Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: Kochen ist Kunst, Michael Jackson mit Pinsel und Farbeimer, Socken und Sehnsucht, Einzelkämpferinnen aus der DDR und Oberarme wie Popeye.
Die Tipps der Woche:Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor

BBB Johannes Deimling: "Bread or Alive", Video, Farbe, Ton, 9'27'', 2004

Düsseldorf: „Eating the Universe“

Wer schon einmal an dem Perfektionsgrad „al dente“ beim Nudelkochen gescheitert ist oder am viel anspruchsvolleren knusprig-saftigen Gänsebraten in der Weihnachtszeit, der wird erkannt haben: Kochen ist eine Kunst. Und wer die zahlreichen Koch-Shows im Fernsehen schon einmal angeschaut hat, wird bei der einen oder anderen auch schon gedacht haben: Kochen muss Kunst sein, sonst würden diese Damen und Herren auf der Mattscheibe mehr zustande bringen. Mit der Welt des Kochens beschäftigt sich die Ausstellung "Eating the Universe" in der Kunsthalle Düsseldorf. Sie führt den Besucher durch Gesundheitswahn, vorbei am Fast Food, an Hunger wie Überfluss und auch an die Grenzen des guten Geschmacks. Zu sehen sind internationale Leihgaben von Künstlern wie Joseph Beuys, Daniel Spoerri oder Thomas Rentmeister. Das Kunst-Buffet eröffnet diesen Freitag, um 20 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Ende Februar 2010.

Berlin: "und jetzt", Künstlerinnen aus der DDR

Fotografien verfallener Häuser und einer Frau in lasziver Marilyn-Monroe-Pose, eine Collage aus Stasi-Akte und Fratzen – Kunst in der DDR musste sich der Politik unterordnen und tat es doch nicht immer. Und Kunst in der DDR war nicht immer Männersache, auch wenn die bekannten Namen wie die der Maler Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer diesen Eindruck erwecken könnten. Künstlerinnen aus Ostdeutschland sind bis heute wenig bekannt. Um sie dreht sich das Projekt „und jetzt“ im Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Wer sind diese Frauen, und wie konnten sie sich als Künstlerinnen unter den Zwängen des Systems entwickeln? Antworten darauf soll diese Ausstellung mit den Werken von zwölf Künstlerinnen geben, die in den achtziger Jahren unter den „sozialistischen Produktionsbedingungen“ gearbeitet und mit ihrer Arbeit rebelliert haben. Zu ihnen gehören die Fotografin Tina Bara, die in der oppositionellen Friedensbewegung gegen das Regime kämpfte und heute an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig lehrt; die Ostberliner Malerin Annemirl Bauer, die in der DDR beschloss, „Isolierung mehr zu fürchten als den Tod"; Gundula Schulze Eldowy, die Tag und Nacht observiert wurde, und Erika Stürmer-Alex, eine Instanz in der ostdeutschen Kunstszene, doch von der Öffentlichkeit kaum beachtet. Die Ausstellung eröffnet heute Abend, um 19 Uhr, und läuft bis zum 20. Dezember.

Heidelberg: „Übermorgenkünstler“

Mit Farbeimer und Pinsel in der Hand tänzelt der Michael-Jackson-Nachahmer um die Leinwand am Boden und verspritzt schwarze Farbe. Besser hätte es der amerikanische Maler des abstrakten Expressionismus, Jackson Pollock, wohl auch nicht hinbekommen. Der King of Pop und die Action-Painting-Legende werden eins – genau darum geht es in dem Video "Playing Michael Jackson Pollock" von Marco Schmitt. Diese und 25 weitere Arbeiten – Objekte, Installationen und Skulpturen – zeigt der Heidelberger Kunstverein in einer Ausstellung zur kommenden Künstlergeneration. Die Kunststudenten aus Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart, Frankfurt und Mainz präsentieren sich als "Übermorgenkünstler" bis 14. Februar 2010.

Hannover: Friedrich Kunath, „Home wasn’t built in a day“

Socken, rote, blaue, gelbe, grüne. Der Künstler Friedrich Kunath hat sie säuberlich zu einem Kunstwerk aufgestapelt: "Leaving is overrated" heißt es, "Fortgehen wird überschätzt". Jeder Umzug zwingt zum Wegwerfen, zum ständigen Neubeginn. Die Socken – ein Symbol der bunten Vielfalt, die sich erst entwickelt, wenn man einem Ort Zeit gibt. Damit beschäftigt sich die Ausstellung "Home wasn’t built in a day". Von diesem Samstag an, 28. November, zeigt der Kunstverein Hannover Installationen, Malerei, Skulpturen, Fotografien, Filme und Collagen von Friedrich Kunath. Der in Chemnitz geborene Künstler bringt "persönliche Lebenserfahrungen" in seine Arbeiten ein, die komisch und hintergründig zugleich wirken. Melancholie, Sehnsucht, Heimweh und Einsamkeit sind Kunaths Themen, die er ironisch und spitzbübisch darstellt. Zum Beispiel das eingestürzte Haus, das er in einem Raum des Kunstvereins installiert hat: In den Trümmern der "gescheiterten Hoffnung" finden sich skurrile Gegenstände wie ein Nussknacker oder ein Schiffssteuer – Andenken an eine konstruierte Idylle. Die Ausstellung eröffnet diesen Freitag, um 20 Uhr. Am Samstag, 17 Uhr, erzählt Friedrich Kunath bei einem Künstlergespräch von dem Wechselspiel zwischen Ironie und Sehnsucht in seinen Werken.

Ulm: "Do one thing at a time"

Die gestählte Brust, klick. Der Oberarm so prall wie Popeyes, klick. Das Genital, klick. Klick, klick, klick. „Men to meet“ heißt die Videoproduktion von Hendrik Wolking: eine Foto-Collage in vier Minuten aus selbstausgelösten Fotos selbstverliebter Männer. Und dazu ein einziger, immer wiederkehrender Ton: klick. Gezeigt wird dieser Film mit zwölf weiteren Produktionen in der Video-Ausstellung „Do one thing at a time“ im Kunstverein Ulm. Hinter der Kamera standen Studenten der Kunstakademie Münster, und bei manchen Arbeiten stellten sie sich auch vor die Linse – wie der Südkoreaner Kyoung Jae Cho. In „Rinnstein“ zeigt er sechs Sequenzen gleichzeitig: Er rollt mit dem Auge in Nahaufnahme, lässt seinen Körper mit einer Plastikfolie als Leichensack bedecken und tänzelt in rotem Rock durch die Großaufnahme. "Ich interessiere mich für Comics, wo zwischen den Bilderkästen eine gewisse Fantasie existiert", erklärt er. Die Filme laufen noch bis 3. Januar 2010.