Bookmarks - Lesetipps März

Die Lesetipps des Monats

art stellt Ihnen regelmäßig zehn neue Kunstbücher vor. Diesmal gibt es kraftvolle Malerei von Rainer Fetting, poetische Betrachtungen von Cees Nooteboom und dokumentarische Fotografien der Weltgeschichte.
Das müssen Sie lesen:Die Buchtipps für den Monat März

Zum Lesen, Schauen und Genießen: Die Lesetipps des Monats März

Joseph Maria Olbrich

Zum 100. Todestag des genialen Architekten und Designers Joseph Maria Olbrich (1867 bis 1908) fand auf der Mathildenhöhe in Darmstadt 2008 ein Symposium statt, es folgte im Frühjahr die große Jubiläumsausstellung (bis 24. Mai). Die ist von einem Katalog begleitet, dem man ohne Übertreibung das Prädikat phantastisch verleihen kann. In angenehm kurzen und prägnanten, lesefreundlich aufgeteilten Beiträgen wird das ganze Spektrum dieses Ausnahmeentwerfers vorgestellt, ergänzt durch hervorragendes Fotomaterial und eine Fülle von Zeichnungen, Skizzen und Plänen. Der Katalog, eine Gemeinschaftsarbeit der Mathildenhöhe, des Wiener Leopold-Museums und der Berliner Kunstbibliothek, ist zweifellos ein Standardwerk zu Olbrich geworden. Wer es nicht ganz so ausführlich möchte, kann getrost auf "Kunst zum Hören" zurückgreifen, in dem Audioguide mit Bildband werden Olbrichs wichtigste Werke in Bildern präsentiert und mit kurzen gesprochenen Beiträgen kommentiert. Verlag Hatje Cantz, 456 S., 450 Abb., 49,80 Euro. Kunst zum Hören: Verlag Hatje Cantz, 60 S., 49 Abb., mit CD, 16,80 Euro

Andreas Herzau und Daniel Arnold (Hrsg.): Nachbarschaft.

"Ich fürchte, ich bin der typische Deutsche – insofern, als ich meine Nachbarn überhaupt nicht mag", sagt Denis Scheck, "ich mag sie nicht sehen, ich mag sie nicht riechen, aber vor allen Dingen mag ich sie nicht hören. Denn das Robert-Gernhardtsche elfte Gebot ist für mich das wichtigste: Du sollst nicht lärmen!"
Literaturkritiker Denis Scheck ist einer von zwölf Prominenten, die in Herzaus neuem Fotoband "Nachbarschaft" von ihren Erfahrungen mit Nachbarn erzählen. Der Reportagefotograf, 46, hat drei Monate lang in einer Reihenhaussiedlung in Kaiserslautern gelebt und die nachbarschaftlichen Beziehungen ihrer Bewohner fotografisch begleitet. Entstanden sind grellbunte, sympathische, mitunter auch komische Aufnahmen von Grillabenden, Gartenarbeit, Autoschrauben – eben vom ganz normalen Alltag. Und Herzau geht dabei mit der Kamera meistens ganz dicht ran, so nah wie Denis Scheck seinen Nachbarn niemals kommen möchte. Zu sehen sind Herzaus Fotografien bis 5. April im Neuen Museum in Nürnberg. Callwey Verlag, 240 S., 150 Abb., 39,90 Euro. Undine von Rönn

Fetting

Als "Junger Wilder" hat er einst begonnen, mit grellen, rasch hingehauenen Bildern ist er damals, in den achtziger Jahren, berühmt geworden, Männerakte und Großstadtszenen waren seine bevorzugten Motive. Später kamen Skulpturen (darunter die expressive Willy-Brandt-Figur in der Berliner SPD-Zentrale) und Fotografie hinzu, und mittlerweile ist Rainer Fetting auch schon über 60. Zeit also für eine dicke Monografie, die nicht nur die Werke, sondern den Künstler selber in zahlreichen Abbildungen würdigt. Aber das ist eigentlich ganz angemessen für einen Mann, der schon früh verkündete: "Ich mache keine Kunst, ich mache Kunstgeschichte." DuMont Buchverlag. 399 S., ca. 450 Abb., 68 Euro

Michaël Borremans: Paintings

Ebenso souverän wie akribisch macht sich Michaël Borremans ans Werk, wenn er eines seiner Bilder malt. Auf denen es – bei aller Detailgenauigkeit – oft ziemlich rätselhaft zugeht: Mit altmeisterlicher Präzision zeigt der inzwischen 47-jährige Belgier etwa zwei Knaben mit einem toten Hasen, ein Mädchen starrt selbstvergessen vor sich hin, in einer Spielzeuglandschaft hocken Männer und Frauen auf dem Boden und scheinen etwas zu suchen. Der vorliegende Band vereint erstmals alle Gemälde und dokumentiert damit, wie suggestiv die "Sphinx von Gent" (so der "Architectural Digest") die Betrachter in ihren Bann zieht. Hatje Cantz Verlag. 184 S., 121 Abb., 45 Euro

Philip Jodidio: Architecture now! Museums

In den letzten Jahren hat die Museumsarchitektur überall auf der Welt glanzvolle Neubauten oder Erweitungerungen zu verzeichnen. In der Reihe "Architektur heute" des Taschen Verlags hat der Kunst- und Architekturkritiker Philip Jodidio nun 50 Orte zusammengetragen, an denen internationale Architekten herausragende Entwürfe realisiert haben. Das Spektrum reicht vom überraschenden neuen Centre Pompidou in Metz des Japaners Shigeru Ban über die umstrittene Rekonstruktion des Neuen Museums in Berlin, die der Engländer David Chipperfield vorgenommen hat, bis zum gerade fertig gestellten Athener Akropolismuseum des Schweizers Bernard Tschumi. In Englisch, Deutsch und Französisch wird jedes der Häuser und das jeweilige Architekturbüro mit kurzen informativen Texten und einer Fotoauswahl der Außensicht und ausgewählter Innenräume vorgestellt. Taschen Verlag. 416 S., zahlr. Abb., 29,99 Euro

Orte, Menschen, Zeiten. Fotografie am Deutschen Historischen Museum.

Als ein Geschichtsbuch in Bildern lässt sich die Kollektion beschreiben, die mit großem Engagement in den letzten 20 Jahren aufgebaut wurde. Sie umfasst Dokumente zur Zeitgeschichte ebenso wie Zeugnisse des Alltagslebens. Der hervorragend gedruckte Band präsentiert nun einen Überblick mit ausgewählten Fotografien, der ergänzt mit Kurzbiografien zu den Fotografen sowie Literaturhinweisen zum veritablen Nachschlagewerk wird. Außerdem zeigt das Berliner Haus ab 26. März 250 Höhepunkte seiner Sammlung in einer chronologischen Schau mit Fotografien aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der deutsch-deutschen Teilung 1990 (bis 2. Januar 2011). Edition Braus. 392 S., 616 Abb., 48 Euro

Who is Who im alten Rom

Kaiser Domitian zeigte sich pflichtbewusst und hochintelligent, Antonia Caenis, Geliebte des Kaisers Vespasian, galt als vertrauenswürdig und gebildet, der Dichter Horaz soll gesellig gewesen sein, hatte aber wohl eine schwache Gesundheit. Auf Grabmalen, Reliefs oder in der Literatur haben sie alle Spuren hinterlassen, die, wie ein Puzzle zusammengesetzt, Zeugnis ablegen über Menschen, die römische Geschichte geprägt haben: ein ebenso unterhaltsames wie lehrreiches Lesebuch. Verlag Philipp von Zabern. 304 S., 135 Abb., 29,90 Euro

Cees Nooteboom: Das Rätsel des Lichts – Kunststücke

Viele Male war die Kunst das bevorzugte Reiseziel des niederländischen Schriftstellers. Dabei zog es ihn immer wieder zu seinen geliebten Holländern Vermeer, Rembrandt oder Bruegel, aber auch Gemälde von Velazquez, Hokusai oder Hopper regten ihn zu literarischen Kunstbetrachtungen an, die es dem Leser – völlig abseits der kunsthistorischen Routine – leicht machen, dem Autor bei seinen poetischen Liebeserklärungen an die Kunst zu folgen. Schirmer/Mosel Verlag. 192 S., 74 Farbtafeln, 49,80 Euro

Rolf Schlenker, Simone Reuter: Kunst für Einsteiger

Zu der erfolgreich im SWR Fernsehen ausgestrahlten Sendung "Nie wieder keine Ahnung! Malerei" ist nun ein handliches, leicht bekömmliches Buch erschienen. Die Geschichte der Malerei von den Höhlenzeichnungen bis zur zeitgenössischen Body Art wird auf ein Basiswissen reduziert, und im Schnelldurchgang werden wichtige Fragen zu Epochen und Künstlern behandelt: Danach lässt sich beim nächsten Kunst-Event zumindest ahnen, worum es geht. Belser Verlag. 176 S., 130 Abb., 19,95 Euro

Terence Conran/Diarmuid Gavin: Das neue Gärtnern.

Design mit Pflanzen für Gärten des 21. Jahrhunderts. Der Designer Conran und der Gartengestalter Gavin beweisen in diesem großformatigen, üppig bebilderten Band, wie sich modernes Gartendesign mit Pflanzen inszenieren lässt. Deutsche Verlags-Anstalt. 272 S., 393 Abb., 49,95 Euro