Axel Hecht - Nachruf

Seiner Zeit weit voraus

Ein Nachruf auf Axel Hecht, der den Kunstjournalismus neu erfand: art war seine Leidenschaft, es wurde sein Lebenswerk
Raus aus dem Elfenbeinturm, rein ins Atelier!:Axel Hecht

Erster Chefredakteur und späterer Herausgeber von art: Axel Hecht

Axel Hecht war mit Leib und Seele ein guter Journalist. Er hat sich unser Magazin ausgedacht. Er hat es als Chefredakteur und später als Herausgeber über 28 Jahre geprägt. art war seine Leidenschaft, es wurde sein Lebenswerk. Er hat mit seiner Redaktion einen neuen Kunstjournalismus erfunden: Raus aus dem Elfenbeinturm des Kritikers im Feuilleton, rein ins Atelier, wo die Kunst entsteht! Spüren, erzählen und zeigen, was die Kunst ausmacht, das war seine Mission. Aus der Kunstkritik machte er die Kunstreportage. Und wer sich die Feuilletons heute anschaut, sieht, wie weit er seiner Zeit voraus war: Heute machen alle Magazin.

Er wollte eine Zeitschrift für Kunstbegeisterte machen, für wirklich jeden, der sich dafür interessiert. Dazu brauchte es: die besten Bilder, kluge und verständliche Texte. Einmischen in die Debatten. Unbestechlichkeit, Haltung, Bereitschaft für das Neue, das immer kommt.

Unzählige Künstler hat art so für alle erklärt, nicht nur für die Eingeweihten. art hat von den Alten Meistern erzählt. art hat die Klassische Moderne mit durchgesetzt, so dass alle sie jetzt lieben. art hat von Warhol über Beuys und die Jungen Wilden bis zu Neo Rauch jeden aktuellen Trend begleitet, jeden wichtigen Künstler besucht: immer neugierig, liberal, auch kritisch. Keinem Trend verpflichtet, allen Strömungen offen, das war Axel Hechts Devise. Sein Kunstmagazin wurde schnell das größte Europas und ist es heute immer noch.

Was man als Redakteur von ihm lernen konnte? Dass Journalismus ein harter, ein edler Beruf ist. Dass man eine Verantwortung hat, gegenüber sich selbst, gegenüber seinem Magazin, gegenüber seinem Stoff, gegenüber seinem Leser, das letzte vor allem. Und: dass Journalismus Spaß macht und etwas bewirken kann!

Axel Hecht liebte es, wenn Schreiber geigten, um schwieriger Materie etwas Gefühl abzuringen. Aber Schwulst, den hasste der Chefredakteur: Bei art, so eine seiner eisernen Regeln, wird bei Nachrufen nicht "verstorben". Bei art wird "gestorben."

Also lapidar, in seinem Sinn: Axel Hecht, geboren am 31. Mai 1944, ist am 26. November 2013 gestorben. Der Verlag Gruner + Jahr und die art-Redaktion verlieren einen großen Blattmacher und einen starken, klugen, zupackenden und feinen Menschen mit niemals nachlassender Liebe zur Kunst. Wir haben ihm viel zu verdanken. Er wird uns fehlen.

Wir sind in Gedanken bei seiner Frau Anne Volk, seinen Kindern Kristin und Max und den Enkeln, die er sehr liebte.