Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: Pferdebilder, Kanzlerfotos und ein waghalsiges Experiment.

Leipzig: Fotofestival F/Stop

Zum dritten Mal organisiert das Leipziger Zentrum für Zeitgenössische Fotografie das Fotografie-Festival "F/Stop". Die Frage "Von hier aus, wohin?" bildet den Leitsatz für eine kuratierte Hauptausstellung ("Hauptshow"), speziell eingeladene Künstler aus 15 Ländern ("Invited") und einem Wettbewerb, der sich vor allem an junge, noch unetablierte Fotokünstler richtet. Insgesamt verteilen sich 54 künstlerische Positionen auf über 1000 Quadtratmeter Ausstellungsfläche im Alten Handelshof in der Leipziger Innenstadt. Als Special Guest hat man dieses Jahr den schwedischen Dokumentarfotografen Anders Petersen gewinnen können. Berühmt machte ihn vor allem seine Reportage aus dem Jahr 1977 über das Hamburger Café Lehmitz. Das "F/Stop"-Festival zeigt seine Serie "Mental Hospital": 41 eindringliche Porträts psychisch errankter Menschen aus den Jahren 1992 bis 1995.

Kassel: "Philips Wouwerman. Von Pferden und anderen Leidenschaften"

Es ist die erste Ausstellung überhaupt, die sich ausschließlich dem umfassenden OEuvre des Malers Philips Wouwerman (1619 bis 1668) widmet. Dabei war der Holländer bis ins 19. Jahrhundert hinein äußerst beliebt: Fürsten und wohlhabende Bürger von Kassel bis St. Petersburg sammelten seine Werke. Dazu beigetragen haben mag die für ihn charakteristische, weil ungewöhnlich häufige und prominente Darstellung von Pferden. Der nahe liegende Spott "Immer nur Pferde, und in der Mitte steht ein Schimmel!" wird seinem Schaffen dagegen nicht gerecht. Das beweist die obsessive Detailgenauigkeit bei der Darstellung von Jagd- und Schlachtszenen, Viehmärkten und Reitschulen, die nun auf 35 Gemälden und Zeichnungen bis zum 11. Oktober im Kasseler Schloss Wilhelmshöhe zu sehen ist.

3Sat: "Gero von Boehm begegnet Herlinde Koelbl"

In der 3Sat-Fernsehreihe "Gero von Boehm begegnet..." trifft Gero von Boehm am kommenden Montag um 22.25 Uhr auf Herlinde Koelbl. Anlass des Gespräches ist die umfassende Werkschau der Fotografin, die der Berliner Martin-Gropius-Bau vom 17.Juli an präsentieren wird. Neben Unbekannterem, werden auch viele Arbeiten Koelbels zu sehen sein, die bereits während ihrer drei Jahrzehnte andauernden Tätigkeit zu Klassikern der Porträtfotografie avanciert sind. Darunter etwa die berühmt gewordenen "Spuren der Macht", für die Herlinde Koelbel über neun Jahre hinweg maßgebende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik interviewte und porträtierte. Fabelhaft lassen sich die so entstandenen Reihen fotografierter Gesichter als kleine Psychogramme der Macht lesen. Nicht nur bei Joschka Fischer oder Angela Merkel, deren äußere Verwandlung sicher zu den bemerkenswertesten zählt.

Stuttgart: "Die soziale Relevanz der Form"

Zur konfliktreichen Beziehung von Form und Inhalt spricht Yilmaz Dziewior am kommenden Montag um 19 Uhr in der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste. Anhand von Beispielen aus der eigenen kuratorischen Praxis möchte der ehemalige Leiter des Hamburger Kunstvereins und zukünftige Direktor des Kunsthauses Bregenz belegen, "dass sich Formalismus und 'Inhaltismus', anders als es derzeit in vielen Diskursen vermittelt wird, [sich] nicht per se ausschließen". Bezug nimmt Dziewior dabei vor allem auf die so genannte Kontext-Kunst, die seit Beginn der 1990er Jahre die Bedingungen von künstlerischer Produktion und Präsentation thematisiert. In wie weit trägt der Wandel ihrer Erscheinungsformen dazu bei, die Idee ästhetischer Selbstständigkeit zu ramponieren? Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vorlesungsreihe „Cerals“ im Mehrzwecksaal Neubau II statt. Der Eintritt ist kostenlos.

Dresden: "N.N."

Mit der Abkürzung N.N. für Nomen Nominandum wird gewöhnlich angezeigt, dass ein Name noch unbekannt, also noch zu nennen ist. Als Titel für die aktuelle Ausstellung im Dresdner Kunstverein Doppel De macht er insofern Sinn, als sich die teilnehmenden Künstler hier zunächst jedem kuratorischen oder thematischen Überbau verweigert haben. Auch die künstlerisch genutzten Medien ergeben keine vorwegzunehmende Klammer. Von Skulptur über Malerei bis hin zu Fotografie und Video reichen die Ausdrucksformen. Was die Künstler tatsächlich verbindet scheint erst einmal banal: Moritz Altmann, Nadja Frank, Philip Gaißer, Rio Grande, Renata Palekcic Pasel und Grit Richter kennen sich aus gemeinsamen Studienzeiten in Hamburg. Die Gruppenausstellung begreifen sie als Aufgabe, aus der Zufälligkeit der Auswahl heraus "Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Mediums im Gesamtzusammenhang auszuloten". Dieses durchaus waghalsige Experiment hat aber gute Chancen auf Erfolg. Zumal, wenn man um die Qualitäten weiß, die etwa die raumgreifenden und farbintensiven Objekte einer Nadja Frank oder die zwischen Dokumentation und Konstruktion changierenden Fotografien eines Philip Gaißer schon allein für sich entfalten. Was aber passiert, wenn solches zusammen kommt? Zu sehen ist das Ergebnis noch bis zum 12 Juli im Dresdener Doppel De in der Buchenstraße 16A.