Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autor Erik Stein empfiehlt diese Woche: unsichtbare Tänzer, verbrecherische Comics und verformte Parkbänke.

Hamburg: Ausstellung feiert neue Ausgabe von "Spring"

Unter dem Namen "Spring" formierte sich 2004 eine kleine Gruppe von zunächst vier Zeichnerinnen in Hamburg, um gemeinsam ein Magazin herauszugeben. Zusammen mit befreundeten Künstlern gab man sich furchtlos und übernahm neben den Zeichnungen kurzerhand auch Gestaltung und Layout. So kam es, dass im jährlich erscheinenden „Spring“ bis heute auch sämtliche Anzeigen von den teilnehmenden Künstlern selbst gezeichnet werden. Etwa acht Monate vor der Zusammenstellung des Heftes einigen sich die Künstler auf ein übergeordnetes Thema.

Zur Freude der Leser pflegen die Zeichner im Umgang damit sehr unterschiedliche Handschriften. Vom bekannten Comicstrip bis zu den Rändern des Genres, von der klassischen Kurzgeschichte bis zu gänzlich textfreien Bilderfolgen reichen die Beiträge. Insgesamt von sehr beeindruckender Qualität und liebevoller Machart. Die jetzt neu erscheinende und in ausgewählten Buchhandlungen oder online zu erwerbende sechste Ausgabe von "Spring" versammelt Arbeiten zum Thema "Verbrechen". Die dazugehörige Ausstellung eröffnet am Freitag den 10. Juli um 20 Uhr im Hamburger Hinterconti.

Berlin: Allora & Calzadilla in der Temporären Kunsthalle

Das amerikanisch-kubanische Künstlerduo Jennifer Allora (1974) und Guillermo Calzadilla (1972) gastiert, ausgestattet mit einem DAAD-Stipendium, derzeit in Berlin. Vom 11. Juli an bespielen sie die Temporäre Kunsthalle mit einer eigens hierfür entwickelten Rauminstallation. Die Halle unterteilen sie dabei horizontal, so dass ihre Höhe sich für den Besucher auf weniger als ein Drittel der Originalhöhe reduziert. Nicht sichtbar, dafür hörbar, ist der Tänzer, der sich allein durch den so entstandenen oberen Raum bewegt. Die so erklingenden Resonanzen, verstehen die Künstler als sprachliche Zeichen: "Der Tänzer ist wie ein Gespenst, das sich diese waagerechte Strecke entlang bewegt und dessen akustische Spuren zu einer Art metrischer Sprache werden – zu einem rhythmischen und poetischen Mittel der Kommunikation mit dem Publikum unter ihm". Die bis September laufende Ausstellung – es ist die letzte, die der zurückgetretene künstlerische Beirat zu verantworten hat – zeigt darüber hinaus auch die neue Videoarbeit der beiden Künstler. In "How to Appear Invisible" dokumentieren sie den endgültigen Abriss des Palasts der Republik Ende 2008. Die Kamera folgt dabei einem streunendem Schäferhund durch die Ruinen. Sein Halsband ziert das Logo eines amerikanischen Franchiseunternehmens: Kentucky Fried Chicken.

Berlin: "Zwei Sonnen" von Meike Zopf

Ihre Figuren scheinen der Wirklichkeit enthoben zu sein. Für sich genommen wirken sie zerbrechlich, schutzbedürftig. Dadurch aber, dass die Hannoveraner Malerin Meike Zopf (1972) sie in eine entsprechend zarte, pastellige Landschaft einwebt, betritt der Betrachter angstfreies Terrain. Unbekümmert verfolgt er das sanfte Spiel der Farben, die surreal anmutenden Kombinationen mit Übergängen ins Abstrakte. Wiederkehrend ist das florale Motiv, mit dem Zopf ihre Landschaften ornamentiert. Man könnte das leicht als kitschig abtun, würden sich diese malerischen Sehnsuchtsorte nicht so unverfälscht darbieten. Und schließlich tut sich doch noch ein Abgrund auf: Die meisten von Zopfs Figuren haben kein Gesicht, keine Augen, mit dem sie der sie umgebenden visuellen Pracht habhaft werden könnten.
"Zwei Sonnen" ist die Ausstellung betitelt, in der ab dem 10. Juli im Project-Space (Filiale Auguststraße) der Galerie "Berlin Art Projects" neue Arbeiten von Meike Zopf zu sehen sein werden.

Leipzig: Düstere Holzschnitte von Sebastian Speckmann

Auch die Holz- und Linolschnitte von Sebastian Speckmann vermitteln den Eindruck, es handele sich um Traumlandschaften, um unterbewusste Kompositionen von Wirklichkeit. Im Gegensatz zu den Bilderwelten Meike Zopfs, sind Speckmanns Bilder schon der ersten Anschauung nach viel düsterer, unheimlicher. Nicht nur das stark kontrastierende Schwarzweiß der verwendeten Drucktechnik trägt dazu bei, auch die Motivwahl. Statt Blumen setzt Speckmann dunkles Dickicht, Sumpfgebiete und drohend schimmernde Waldseen ins Bild. Wie Akteure eines Kriminal- oder Horrorfilmes wirken die Figuren, die durch diese Kulissen geistern. Zwar wird der 1982 geborene Speckmann mit seinen Abschlussarbeiten am 20. Juli auch noch auf der Diplomausstellung der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst vertreten sein, vorab erhält er allerdings schon eine erste Einzelausstellung in der Galerie Kleindienst auf dem Gelände der Baumwollspinnerei in Leipzig. Die Eröffnung ist am 11. Juli um 19 Uhr.

Schneverdingen: Parcour durch die Lüneburger Heide

Das ehemalige Militärcamp Reinsehlen, nördlich des Luftkurortes Schneverdingen, ist heute ein Gasthaus, das seine Besucher mit der sinnlichen Leere der Heidelandschaft lockt. "Kein Zaun und kein Verkehr stören Ihren Blick und Ihre Konzentration", heißt es auf der Webseite des Hotels. Wenn nicht gestört, so könnte es doch sein, dass der Blick der Gäste zumindest irritiert wird, sollte er in der Prärie der weitenläufigen Magerrasenflächen auf seltsam verformte Sitzbänke stoßen. Zu verantworten hat sie der dänische Künstler Jeppe Hein, dem 2007 der Landschaftskunstpreis "Neuland" verliehen wurde. Zu seinem nun realisierten Entwurf eines Parcours durch das einstige Militärgelände gehören elf äußerst eigenwillig ge- und verformte Sitzbänke, eine interaktive Wasserfontäne und die rasant geschwungene Skulptur "Loop Bench". Zur Eröffnung am 12. Juli laden Bürgermeister und Stadt um 19 Uhr zum Empfang an der ehemaligen Panzerwaschanlage.