Honey Space - New York

Autonom in Chelsea

Wer in der Galerie "Honey Space" ein Bild kaufen will, muss den Künstler direkt anrufen. Es gibt keine Empfangsdamen. Statt weiß getünchten Wänden und polierten Betonböden findet man einen Ausstellungsraum ohne Fenster vor und betritt die eigenwillige kleine Galerie, die noch nicht einmal ein Schild an der Tür hat, durch einen Tunnel aus Heu. In Berlin oder Brooklyn wäre ein alternativer Kunstraum wie dieser nichts Besonders. "Honey Space" liegt jedoch gleich um die Ecke der Stargaleristen Paula Cooper und Pace Wildenstein – und mitten in New Yorks Galerienviertel Chelsea: der weltweiten Topadresse für Kunst.
Radikales Galeriekonzept:Autonome erobern das New Yorker Galerienviertel Chelsea

"Honey Space": Obwohl niemand auf die Kunst aufpasst, wurde noch nichts geklaut.

Einige der 360 Galeristen aus der Nachbarschaft blättern hier jeden Monat bis zu 90 Dollar Miete pro Quadratmeter hin. Diese Probleme hat Thomas Beale nicht. Der 30-jährige "Honey Space"-Galerist und Künstler trennte einfach einen Teil des nicht einmal beheizten Raumes im Erdgeschoss ab, in dem vor gar nicht allzu langer Zeit eine Bar zu Hause war und den er seit eineinhalb Jahren als Atelier nutzt. Der Raum befindet sich in einem der wenigen ehemaligen Lagerhäuser des Viertels, das noch nicht aufwendig renoviert und umgebaut wurde – und ist jetzt das ungewöhnlichste Galeriekonzept in Chelsea.

Immobilienentwickler Alf Naman überlässt Beale das Haus auf der 11th Avenue, zwischen der 21. und 22. Straße, so lange, bis dort der Bau von Luxuswohnungen beginnt. "Wir wollen der Künstlergemeinde etwas zurückgeben, denn für sie ist es bei den teuren Mietpreisen schwer, überhaupt noch etwas in Manhattan zu finden", sagt Naman, der auch als Partner bei dem von Jean Nouvel designten Apartmenttower in der Nachbarschaft beteiligt ist.

"Es ist verrückt, dass sich unser Paradies mitten in Chelsea befindet", meint der 29-jährige Beale. In seiner neuen Galerie können Freunde nun ihre Ausstellungen realisieren. Dabei wirft "Honey Space" keinen Gewinn ab: Die Künstler beteiligen sich an den niedrigen, laufenden Kosten und verkaufen ihre Werke zum Direktpreis. So sind die Acrybilder von Adam Stanforth, der seine Arbeiten als erster Künstler im "Honey Space" zeigt, schon für 90 bis 500 Dollar zu haben – unglaubliche Schnäppchen für Chelsea. Seit der Eröffnung der Ausstellung, die Beale und Stanforth mit Rum und Schokoladenfondue feierten, wurden bereits einige Bilder verkauft. Eines hat Beale an einen Händler aus Kalifornien verkauft, der einen Bericht über die autonome Galerie in der "New York Times" gelesen hatte.

Erstaunlich ist: Obwohl niemand auf die Kunst aufpasst, wurde noch nichts geklaut. Und weitere Ausstellungen sind auch geplant – aber die süße Zeit ist begrenzt. "Vielleicht können wir noch zwei Jahre bleiben", sagt Beale. Er selbst präsentiert seine Holzskulpturen in der Zwischenzeit bei einer ganz anderen, sehr etablierten Adresse: Im Schaufenster des Kaufhaus "Lord und Taylor" auf der Fifth Avenue, neben Mode von Donna Karan und Hugo Boss.

"Adam Stanforth – Still Reaping"

Termin: bis 15. März, Honey Space, New York.
http://www.honey-space.com/