Dennis Hopper - Nachruf

Etwas Bleibendes schaffen

Dennis Hopper erlag am Wochenende im Alter von 74 Jahren seinem Krebsleiden. Ein limitierter Fotoband zeigt den Schauspieler als Fotografen.
Hopper erliegt seinem Krebsleiden:Dennis Hopper stirbt mit 74 Jahren

Porträt Dennis Hopper

Er sah schmal aus und wirkte ein wenig zerbrechlich. Aber er war geschäftig wie in besten Zeiten. Vor allem hatte er noch viel vor. Das erste Mal in 16 Jahren war es dem 74-Jährigen gelungen, die Finanzierung für einen neuen Film zu organisieren, wie er im Herbst in einem Interview erzählte. Der Film sollte das nächste große Ding werden.

Wie damals 1969 "Easy Rider", seine Hymne auf die Hippie-Zeit, die Dennis Hopper gemeinsam mit Peter Fonda geschrieben hatte. Hoppers Meisterstück als Regisseur läutete in Hollywood eine neue Ära ein and traf das Lebensgefühl seiner Generation. Es folgten Filme wie "Out of the Blue" von 1980, die von Kritikern geliebte Geschichte eines rebellischen Teenagers, die in Hoppers Original-Version nicht in England gezeigt werden durfte. Oder "Catchfire" mit Jodie Foster, von dessen Studio-Version sich der Regisseur distanzierte und seinen Namen zurückzog. Bei "Colors – Farben der Gewalt" Ende der achtziger Jahre über die Gangs von Los Angeles mit Sean Penn und Robert Duvall warb Hopper wirkliche Gang-Mitglieder an. Zwei von ihnen wurden während der Dreharbeiten im Gang-Alltag von L.A. erschossen.

Einfach war es nie, mit Dennis Hopper zu arbeiten. Seine Ansichten vertrat er mit Sturheit. Das Extreme, vor dem andere zurückschreckten, zog ihn magisch an. Hopper war das, was man wohl am besten mit "unbequem" beschreibt. Kein anderer als James Dean überzeugte den blutjungen Schauspieler davon, seine Rollen zu leben, anstatt brav Texte aufzusagen. Die Folge war, dass Hopper in Hollywood als schwierig galt – und ihm kaum Hauptrollen angeboten wurden. Also zog er sich in seine Fotografie zurück. Gemalt hatte der Schauspieler, der die Abstrakten Expressionisten bewunderte, schon immer. Er war mit James Rosenquist befreundet und mit Ed Ruscha, dessen Atelier sich gleich in der Nachbarschaft in Venice Beach in Los Angeles befindet. In den sechziger Jahren lernte Hopper den legendären Galeristen Walter Hopps kennen und tauchte in den Kreis von Hopps Künstlern ein, zu denen George Herms, Wallace Berman und Ed Kienholz zählten. Neben dem Künstler Hopper gab es auch den leidenschaftlichen Sammler mit einem Faible für Pop Art. Dass er eines von Warhols Soup-Can-Bildern für 75 Dollar kaufte und dass seine wertvolle Sammlung bei der Scheidung von Schauspielerin Brooke Hayward draufging, passt zur Hopper-Saga. 100 Millionen Dollar sei die Sammlung von damals heute wert, erzählte der Hollywood-Star. Er liebte solche Geschichten und ließ dann gern sein höllisches Lachen ertönen, dass an den alten Hopper aus wilden Zeiten erinnerte.

Er war im Herbst nach New York gekommen, um seinen nostalgischen Fotoband ("Dennis Hopper: Photographs 1961-1967") mit Bildern von seinen berühmten Künstlerfreunden, Bands und Rockern vorzustellen. Salman Rushdie, Sean Penn, der seinen Sohn nach Hopper benannt hat, und Matt Dillon liefen zum Opening auf. Doch am wichtigsten schien dem Künstler seine jüngste Tochter Galen zu sein, mit der er Händchen haltend durch die Galerie flanierte. Ganz Hopper wurde der Interviewtermin völlig überraschend per Telefon an einem Samstagnachmittag für Sonntag bekannt gegeben. Die Galerie seines alten Freundes Tony Shafrazi hatte den Schauspieler während der Vorbereitungen der Ausstellung kaum zu fassen bekommen, er steckte bei den Dreharbeiten zu seiner TV-Serie "Crash" irgendwo in der Wüste fest. Es sollte ein kurzes Gespräch über die Ausstellung werden. Doch dann nahm Hopper in der Küche der Galerie Platz und hatte alle Zeit der Welt.

Für einen Oscar hat es nie gereicht

Dass sein Bildband überhaupt zustande kommen konnte, hängt mit einer berühmten Hopper-Geschichte zusammen: In den siebziger Jahren hatte der inzwischen verstorbene Walter Hopps seinen Freund in Taos, Mexiko, besucht. Waffennarr Hopper lief mit einem Maschinengewehr herum und schoss wie wild um sich. Natürlich waren Alkohol und Drogen im Spiel. Zum Glück wurde er bewusstlos, so dass Hopps ihm die Waffe abnehmen konnte und schließlich auch sein gesamtes Bilderarchiv. Wer weiß, ob es sonst noch existieren würde.

Hoppers zweite Ehe mit Schauspielerin Michelle Phillips war 1970, nach nur acht Tagen, in die Brüche gegangen. Hopper landete später in der Psychiatrie, wo er einen Zwangsentzug machte und seitdem die Finger von harten Drogen und Alkohol ließ. Er zog sich für eine Weile vom Film zurück. Siedelte nach Los Angeles über, heiratete irgendwann ein fünftes Mal, wurde im hohen Alter von 67 Jahren noch mal Vater, rauchte Gras, um zu entspannen und wurde insgesamt ruhiger. Ein wenig jedenfalls. Er sei immer noch ein nervöser Typ, bekannte Hopper. Den Finger hätte er ständig am Auslöser der Kamera. Die Leidenschaft für seinen Beruf hat er nie verloren. Zwar schuf er in Filmen wie "Der amerikanische Freund", "Apocalypse Now" oder David Lynchs "Blue Velvet" unvergessliche Figuren, aber er nahm auch Rollen in wenig anspruchsvollen Unterhaltungsfilmen oder Fernsehserien an, um Geld zu verdienen. Gern wurde er mit dem Part des wahnsinnigen Bösewichts besetzt.

Für einen Oscar hat es nie gereicht, nur für Nominierungen. Wie wichtig Hopper die Anerkennung als Künstler war, konnte man spüren, als seine Retrospektive 2001 im renommierten Stedelijk Museum in Amsterdam eröffnete. Von seinem Malerfreund Julian Schnabel begleitet, erschien Hopper zur Vernissage und bekannte gerührt, dass Künstler wie Cézanne und van Gogh ein Leben lang auf solch eine Ausstellung gewartet haben. Schon in jungen Jahren hatte sich der Star ernsthafte Gedanken darüber gemacht, was er nach seinem Tod hinterlassen würde: "Ich hatte den Ehrgeiz, Künstler zu sein und etwas Bleibendes zu schaffen." Also fotografierte und dokumentierte er und versuchte, die Zeit festzuhalten. Im Interview beklagte Hopper, dass er statt der alten Bilder seine Farbfotos aus den letzten 15 Jahren, von denen er viele digital geschossen hat, ausstellen wolle. "Es ist verrückt. In meinem Alter muss ich versuchen, mit meiner Arbeit Schritt zu halten."

Nicht viel später wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Dennis Hopper soll bereits seit Jahren unter Krebs gelitten haben. Kurz vor seinem Tod geriet der Schauspieler mit seiner Familie und der Meldung, dass er sich nach 14 Jahren Ehe von seiner Frau Victoria scheiden ließe, noch mal in die Schlagzeilen. Inwiefern der unter starken Medikamenten stehende Hopper die Scheidung wollte oder ob das Ganze von seiner ältesten Tochter Marin inszeniert wurde, um Victorias Erbanteil zu beschneiden, blieb unklar. Marin lebt mit ihrem Kind bei ihrem Vater und seiner Frau in Venice und buchte die Auftritte für den Star. Sein Leben sei in Ordnung, hat Hopper gesagt, aber "ohne diesen Drang etwas zu schaffen und die Angst, es nicht hinzukriegen", wäre es ihm so manches Mal leichter gefallen.

"Dennis Hopper: Photographs 1961-1967"

Taschen Verlag, limitierte Auflage von 1500 nummerierten und signierten Exemplaren, 546 Seiten, 1000 Dollar

http://www.taschen.com/pages/de/catalogue/photography/all/01070/facts.dennis_hopper_photographs_1961_1967.htm

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