Merz Barn von Kurt Schwitters

Die Rettung der Schwitters Scheune

Freunde und Bewunderer von Kurt Schwitters waren ins Londoner Royal College of Art gekommen, um mit ihrem Geldbeutel zu helfen und so die Merz Barn, eine Scheune, in der Schwitters seinen vierten Merzbau errichten wollte, vor dem Verfall zu bewahren.
Damien Hirst stiftet für Schwitters Scheune:Kunstwerke sollen Merz Barn retten

Außenansicht der Merz Barn

Sie wollten von Künstlern gestiftete Kunstwerke ersteigern: eine kleine Ölstudie von Maggi Hambling, ein Foto aus der Afghanistanserie des Duos Langlands and Bell, eine großformatige Zeichnung von Antony Gormley. Unumstrittener Star der Auktion: ein "Spotpainting" von Damien Hirst mit einem Schätzpreis von 120 000 bis 150 000 Pfund. Einiges wechselte unter großem Beifall den Besitzer, die teuren Arbeiten wie die von Gormley und Hirst werden drei Wochen lang auf einer eigens eingerichteten Webseite angeboten, bis sich ein Käufer findet. Die Einnahmen der Auktion sollen als Grundstock für die Renovierung der sogenannten Merz Barn dienen.

In der aus Naturstein gebauten Scheune in der Nähe von Ambleside im Herzen des englischen Lake District hatte Kurt Schwitters begonnen, seinen vierten Merzbau zu errichten. Der erste, in seiner Heimatstadt Hannover, war während des Zweiten Weltkriegs einer Bombe zum Opfer gefallen, ein Nachbau ist heute einer der Höhepunkte des dortigen Sprengel-Museums. Auch die beiden nächsten, im norwegischen Exil des Dadaisten entstandenen Versuche gibt es nicht mehr. Im Lake District, wo Schwitters die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte, machte er einen lezten Anlauf. Er verdiente dort sein mageres Auskommen mit Porträts von Bewohnern des englischen Seengebiets. Eines seiner Modelle, ein pensionierter Gärtner und Landschaftsmaler namens Harry Pierce, bot ihm eine kleine leerstehende Scheune als Atelier an. 1947 begann er dort mit dem Bau seiner vierten Raumcollage, Pierce half ihm beim Sammeln von Materialien: Steine, Glasscherben, Gartenwerkzeuge. "Ich arbeite drei Stunden am Tag", sagte der Künstler einem Freund, "aber ich werde mindestens zwei Jahre brauchen." Die waren ihm aber nicht vergönnt, im Januar 1948 starb er an einer Lungenentzündung.

Aus dem Bauernhof soll ein Kulturzentrum werden

Nur eine Wand konnte er in der Merzscheune fertigstellen, die schon bald zum geheimen Pilgerort für junge Künstler wurde. Vor allem die Popküstler der Sechziger Jahre interessierten sich für Schwitters´ Collagetechnik, Richard Hamilton erhielt ein kleines Stipendium, mit dessen Hilfe er sich um den Erhalt der Scheune kümmern sollte. Auf sein Betreiben wurde die Wand entfernt und in die Hatton Gallery der nordenglischen Universität von Newcastle gebracht, wo sie seitdem ausgestellt ist. Danach geriet die Scheune in Vergessenheit und begann zu verfallen. Nun also soll sie endgültig restauriert werden. Der von Schwitters-Enthusiasten gegründete Verein Littoral Arts Trust kaufte das Gelände mitsamt Scheune sowie Harry Pierce´ Bauernhof und möchte daraus ein Kulturzentrum machen. Mittelpunkt sollen ein Kurt-Schwitters-Studienzentrum sowie ein Merzbau-Museum werden, und in der Scheune soll eine dreidimensionale Nachbildung der Merzwand installiert werden. 750 000 Pfund soll die erste Renovierungsphase kosten, der Erlös der Auktion ist da mehr als willkommen.

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