Boran Burchhardt - Hamburger Moschee

Darf ich ihr Minarett bemalen?

Der junge Künstler Boran Burchhardt verschönt zusammen mit Gemeindemitgliedern die beiden Minarette einer Hamburger Moschee im Stadtteil St. Georg.
"Darf ich ihr Minarett bemalen?":Minarett-Bemalung als Kunstaktion

So soll sie aussehen: Hamburgs Centrumsmoschee mit bemalten Minaretten

Hinter einem türkischen Supermarkt an der Ecke Böckmannstraße ragen die zwei Minaretttürme der Centrum-Moschee in den Himmel von St. Georg. Der südliche Turm leuchtet in grellem Weiß, der Lack des Nordturms aber ist voller Risse: Wie von einem Pilz befallen, überziehen graue Flecken das Minarett.

Zum ersten Mal wurde der junge Künstler Boran Burchhardt 2007 auf den renovierungsbedürftigen Nordturm der Hamburger Moschee aufmerksam. Im Rahmen eines künstlerischen Projektes, das zum Ziel hat das Umfeld und die Straßen von St. Georg künstlerisch zu gestalten, entschloss sich Burchhardt nun, das Minarett neu zu bemalen. Sein Anliegen stieß innerhalb der Moschee-Gemeinschaft auf großen Zuspruch. Vor allem den Iman, Ramazan Ucar, hatte Burchardt sofort auf seiner Seite. "Zu dieser Zeit machte sich großer Ärger unter den Gemeindemitgliedern breit. Der Turm war unser Schandfleck. Ich wollte das Minarett so schnell wie möglich neu gestrichen wissen. Und die Idee von Herrn Burchhardt, das Ganze künstlerisch aufzuladen, war unheimlich spannend", sagte der Imam. Doch die Umsetzung des Projekts stellte sich als schwierig dar. Die Beschichtung des Stahl-Minaretts macht eine einfache Bemalung unmöglich. Um den Turm farbig zu fassen, musste er erst abmontiert und speziell bearbeitet werden.

"Honig predigen und kein Hass"

Immerhin einigte man sich rasch bei der Farbwahl. Bereits beim zweiten Treffen entdeckte Imam Ramazan Ucar eine Arbeit in einem grün-weißen Sechseckmuster in Burchhardts Ausstellungskatalog und war so begeistert davon, dass er gleich beide Türme so bemalen lassen wollte. Das Sechseck, so der Imam, sei eine seit Jahrhunderten bekannte Form in der Bildersprache der islamischen Welt. Das Grün sei zudem die heilige Farbe des Propheten Mohammed. Aber nicht nur das: Ramazan Ucar ist eine großer Fußballfan und auch die Farben seines Lieblingsclubs in Anatolien sind grün-weiß. Auch erinnern die Sechsecke den Imam an Honigwaben und "wie Bienen in ihren Waben Honig produzieren", so solle in einer Moschee "Honig gepredigt werden, und kein Hass". Gerade diese Mehrdeutigkeit ist vom Künstler, einem evangelisch erzogenen Halb-Türken, wie auch vom Vorsitzenden der Glaubensgemeinschaft in St. Georg gleichermaßen gewünscht. Die Offenheit der Gemeinde und das Spiel mit dem Dekor ihrer Wahrzeichen verblüffte selbst Burchhardt. Mittlerweile gehen Gemeinde und Künstler den schwierigen und teilweise mühsamen Weg gemeinsam. Nach einem nervenaufreibenden und langwierigen Prozess, etlichen Gutachten und öffentlicher Kritik sollen die Minerette Anfang August per Schwertransporter in eine Werft gebracht und dort vom Künstler und einigen Gemeindemitgliedern beschichtet werden.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 25 000 Euro, die von der Glaubensgemeinschaft aufgebracht werden. Der Künstler erhält anstelle eines Honorars eine wertvolle Zusage vom Imam: Er kann sich die bemalten Türme jederzeit für Ausstellungen ausleihen.

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