Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit einem Abstecher in Kindheitsträume, mit Blut befleckten Künstlerhänden und Bauhaus in Indien.

Kochel am See: Pferdefreund

Er war Mitbegründer der Künstlervereinigung "Der Blaue Reiter" und suchte in der "Animalisierung" kreatürliche Reinheit und Unschuld. Insbesondere die Anmut der Pferde inspirierte den deutschen Maler und Grafiker Franz Marc (1880 bis 1916), wovon nicht allein seine Ölgemälde zeugen, die eine starke Farbsymbolik aufweisen.

Die anmutigen Wesen mit den warmen weichen Nüstern finden sich auch in seinen Holzschnitten und Druckgrafiken wieder, die das Franz-Marc-Museum in der Ausstellung "Strukturen der Natur" präsentiert. Marc gegenübergestellt wird der dänische Maler Per Kirkeby (geb. 1938), der in seine Arbeiten ebenfalls einzelne figürliche Elemente einfließen lässt und den Rhytmus der Natur abzubilden versucht, jedoch weniger auf Farbigkeit, Präzision und Gebundenheit setzt.

Die Ausstellung "Strukturen der Natur – Franz Marc und Per Kirkeby: Druckgraphik" ist bis zum 2. Juni im Franz Marc Museum in Kochel am See zu sehen.

Ludwigsburg: Schuld

Im Aufzeigen gesellschaftlicher Missstände ist die Kunst doch in jene Stukturen verwickelt, die sie anfechtet. Diese Zwiegespaltenheit greift der Kunstverein Ludwigsburg mit der Ausstellung "Das Blut an meinen Händen" auf. Dabei ist der Titel bereits wegweisend: Bei allen Versuchen der Kunst, sich von der Welt zu befreien, ist sie doch abhängig von ihr, und macht sich in der Manifestation der realen Verhältnisse schuldig. So sieht es der Kunstraum Morgenstraße, der die Ausstellung konzipiert und zur Demonstration der These Arbeiten acht internationaler Künstler versammelt hat. Darunter ein aufrüttelndes Schwarzweißvideo des spanischen Künstlers Santiago Sierra, der die Abgründe des Kapitalismus aufzeigen will, und eine verstörende und kontrovers diskutierte Arbeit der mexikanischen Forensikerin Teresa Margolles.

Die Ausstellung "Das Blut an meinen Händen" des Kunstraums Morgenstraße ist bis zum 28. April im Kunstverein Ludwigsburg zu sehen.

Leipzig: Ich bin viele

Ein Künstler muss sich selbst treu bleiben, heißt es. Doch dass das nicht bedeuten muss, der Linie treu zu sein, die ihn einst erfolgreich machte, beweisen die Werke von Molina Ghosh. Sie ist vielseitig und vielschichtig, bleibt sich aber in allen Medien treu: Ihre Gemälde, Skulpturen, Objekte und von Hand bearbeitete Fotografien nehmen einen mit auf eine Reise geprägt von der Magie Indiens und der figurativen Erzählkunst, die sie in Leipzig erlernte. Reisen sei, wie sich die Augen waschen, sagt Ghosh, deren Vater Inder ist, und wäscht mit ihrer Kunst sinnbildlich auch die Augen der Betrachter. Statt das Material ihrer Werke zu verstecken, legt sie es frei, und offenbart in ihren zum Teil brüchig wirkenden Arbeiten, dass sich das Gefühl von Heimat überall finden lässt.

Die Ausstellung "Molina Ghosh – Ich bin viele" ist bis zum 20. April in der Potemka Galerie in Leipzig zu sehen.

Dessau-Roßlau: Bauhaus in Indien

Bauhaus und Indien – was wie eine absurde Kombination klingt, war bereits vor genau 90 Jahren eine "Begegnung kosmopolitischer Avantgarden". Denn nicht nur in Deutschland hielten die neue Sachlichkeit und der Funktionalismus Einzug, wie die Ausstellung "Das Bauhaus in Kalkutta" zeigt. Auch in Indien gab es Vertreter des Bauhausstils, die sich politisch von der britischen Kolonialherrschaft und stilistisch von der Ornamentik der indischen Baukunst und den Einflüssen des britischen Chics lösen wollten. Kubismus, Primitivismus und Abstraktion einte die 1922 in Kalkutta ausgestellten Arbeiten deutscher Avantgardekünstler wie Paul Klee und Wassily Kandinsky und indischer wie Gaganendranath Tagore und Sunayani Devi. Eine Auswahl der Originalausstellungsstücke verdeutlicht zusammen mit Dokumenten, Briefen, Filmen und Fotografien Geschichte und Bedeutung der damaligen Schau.

Die Ausstellung "Das Bauhaus in Kalkutta – Eine Begegnung kosmopolitischer Avantgarden" ist bis zum 30. Juni in der Stiftung Bauhaus in Dessau-Roßlau zu sehen.

Hamburg: Eine Welt

Paul Sochacki nimmt einen mit in die Welt der fantastischen Bilder unserer Kindheit. Als Elefanten und Giraffen durch unsere Träume spazierten, wir in farbigen Büchern von fremden Kulturen lasen und die Freude über die großen bunten Zeichnungen groß war, die die kulturellen Unterschiede auf der Welt zeigen. Betrachtet man also Sochackis Ölbilder freut man sich zurück zu sein, an den Orten jener Träume, die von wilden Tieren und seltsamen Wesen bewohnt sind. Auch die Filmemacherin Elke Marhöfer, die etwa in China, Burkina Faso, Frankreich oder New York drehte, beschäftigt sich mit Kulturen und Eindrücken aus aller Welt. Dabei verdeutlicht sie die Lebenssituationen und gesellschaftlichen Umstände der Menschen in ihren Filmen, die oft wenig Raum für Träume haben.

Die Ausstellung "Paul Sochacki special guest Elke Marhöfer – Le Monde diplomatique" ist bis zum 13. April in der Dorothea Schlueter Galerie in Hamburg zu sehen.