NRW-Forum - Düsseldorf

Heute werden Institutionen nicht mehr für die Ewigkeit geplant

Das NRW-Forum in Düsseldorf steht vor dem Umbruch, vielleicht sogar vor dem Aus. Werner Lippert und Petra Wenzel, die das Haus vor 13 Jahren gründeten, verlassen es Ende 2013, das Land Nordrhein-Westfalen streicht seine Förderung. Ein Gespräch mit Werner Lippert über die Zukunft seines vor allem mit Ausstellungen zu Fotografie und Werbung bekannt gewordenen "Kindes".
Umbruch oder Ende?:Interview mit Werner Lippert, Gründer des NRW-Forum

Werner Lippert

Herr Lippert, das Land Nordrhein-Westfalen hat überraschend bekanntgegeben, dass es seine Förderung für das Düsseldorfer NRW-Forum einstellt, weil Sie nächstes Jahr dessen Leitung aufgeben.

Da beschleicht einen der Verdacht, dass bei dieser Meldung vielleicht Ursache und Wirkung vertauscht wurden.

Werner Lippert: Nein, es war intern schon seit einiger Zeit bekannt, dass Petra Wenzel und ich unseren bis 2013 laufenden Vertrag nicht verlängern wollen. Nach 15 Jahren an der Spitze des NRW-Forums möchten wir mal wieder etwas anderes tun. Es gab diverse Überlegungen, was man macht, ob man die Stelle vielleicht ausschreibt, und im Zuge dieser Überlegungen hat das Land offenbar beschlossen, die Förderung aus Gründen der Haushaltsdisziplin nicht über 2013 hinaus zu verlängern.

Sehen Sie denn noch Chancen, dass das von ihnen konzipierte NRW-Forum in ähnlicher Form weitergeführt werden kann?

Ich kann das nicht seriös kommentieren, weil das alles noch sehr frisch ist und der Ball jetzt sozusagen im Spielfeld der Stadt Düsseldorf liegt. Aber ich weiß von allen Beteiligten, dass sie sich mit großem Engagement um eine Fortsetzung – in welcher Form auch immer – kümmern wollen.

Der Oberbürgermeister von Düsseldorf hat sich ja durchaus verschnupft über das Land gezeigt.

Das ist auch ein herber Einschnitt, weil das Land zwei Drittel der Fördersumme zahlt und die Stadt Düsseldorf ein Drittel. Aber im gleichen Atemzug hat der Oberbürgermeister gesagt, dass er alles daran setzen werde, eine neue Lösung zu finden.

Schmerzt es Sie, ihr "Kind" jetzt im Stich zu lassen?

Das ist ein schwieriges Thema. Auf der einen Seite fühlt man sich sehr dafür verantwortlich und möchte, dass es überlebt. Aber wir leben eben in einem Zeitalter, in dem man sich daran gewöhnen muss, dass auch Institutionen nicht für die Ewigkeit geplant werden können.

Werden Sie sich an der fälligen Neukonzeption des NRW-Forums beteiligen?

Ja, wir wurden von der Stadt gefragt, das wird der Prozess der nächsten Wochen sein. Genauer kann ich es nicht sagen, in Düsseldorf steht ja der Masterplan für die gesamte Museumslandschaft noch aus.

Im Moment gibt es Überlegungen, das NRW-Forum dem benachbarten Museum Kunstpalast zuzuschlagen.

Die Kollegen haben natürlich extremen Platzbedarf, und es gab dort ja auch Überlegungen für Neu- oder Anbauten, die aufgrund der Haushaltslage hinfällig wurden. Man könnte sich das durchaus vorstellen, da das Museum Kunstpalast auch über große Fotografiebestände verfügt. Das wäre eine inhaltliche Verlängerung unter neuem Dach.

Aber das wäre das Ende der Idee NRW-Forum, die Schnittstellen zwischen Kunst- und Werbewelt auszuloten.

Ja, das mag sein. Aber die Räume sind sicherlich zu schade, um sie etwa als Depot zu nutzen. Die haben eine große öffentliche Funktion an der Stelle, das verschleudert man nicht einfach so. Der Schaucharakter der letzten 13 Jahre sollte erhalten bleiben.

Für die Quadriennale im April 2014 betreuen Sie das NRW-Forum noch etwas länger.

Ja, das war der Wunsch des Kulturdezernenten, und das tun wir natürlich gerne.

Haben Sie konkrete Pläne für Ihre Zukunft?

Wir sind nicht fest angestellt, sondern betreiben das NRW-Forum als Agentur und wollen einfach wieder an unsere früheren Projekte wie für Hugo Boss oder das Guggenheimmuseum anknüpfen. Wir möchten definitiv wieder freiere Projekte betreuen. Außerdem arbeiten wir ja noch bis zum 31.12. 2013 und werden das in aller Ruhe angehen.

Bleiben Sie in Düsseldorf, oder zieht es Sie nach Berlin?

Es ist schwierig für einen Rheinländer, nach Berlin zu ziehen. Ich glaube, wir bleiben eher hier.