ebene erhebt. Parallel dazu wird erstmals in einer deutschen Ausstellung das Werk des Fotografen Kiyoshi Suzuki gewürdigt. Der vor 8 Jahren gestorbene Japaner brachte soziales Engagement mit einem gefühlvollen anti-objektiven Ansatz zusammen, der sich in seinen Schwarzweißfotografien manifestiert. Für Fotografie-Enthusiasten ein Muss!

Delmenhorst: "Ein Pferd frisst keinen Gurkensalat"

Was ist denn das überhaupt für ein Titel? Der Satz "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" wurde ursprünglich Johann Philipp Reis 1861 in Frankfurt übermittelt, um zu beweisen, dass das von ihm erfundene Telefon tatsächlich funktionierte. Genauso können sich in einem dreiteiligen Ausstellungsprojekt nun junge Kunsthochschüler der Malerklassen in Bremen, Hamburg und Braunschweig beweisen. In ihren Labors und Werkstätten haben sie ihre künstlerischen Experimente lang genug erprobt, jetzt wird es Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Die acht ausgewählten jungen Künstler aus der Klasse von Professor Norbert Schwontowski an der Hamburger Hochschule für bildende Künste (HfbK) präsentieren bis zum 18. Januar ihre Ergebnisse aus Diskussionen über Tendenzen des Kunstmarkts, internationale Kunstvermittlung und die Möglichkeiten der musealen Ausstellung. Die Eröffnung findet am Freitag, dem 21. November, um 20 Uhr in der Städtischen Galerie Delmenhorst statt.

München: PIN.-Fest und Benefiz-Auktion

"Let´s party for a piece of art" ist das Motto der Benefiz-Auktion in der Münchner Pinakothek der Moderne, mit welcher der Ankauf des Werkes "Dark Form II" des amerikanischen Künstlers Philip Guston finanziert werden soll. Dafür wird die zentrale Rotunde des Museums in einen theatralen Raum verwandelt, in der ein umfassendes Entertainment-Programm, prominente Gäste und kulinarische Köstlichkeiten für einen festlichen Abend sorgen sollen. Im Mittelpunkt der alljährlich stattfindenden Feier des Förderkreises "PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne" steht jedoch mit Guston einer der wichtigsten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Um die nötige Summe für den Erlös für sein Werk zu erzielen, lassen Künstler und Galeristen hochrangige Werke etwa von David Claerbout, Andreas Hofer, Luc Tuymans oder Cy Twombly versteigern. Man kann nur hoffen, dass die Kauflust bei einem so guten Zweck größer ist als bei den jüngsten Auktionen von Sotheby´s und Christie´s. Am Samstag, den 22. November ab 20 Uhr haben Sie die Möglichkeit, die Münchener Pinakothek zu unterstützen.

Herford: Kunstfest zum Abschied von Jan Hoet

Wenn das mal kein gebührender Abschied ist. Mit einem großen Kunstfest, das sich über ein ganzes Wochenende erstreckt, wird dem scheidenden Leiter des Kunst- und Designmuseums Marta, Jan Hoet, feierlich die Ehre erwiesen. Sowohl Musik- als auch Kunstliebhaber kommen an diesem Wochenende in Herford ganz sicher auf ihre Kosten. Internationale Größen der Kunstszene wie Marina Abramovic, Tatsumi Orimoto und Oleg Kulik, der gerade noch auf der Pariser Kunstmesse FIAC für Furore sorgte, haben jeweils Performances für Jan Hoet geplant, die im Laufe des dreitägigen Festes aufgeführt werden. Für das musikalische Programm sorgen unter anderem die Free-Jazz-Legende Anthony Braxton, die belgische Klaviersolistin Thérèse Malengreau und die vom Pianisten Frank Höngen interpretierten Kompositionen von Erik Satie und Claude Debussy. Der Philosoph und Kunsttheoretiker Boris Goys spricht über die "Funktionen des Kurators in der heutigen Kunst", und außerdem werden verschiedene Filme unter anderem Performances von Hoets Freund Joseph Beuys präsentiert. Vom 21. bis zum 23. November wird das Museum zum Kunsttempel, in dem parallel zur Ausstellung "Loss of Control" bis zur Ekstase gefeiert werden kann.