Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: zweckentfremdete Projektionen, fragile Uhren und Satellitenmessen
Die Tipps der Woche:Die fünf Tipps der Woche

Jenny Holzer: "For Frankfurt", 2010, Lichtprojektion, Frankfurt, mit Texten von Theodor W. Adorno und Dietrich Bonhoeffer


Jenny Holzer: "For Frankfurt"

"Die Liebe will nichts von dem anderen, sie will alles für den anderen." Dies sind Worte des deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer, welche die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer in ihre Installation "For Frankfurt" aufgenommen hat, um so eine neue Sensibilität für die Sprache zu erringen.

Auf verschiedenen Gebäuden der Frankfurter Innenstadt sind abends bis zum 12. Oktober Projektionen zu sehen, wie unter anderem auf die Alte Nikolaikirche und das Literaturhaus. Neben den Gedichten der polnischen Lyrikerin Wislawa Szymborska stammen die von Holzer verwendeten Texte von Poeten, Philosophen und religiösen Denkern, die die Stadt Frankfurt und die evangelische Kirche maßgeblich geprägt haben: Theodor W. Adorno, Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Martin Buber, Friedrich Schleiermacher, Sören Kierkegaard, Johann Wolfgang von Goethe und Paul Tillich. Die Amerikanerin entfremdet das Medium der Projektion von seinem funktionalen Zweck und verschafft den Worten auf diese Weise einen neuen Ort der Kraft.

Berlin: Messen eröffnen den Berliner Kunstherbst

Pünktlich zum Herbstbeginn ist es wieder so weit: Die Kulturmetropole Berlin wird zum Schauplatz zahlreicher Kunstmessen und somit zum Anziehungspunkt tausender Kulturinteressierter aus aller Welt. Doch nicht nur das Publikum wird immer internationaler, auch der Zuwachs an zahlreichen kleinen Satellitenmessen, wie der "Preview" oder dem "Kunstsalon", die sich um das alt eingesessenen "Art Forum" gruppieren, garantieren eine Mischung von Ausstellern und Künstlern aus aller Welt: Die "Berliner Liste" findet in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal statt und ist ihrem Prinzip, jedes Jahr einen neuen Messestandort zu wählen, treu geblieben. Aktuell dienen die historischen Räumlichkeiten der Staatlichen Münze als Ausstellungsfläche und bilden einen interessanten Kontrast zum innovativen und internationalen Programm von Ausstellern aus insgesamt 20 Ländern. Die "Preview" hat ihren Fokus auf noch nicht etablierte Künstler aus Osteuropa gelegt und die "abc" thematisiert in diesem Jahr unter dem Motto "light camera action" die Beeinflussung der Kunst durch das Medium Film. Konkurrenz schafft Kreativität – dies gilt auch für Vermarktungsstrategien und so eröffnet der Kunstsalon bereits einen Tag vorher auf dem alten Schlachthofgelände und lockt mit freiem Eintritt am Eröffnungstag. (5. bis 10. Oktober)

Bruce Conner: "Bruce Conner. Die 70er Jahre"

Nie hat man ihn einer einzigen Kunstbewegung mit Sicherheit zuschreiben können: Ganz Avantgardist, bezog Bruce Conner seine Inspirationen aus der Beatbewegung San Franciscos, wurde aber auch stark durch den Surrealismus und die Popkultur beeinflusst und experimentiert mit verschiedensten Materialien und Medien. Während seine Experimentalfilme eine Realität voller Ästhetik inszenieren, schockierte er durch Aktionen wie 1973, als er sich öffentlich für tot erklären ließ. Nachdem er Ende der fünfziger Jahre mit seinen Assemblagen bekannt geworden war, wird ihm nun erstmals in Europa im Rahmen der von Gerald Matt und Barbara Steffen kuratierten Retrospektive mit dem Titel "Bruce Conner. Die 70er Jahre" eine umfangreiche Einzelausstellung in der Kunsthalle Wien gewidmet. (8. Oktober 2010 bis 30. Januar 2011)

Anonyme Skulpturen

Das flüchtige, immaterielle Medium Video und die statische, materielle Kunstform der Skulptur, zwei natürliche Gegenpole, die in der Ausstellung "Anonyme Skulpturen" im Museum Haus Esters in Krefeld ineinander greifen und ein ästhetisches Zusammenspiel schaffen. Das Museum stellt acht internationale Künstler vor, die sich mit ihren Arbeiten im Grenzbereich zwischen Installation, Video und Skulptur bewegen. Die gebürtige Indonesierin Fiona Tan hält in "Study for Provenance" ihre beiden Söhne mit einer Kamera beim Spielen fest. Der Monitor an der Wand und die Spärlichkeit der Handlung lassen das Porträt bildhaft wirken. Mit ihrem Video "Untitled (Butterfly Videowall #2)" demonstriert die amerikanische Künstlerin Diana Thater den medial-technischen Zugriff auf die Welt der Pflanzen und Tiere. Den Raum taucht sie in eine sinnliche Farbigkeit, die im Kontrast zur eher kühl wirkenden Installation steht. (10. Oktober 2010 bis 6. Februar 2011)

Suchan Kinoshita: "In 10 Minuten"

Klang und Stille, Dauer und Flüchtigkeit, Ferne und Nähe – gegensätzliche Themen, die die Künstlerin Suchan Kinoshita in ihrer Ausstellung "In 10 Minuten" im Museum Ludwig in Köln miteinander verwebt. Auf Grund der Erfahrungen, die sie während ihres Studiums an der Musikhochschule in Köln sowie ihrer langjährigen Mitarbeit am Theater in Krefeld gesammelt hat, nehmen viele von Kinoshitas Rauminstallationen Performance- und Musikelemente auf. Mit Projektionen, Gesang, Neonschriften, mechanischen Effekten, aber auch mit Elementen wie Seifenblasen und Staub versucht die in Tokio geborene Künstlerin die Sinne der Menschen anzusprechen. Für das Museum Ludwig erarbeitet sie eine auf den Raum abgestimmte Auswahl früherer und aktueller Werke. Zu sehen sind unterschiedliche Werkgruppen: von den kleinen "Guckies" (umgebaute Diabetrachter, die kleine Dinge groß wirken lassen) über die fragilen "Uhren" (unregelmäßige "Sanduhren" aus Glas, die unterschiedliche Flüssigkeiten beinhalten und alle unterschiedlich die Zeit messen) zu den soliden "Isofollies" (schwarze Plastikfolie, die Abfall zusammenhält und den wieder in etwas Wertvolles umwandelt). (9.Oktober 2010 bis 30. Januar 2011)