Schloss Moyland - Bettina Paust

Ich habe ein klares Mandat

Bettina Paust, 47, neue Direktorin des Beuys-Museums Schloss Moyland, hat einen schweren Job angetreten: Die Sammlerfamilie van der Grinten, so ist bekannt, hat ihren Vorgängern immer wieder deutlich demonstriert, wer das Sagen im alten Wasserschloss hat.
Schwerer Job:Bettina Paust will den Neuanfang

Bettina Paust vor dem Museum Schloss Moyland

Künstlerwitwe Eva Beuys glaubt, dass in Moyland nachlässig mit den Arbeiten ihres berühmten Mannes umgegangen wird und fordert deshalb die Herausgabe von Werken, die Beuys den Museumsgründern Hans und Franz-Josef van der Grinten nur geliehen habe. Und als Bettina Paust, wenige Tage nach ihrer Ernennung, die Fotoausstellung "Joseph Beuys – Unveröffentlichte Fotografien von Manfred Tischer" in Moyland eröffnete, war in der Presse zu lesen, dass die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst gegen die Schau Einspruch erhebt, weil Urheberrechtsfragen nicht geklärt worden seien. Doch das alles, so scheint es, ficht Paust nicht an. art-Redakteurin Angelika Kindermann sprach mit der neuen starken Frau von Schloss Moyland.

Frau Paust, nach vier Jahren ist die Direktorenstelle in Moyland endlich wieder besetzt. Warum hat es so lange gedauert?

Bettina Paust: Diese Frage müssten Sie an die Stiftungsgremien richten. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass es unter den Stiftern (der Sammlerfamilie van der Grinten, die ihre Beuys-Werke eingebracht hat, den Schlossbesitzern Steengracht, sowie dem Land Nordrhein Westfalen, das mit jährlich drei Millionen Euro das Museum fördert Anm.d.Redaktion) unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft des Museums Schloss Moyland gegeben hat. So gesehen war es dann im Grunde sogar richtig, zunächst die Differenzen zu überwinden und erst dann zu entscheiden, mit wem an der Spitze man den weiteren Weg gehen will.

Die Sammlerfamilie van der Grinten hat bislang auf Schloss Moyland ein gewichtiges Wort mitzureden – sehen Sie da Probleme für Ihre Arbeit als Museumschefin?

Die Zustimmung zu meinem Konzept durch alle drei Stiftungspartner war meine Vorbedingung für meine Benennung. Ich bin also nicht nur als Direktorin berufen, sondern ich habe zugleich auch ein klares Mandat für die vor uns liegende Arbeit. Das ist jetzt bindend – für alle Beteiligten.

Ist es von Vorteil für Ihre neue Position, dass Sie selbst das Museum, in dem sie seit 2002 das Beuys-Archiv geleitet haben, gut kennen?

Es ist einerseits von Vorteil, ich kenne das Haus und das Haus kennt mich. Andererseits birgt es natürlich auch die Gefahr in sich, mit den kursierenden Vorurteilen über Moyland identifiziert zu werden. So gesehen habe ich eine schwierigere Startposition als jemand, der den Neuanfang von vornherein alleine dadurch verkörpert hätte, dass er ja von außen kommt.

Was wollen Sie ändern?

Ändern werde ich einiges, auch rasch. Dafür habe ich ein mehrstufiges Konzept über einen Zeitraum von fünf Jahren vorgelegt. Dazu gehört die komplette Neukonzeption und Neuhängung der ständigen Sammlung und damit auch der Abschied von der sogenannten "Moyländer Hängung" (die Werke wurden bislang, dicht auch über- und untereinander gehängt) Wir werden dafür ab kommendem Jahr das Haus für neun Monate schließen und danach neu eröffnen. Eine der ersten Maßnahmen wird im Außenbereich die Rückführung der sogenannten Eichenallee in ihren gartenhistorisch gesicherten Zustand sein.

Wie sehen Ihre Pläne für das Museum langfristig aus?

Wir müssen das Profil des Hauses schärfen, das ist dringend erforderlich. Dazu gehört unter anderem ein entsprechendes Ausstellungsprogramm. Außerdem müssen wir mit dieser einzigartigen Konstellation des weltweit größten Sammlungsbestandes an Beuys-Werken und dem Beuys-Archiv ganz klar unseren Rang als Beuys-Zentrum deutlich machen.

Wie stehen Sie zu der Forderung der Beuys-Witwe, Werke aus Moyland abzuziehen?

Für uns ist die Situation faktisch und rechtlich klar. Im Übrigen haben wir in dieser Angelegenheit seit Januar von Rechtsanwalt Pfennig (der Eva Beuys vertritt/Anm. der Red.) nichts mehr gehört.

Können Sie sich nach den Kontroversen überhaupt eine Zusammenarbeit mit Eva Beuys – immerhin eine Beuys-Spezialistin – vorstellen?

Absolut. Sie ist eine der wichtigsten Experten für das Werk von Joseph Beuys und ich würde mir eine sachlich konstruktive Zusammenarbeit sehr wünschen und glaube auch, dass es dazu kommen kann.

Was ist nun mit der aktuellen Foto-Ausstellung auf Moyland?

Die VG Bild-Kunst verlangt von uns, die Ausstellung "Joseph Beuys - Unveröffentlichte Fotografien von Manfred Tischer" (1925 bis 2008) nicht durchzuführen, obwohl das bloße Ausstellen der Bilder des 2008 gestorbenen Fotografen nicht einer Genehmigung durch die VG Bild-Kunst bedarf. Es ist außerdem bemerkenswert, dass hier nun ein "Einspruch" formuliert wird, der rechtlich nicht relevant ist und dann gleich an die Presse verschickt wurde.

"Joseph Beuys – Unveröffentlichte Fotografien von Manfred Tischer: Joseph Beuys - Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet, 1964 und Ausstellung Kleve, 1961"

Termin: bis 13. September, Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau
http://www.moyland.de/