Geschenketipps der art-Redaktion - Weihnachten

Kleine Sonne oder optische Enttäuschung?

Bald ist schon Weihnachten, wer jetzt noch Ratschläge für die Geschenke braucht, dem hilft die art-Redaktion weiter.
Höchste Zeit:Was legen Sie unten den Gabentisch?

Karsten Henning, Art-Director, verschenkt Olafur Eliassons Solar-Leuchte "Little Sun"

Karsten Henning, Art-Director, setzt auf die Sonne: "Ich verschenke kleine Sonnen. Die Solar-Leuchte "Little Sun" des dänischen Künstlers Olafur Eliasson spendet fünf Stunden Licht, dann muss sie ebenso lange wieder aufs Fensterbrett, Tageslicht tanken.

Sie ist Designobjekt und Entwicklungshilfe in einem – denn wer hierzulande die kleine Sonne für 20 Euro kauft, sorgt dafür, das eine Lampe zum halben Preis in Ländern ohne festes Stromnetz verkauft werden kann. Die robuste Leuchte ist universell einsetzbar, man kann sie aufhängen, umhängen, hinstellen. Darüber hinaus musste "Little Sun" bei mir bereits als Fahrradlampe einspringen, Schnee abwettern und als Wurfgeschoss der Nachbarskinder herhalten. Denn das beste ist: Kinder lieben dieses Teil."
Zur Sonne

Barbara Hein, Redakteurin, folgt dem Motto: Häng's auf, Baby!: "Ich schenke dieses Jahr meiner Tochter ihren ersten Design-Klassiker: die leuchtend bunte Kugel-Garderobe "Hang it All"kommt in ihr neues Kinderzimmer. Und genau da gehört sie auch hin, denn Charles und Ray Eames entwarfen das fröhliche Teil 1953 nicht etwa für Erwachsene, sondern Kinder. Der Name war und ist Programm: "Häng alles auf!" soll die kleinen Chaos-Connaisseure dazu ermuntern, zur Abwechslung mal klar Schiff zu machen. Wir werden sehen!"
Das von Vitra vertriebene Original gibt es bei ausgesuchten Händlern in virtuellen und echten Läden und kostet etwa 200 Euro.

Ralf Schlüter, stellvertretender Chefredakteur, empfiehlt Kunst im Kino: "Der Film "The Artist is Present" ist eine Dokumentation über die gleichnamige Ausstellung von Marina Abramovic 2010 im New Yorker MoMA. Neben der Wiederaufführung älterer Arbeiten durch junge Künstler sorgte ihr eigener Auftritt für Furore: Drei Monate lang saß die serbische Künstlerin jeden Tag sieben Stunden lang auf einem Stuhl im Atrium des Museums; ihr gegenüber setzen sich Besucher für einige Minuten oder länger. Der Augenkontakt zwischen Betrachter und Künstlerin wurde zum stummen Dialog, der intensive Gefühle freisetzte. Der Dokumentarfilmer Matthew Akers dürfte die Künstlerin auch begleiten, er sprach mit Weggefährten und sammelte biografisches Material. So entstand nicht nur eine Reportage über diese ungewöhnliche Marathon-Performance, sondern auch ein Porträt einer Künstlerin, die sich mit Haut und Haaren ihrem Werk ausliefert."
"The Artist is Present" läuft in Programmkinos und ist auf DVD erhältlich.

Macht Ann Kimminich, Praktikantin, mit Brot eine Freude? "Mimikry? Fladenbrot gleich Federmäppchen. Statt Gemüse und Fleisch können mit "Ashtanur" (Arabisch für Ofenbrot) Stifte und andere Utensilien eingerollt werden. Die originelle Federmappe wurde von den israelischen Produktdesignern Baruch Mogilevsky und Ido Mohar entworfen und verdankt ihren Namen einer Pita-Brot-Spezialität in Jerusalem."
Das Mimikry-Mäppchen

Petra Bosetti, Redakteurin, setzt auf einen Berlin-Besuch: "Ihr Entdecker, der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt, hatte sie prosaisch "bemalte Prinzessin" genannt – heute ist die Büste der ägyptischen Königin Nofretete ein weltberühmtes Schönheitsideal, dem nun im Neuen Museum Berlin aus Anlass des Fundjubiläums vor 100 Jahren die große Ausstellung "Im Licht von Amarna" gewidmet ist. Ich habe mir als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk ein Ticket gekauft, verbunden mit einem Wochenende in Berlin – heißer Tipp für Kunstfreunde: Nofretete zieht immer!" Tickets für Nofretete

Raluca Pora, Redakteurin, weiß: Es muss nicht immer etwas Großes sein: "Eine große Designerlampe ist meist teuer, eine kleine auch, aber ein kleiner Design-Flaschenkorken ist im Verhältnis nicht mehr so teuer. Und der ästhetische Gewinn ist trotz des kleinen Formats enorm und eigentlich unbezahlbar. Statt eines neuen Smartphones, eines iPads, eines Flatscreens oder Alpaka-Unterwäsche rate ich zum Kauf eines edlen, formschönen und 150 US-Dollar wertigen Silberkorkens des österreichischen Designers Josef Hoffmann von 1923." Zu finden bei der Neuen Galerie.

Angelika Kindermann, art-Redakteurin, will dieses Jahr ein kleines Kunstwerk zum Weihnachtsfest verschenken: "Es sind nur wenige, geschickt gesetzte Pinselstriche, mit denen Elmar Lause fein herausgeputzte Damen oder schnittig posierende Herren in kuriose Monster, bizarre Geschöpfe, verrückte Wesen verwandelt. Der Hamburger Künstler übermalt alte, vergilbte Fotoporträts, die er auf Flohmärkten ersteht. Eine dieser skurrilen Arbeiten trägt den Titel "Der tiefe Traum" (2012) und hat es mir besonders angetan." (Bis zum 21. Dezember ist sie noch mit anderen Übermalungen Lauses, die zwischen 220 und 270 Euro kosten, bei Feinkunst Krüger in Hamburg ausgestellt.)

Pamela Axmann, Bildredakteurin, begeistert mit optischen Enttäuschungen: "Von Hans Holbein d. J. über die Trompe-l'oeil-Malerei bis zur Op-Art im 20 Jahrhundert – gern spielte die Kunst mit Wahrnehmungstäuschungen. Willy Dumaz und Ingo Hofmeister, beide Spiel- und Lerndesigner von der Burg Giebichenstein in Halle/Saale, machen sich in einfach hingekritzelten Scherzzeichungen über optische Phänomene lustig. Die kleinen Bücher "Optische Enttäuschungen"auf Recyclingpapier und Druckfarben aus nachwachsenden Rohstoffen kosten 3 Euro pro Stück."

Tim Holthoefer, Bildredakteur, empfiehlt unmögliche Kameras:
Die Sofortbild-Produkte von "The Impossible Project" sind eigentlich zu jeder Gelegenheit ein schönes Geschenk. Die Gründer der Initiative kauften 2008 die Produktionsstraße einer geschlossenen Polaroid-Fabrik und entwickelten eigene Filme für Kameraklassiker wie die SX-70. Zu kaufen gibt es das Material in Partner-Läden in der ganzen Welt und auf der Webseite des Projektes. Damit das Geschenk auch wirklich sofort ausprobiert werden kann und einem spontanen Fotoshooting unter dem Weihnachtsbaum nichts im Wege steht, sollte man dem Beglückten sicherheitshalber auch eine Kamera zur Verfügung stellen. Wer seine eigene längst weggeschmissen hat, muss nicht verzagen: Im Online-Shop von "The Impossible Projekt" finden sich auch überholte Apparate, die mit den angebotenen Filmen kompatibel sind."

Undine von Rönn, Chefin vom Dienst, empfiehlt einen Ausflug: "Zu Weihnachten werde ich Karten für das Kunsthaus Stade verschenken – nicht ganz uneigennützig, denn ich habe es selbst noch nicht geschafft, mir die – wie ich vorausahne – wunderbare Max-Pechstein-Ausstellung zu besuchen (so werde ich mit den Beschenkten zusammen dorthin fahren). Zu sehen sind in der Schau "Max Pechstein auf Reisen. Utopie der Wirklichkeit" 138 Ölgemälde, Zeichnungen, Holzschnitte und Skizzen, die die Kuratorin Ina Ewers-Schultz mit Pechsteins Enkeln, Julia und Alexander Pechstein, zusammengetragen hat." Nach Stade!

Daniel Boese, Redakteur, denkt an eine kleine Ikone für große Baumeister: "Die Villa Savoye von Le Corbusier ist natürlich eine Ikone der Moderne, bei der man schön die fünf Punkte sieht, die der Über-Architekt forderte: Dachgarten, frei gestalteter Grundriss und Fassade, Trennung von tragenden und nicht-tragenden Elementen und die Langfenster. Aber das wirklich beeindruckende am Lego-Modell ist, wie das echte Haus in kleine Plastikklötzchen übersetzt: Weil dem Berliner Gestalter Michael Help die Säulen aus runden Einer-Steinen zu dick waren, verwendete er schlanke Star-Wars-Lichtschwerter. Elegant!"
Corbusier für alle

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