Galerienszene - Umfrage

Hier gehen nicht die Lichter aus!

Keine deutsche Stadt beherbergt so viele Künstler und Galeristen wie Berlin. Doch was macht die Kunstszene im Rest der Republik, während alles auf die Hauptstadt blickt? art hat sich umgehört.
Wo ist der beste Galeriestandort Deutschlands?:Die große art-Umfrage

Sven Oliver Ahrens von der Galerie Hammelehle und Ahrens

"Es ist nicht so, dass hier jetzt die Lichter ausgehen", erklärt die Stuttgarter Galeristin Angelika Harthan. "Hier wird kontinuierlich weitergearbeitet." Gerade Stuttgart besitze eine "große, selbstbewusste Sammlerschaft". Das meint auch Klaus Gerrit Friese, der Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Galerien, der auf ein Standbein in Berlin verzichtet statt dessen aber gerade in Stuttgart die Galerie in neue, große Räume verlagert hat: "Berlin ist ein schöner Nabel der Welt. Aber es wäre für Künstler schwer sich durchzusetzen, wenn es nur Berlin gäbe. Im übrigen gibt es schon Stimmen, dass Berlin vorbei sei und von Brüssel abgelöst würde."

Galerist Daniel Blau gibt dem Standort München den Vorzug: "Hier herrscht ein besonnenes Klima, ruhig, überlegt", meint der erfahrene Kunsthändler. "Da wir ein leicht museales Programm machen, ist München genau richtig für uns." Hier gebe es ein bildungsbürgerliches und kunstversiertes Publikum, dem man auch anspruchsvollere Ausstellungen zumuten könne.

Das Rheinland, einst Herz der Szene, hat wohl am deutlichsten unter Berlin gelitten und viele Galerien an den Konkurrenten verloren. Auch die Kölner Galeristin Gisela Capitain hat im vergangenen Jahr zusammen mit Friedrich Petzel eine Berliner Filiale eröffnet, ihre Kollegin Monika Sprüth ist mit Partnerin Philomene Magers ganz in die Hauptstadt gezogen. Auch wenn die Aufmerksamkeit in Berlin deutlich höher sei als in jeder anderen deutschen Stadt, setzt Capitain weiter auch auf die Sammlerdichte des Rheinlandes, das stark mit dem westlichen Europa verknüpft sei. Sven Oliver Ahrens von der Kölner Galerie Hammelehle und Ahrens glaubt ohnehin, dass es schon wieder aufwärts geht im Rheinland. "Für uns junge Galerien", erklärt er selbstbewusst, "ist das Rheinland extrem gut."

Hamburg spürt die Konkurrenz an der Spree deutlich. Die amerikanischen Sammler, ganz auf Berlin fixiert, kämen gar nicht mehr in den Norden der Republik erklärt Rainer Noeres von der Hamburger Produzentengalerie. Trotzdem: "Hamburg ist eine ruhige Nische." Und das hat Vorteile. "Ich glaube an die Segnungen der Provinz", sagt Noeres, "gerade was das Promoten von junger Kunst angeht."