Kunsthalle - Hamburg

Hier baut der Mäzen noch selbst

Der Unternehmer Alexander Otto ermöglicht mit einer Sachspende von 15 Millionen Euro umfassende Renovierungsarbeiten in der Hamburger Kunsthalle. Mit einem Zuschuss durch den Kultursenat kann im gleichen Zuge auch das Depot saniert werden.
Von der Elbphilharmonie lernen:Unternehmer sponsert Umbauarbeiten

Sie gaben bei der Pressekonferenz stolz die Bauarbeiten rund um die Hamburger Kunsthalle bekannt: Vorstand Stefan Brandt, Kultursenatorin Barbara Kisseler, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Schulz, Unternehmer Alexander Otto und Vorstand Hubertus Gaßner

Es war ein angenehmer PR-Termin für Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz: Kurz vor dem Wahlkampf im September konnte er am Dienstag mit der Modernisierung der Hamburger Kunsthalle noch einen echten Erfolg verkünden. Dabei kommt der Löwenanteil der für die umfangreichen Arbeiten benötigten Spende gar nicht von der Stadt, sondern von Unternehmer und Mäzen Alexander Otto. 15 Millionen Euro in Form von Planungs- und Bauarbeiten sponsert der Hamburger, der schon "von Kindesbeinen an ein Kunstliebhaber" war, wie er sagt. Statt das Geld zu überweisen, wie es die Mäzene der Elbphilharmonie taten, lässt er die Modernisierung von den Profis seines eigenen Unternehmens umsetzen. Der "Shopping-Mall-Tycoon", wie ihn die "Süddeutsche Zeitung" nannte, beauftragt seine seine Firma ECE Projektmanagament mit den Arbeiten. So soll nicht nur die Einhaltung des Kosten-, sondern auch des Zeitrahmens von Herbst 2104 bis Ende 2015 gesichert werden. ECE baut und betreut sonst Einkaufzentren in ganz Deutschland und Europa: von den Potsdamer-Platz-Arkaden in Berlin bis zur Mega-Mall in Sofia.

Otto bringt die Sachspende gemeinsam mit seiner Ehefrau über die gemeinsame Dorit & Alexander Otto Stiftung auf. So soll dem größten Hamburger Museum der alte historische Glanz zurückgebracht werden. "Die Sammlung der Kunsthalle soll wieder so ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden, wie sie es verdient hat", betonte Otto. Der zentrale Eingang mit historischer Freitreppe soll wiederhergestellt werden, der der Kunsthalle "ihr Herz" zurückgibt, wie Direktor Hubertus Gaßner ergänzte.

Alexander Otto liegen besonders die historischen Baupläne am Herzen. Er will den alten Charakter des Gründungsbaus wieder sichtbar machen. Schon lange beschäftigt er sich mit der Kunsthalle, deren Wettbewerbsfähigkeit aufgrund verwirrender Bauweise und unangemessener Präsentation zu schwinden droht. "Mit unseren Baumaßnahmen wollen wir unter die Top Fünf der deutschen Museen", verkündete er optimistisch. Dazu werden auch die Sammlungen neugeordnet und Böden, Wände und Beleuchtung erneuert. Hinzu kommen Sitzbänke im Innenbereich und eine waldähnliche Parkfläche außerhalb des Museums. "Durch den veränderten Außenbereich und einen ansehnlichen Entrée sehen die Menschen schon vom Bahnhof aus die Veränderungen, können schon hier Kunst wahrnehmen", unterstrich Gaßner die Bedeutung für die Stadt Hamburg.

Dass das Museum für die Bürger der Stadt wichtig ist, betonte auch Kultursenatorin Barbara Kisseler. "Wir müssen zeigen, dass wir uns für dieses Erbe der Stadt engagieren wollen", sagte sie, "und mit der geplanten Sanierung des Depots wird eine lange aufgeschobene Frage endlich angegangen. Dabei bildet Herrn Ottos Spende nun einen guten Zeitpunkt für uns, uns anzuschließen." Die Depotsanierung wird im Rahmen des Gesamtprojektes ebenfalls durch Alexander Ottos Unternehmen ECE ausgeführt, damit Schnittstellen und Risiken für die Kunsthalle und die dort gelagerte Kunst möglichst vermieden werden. Die Leitung von Planung und Durchsetzung soll damit in einer Hand liegen. Das sei wirtschaftlicher, sicherer und vergaberechtlich geprüft, sagt die Sprecherin der Kunsthalle, Mira Forte.

Versammlungs- und Bildungsräume, eingerissene Wände, neue Ausstellungsflächen – natürlich immer in Absprache mit dem Denkmalschutz – sollen ein für Besucher funktionierendes Ganzes ergeben. Doch auch Wissenschaftler, Restauratoren und Verwaltungsangestellte profitieren von den geplanten Modernisierungsmaßnahmen: Durch einen neuen vierstöckigen Verwaltungstrakt auf der dem Bahnhof abgewandten Seite werden Wege verkürzt, wird Kommunikation vereinfacht. Auch dieser Neubau soll architektonisch nach den alten Plänen gestaltet werden, sodass er sich in das Gesamtbild einfügt. "So investieren wir sowohl in bauliche als auch kulturelle Substanz", erklärte Vorstandsmitglied Stefan Brandt, "wodurch wir vielen Kunstliebhabern wieder eine Heimat bieten können". Um den ökonomischen und reibungslosen Ablauf zu garantieren, werden während der Umbauphase immer nur Teile der Ausstellung temporär geschlossen sein.