Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: Blauorange-Preisträger Björn Braun, Fotografien von Donata Wenders, Berliner Blau, Pippikunst von Frank Maier und Tendenzen der Bildhauerei von Giacometti bis Picasso.

Ulm: "Photographie von Donata Wenders"

"Ich begeistere mich für Menschen, deren inneres Strahlen, Hoffen oder Suchen ich in einer Geste oder Haltung sehen kann", erklärt die deutsche Fotografin Donata Wenders. Ihre oft poetischen und eindringlichen Porträts sind jetzt neben Stadtbildern und Landschaftsaufnahmen in einer großen 150 Arbeiten umfassenden Werkschau in Ulmer Stadthaus zu sehen (bis 7. März). Neben den klassischen Schwarzweiß-Fotografien, darunter faszinierende Porträts etwa von ihrem Mann, dem Filmemacher Wim Wenders, oder von der 2009 gestorbenen Tanz-Revolutionärin Pina Bausch, erkundet die Künstlerin Jahrgang (1965) mit ihrer neuen Bildserie "Fresken" auch das Grenzgebiet zwischen Fotografie und Malerei.

Kunstverein Brauschweig: Björn Braun

Rumpelstilzchen verstand es, Stroh zu Gold zu spinnen – Björn Braun nimmt das Stroh von Vogelnestern, kocht es ein, verarbeitet es zu Eierkartons und bewahrt darin die Eier jener Zebrafinken auf, denen er wiederum Stroh gibt, damit sie sich ein neues Schlafnest daraus spinnen. Für seine ausgeklügelten Recyclingverfahrern hat der 1979 in Berlin geborene Künstler, der an der Karlsruher Kunstakademie studierte, in diesem Jahr verdientermaßen den Blauorange-Preis 2009 erhalten. Der Braunschweiger Kunstverein richtet ihm vom 11. Dezember bis 31. Januar die Preisträgerausstellung "Schöpfung aus Künstlerhand" aus. Zu Brauns Schöpfungen zählen außerdem aus eingekochten Stühlen gefertigte Collagen mit Details, die in einem früheren Leben einmal Telegrafenmasten waren, oder auch ein leinengebundener Roman von Adalbert Stifter, der nun ein flach an der Wand hängendes Landschaftsbild ist.

Berlin: "Berliner Blau"

Es ist ein tiefes, sattes, strahlendes Blau – das Berliner Blau, auch bekannt als Preußisch Blau: Seit Beginn des 18. Jahrhunderts gehört es zu den meist verwendeten Pigmenten. Es ist die Farbe des Traums, der Illusion, der Ferne. Die Berliner Galerie Kai Hilgemann präsentiert bis zum 30. Januar eine Gruppenausstellung, in der acht internationale zeitgenössische Künstler Arbeiten zeigen, in denen das Berliner Blau eine besondere Rolle spielt. Dabei geht es in der Bildern von Antón Lamazares, Liv Mette Larsen, Manuel Ros, Peter und Torsten Ruehle, Jan Smejkal, Bosco Sodi sowie Stephen Wilks nicht nur um Blau als ausdrucksstarkes monochromes Destillat sondern auch darum, wie die Farbe in Konfrontation mit anderen wirkt und wie Form und Farbe zusammenspielen.

Karlsruhe: "Von Rodin bis Giacometti"

Einen großartigen Überblick über die wichtigsten Tendenzen der Bildhauerei zwischen 1900 und 1945 ist in der Kunsthalle Karlsruhe noch bis zum 28. Februar zu sehen. Über hundert Werke, darunter rund 90 Leihgaben aus internationalen Sammlungen, sind hier versammelt: markante Skulpturen von großen Meistern wie Pablo Picasso, Constantin Brancusi, Kurt Schwitters, Käthe Kollwitz, Wilhelm Lehmbruck, Alberto Giacometti. Die Ausstellung, die treppauf und treppab durch das ganze Haus führt, ist nicht chronologisch sondern thematisch in verschiedene Kapitel geordnet, die tragen Titel wie "vom Raum durchdrungen", "Gebärdefigur" oder "Sehnsucht nach Ursprünglichkeit".

Interventionsraum Stuttgart: Frank Maier

"In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit den Themen Gewalt, Sexualität, Behinderung, Ekel und Attraktion", sagt Frank Maier alias Pippifrank über sich selber. Der Künstler, der an der Kunstakademie Stuttgart Bildhauerei studierte, hat bereits Urinkristalle gezüchtet (und sie mit Gold überzogen), für seine mehrteilige Fotoserie "Sehenswürdigkeiten" Frauenbeine von Shanghai über Paris bis Sofia fotografiert und immer wieder Figuren von Pippi Langstrumpf bis Henri de Toulouse-Lautrec beim Urinieren gezeichnet. Im Stuttgarter Interventionsraum (11. Dezember bis 5. Januar) präsentiert Maier jetzt seinen neuen Werkzyklus "Moritze und Max bei den Hühnern" (2009): Aquarelle, die Wilhelm Buschs berühmte Lausbuben, vor allem beim – na? was wohl? – urinieren zeigen. Eine kleine Interpretationshilfe bietet sein ehemaliger Professor, Rainer Ganahl, an: "Maier verzaubert und schockiert zugleich, ohne jedoch die tragende Hass-Liebe-Spannung zu entschärfen. Das soziale wie auch objektkritische Reflexionspotenzial wird durch diese schrägen, provozierenden Arbeiten gestärkt und schafft einen psychosozialen Mehrwert, der unseren Gesellschafts- und Liebesnormen Antworten abverlangt, ohne erst groß Fragen zu stellen."