Hörl-Zwerge - Hitlergruß

Persiflage oder Strafbestand?

Plastikzwerge mit Hitlergruß – eine Ausstellung von Ottmar Hörl in einer Nürnberger Galerie rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan.

"Darf’s ein bisschen mehr sein?" Diese an der Fleischtheke oder am Gemüsestand oft gehörte Frage hat der deutsche Künstler Ottmar Hörl für seine Kunst mit "Ja" beantwortet. Wo andere sich mit einer simplen Skulptur begnügen, macht es bei Hörl die Masse: So stellte er in Wiesbaden 3000 hessische Löwen aus Plastik auf, 2000 Frischlinge in Nürnberg, 10 200 Eulen in Athen, 7000 Hasen in Nürnberg. Und immer wieder Gartenzwerge.

Das entweder heiß geliebte oder tief verhasste Kerlchen, für die einen das Symbol deutscher Gemütlichkeit, für andere Inbegriff des Spießertums, brachte Hörl jetzt mit dem Gesetz in Konflikt. Hatten 2005 noch 1000 Hörl-Wichtel auf der Art Fair Köln ohne jede Beanstandung ihren Stinkefinger recken können, so riefen jetzt in Nürnberg 700 Gnome in der Galerie von Erwin Weigl die Staatsanwaltschaft auf den Plan: Die Kunststoff-Winzlinge hatten den Arm zum Hitlergruß ausgestreckt.

Laut Justiz ist die Verwendung von Nazisymbolen nur dann straffrei, wenn damit "verfassungswidrige Organisationen kritisiert werden". Hörl argumentiert nun, er habe ja mit den Wichteln den deutschen "Herrenmenschen" persiflieren wollen. Seit Tagen bekomme er Anfragen von Kaufinteressenten aus aller Welt, berichtete der Künstler. Darunter seien auch viele renommierte jüdische Kunstsammler in den USA. "Die haben die Ironie genau verstanden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ob Kritik allerdings mit Objekten (Stückpreis im Hörl-Online-Shop 40 Euro) gelingen kann, die nur ganz haarscharf an der in Deutschland so beliebten Stadtmöblierung (Bären in Berlin, Pferde in Aachen, Wasserträger "Hummel" in Hamburg) vorbeischrammen?

Die Staatsanwaltschaft ist nicht dieser Meinung. Sie will prüfen, ob Kritik an verfassungswidrigen Organisationen "bei Gartenzwergen genauso eindeutig der Fall ist wie etwa bei Plakaten mit durchgestrichenen Hakenkreuzen", so Justizsprecher Wolfgang Träg. "Spiegel"-Online fragte sich angesichts dieses Tatbestandes: "Was ist provinzieller? Die Reaktion auf das Kunstwerk oder das Kunstwerk selbst?" Bei der Kunstmesse im belgischen Gent 2008 konnten die Hörl-Zwerge übrigens ihren Ärmchen unbeanstandet zum Hitlergruß heben.

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