Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Sanja Brandt qantenphysikalische Philosophie in Frankfurt am Main, lebendig gewordene Kleidung in Essen, Stadtdynamiken in Hamburg, sowie vertonte Aufnahmen der U.S.-Armee und Packpapierkunst in Berlin.

Frankfurt am Main: Figuren von Gregor Gaida

Fragmentarisch, eingefroren, wie ein Abbild eines Augenblickes ihrer persönlichen Geschichte sind die Skulpturen platziert. Doch Gregor Gaidas Objekte sind nicht starr, sondern im höchsten Maße performativ und laden den Betrachter vom 15. Januar bis zum 6. März ein, sich mit ihnen in Beziehung zu setzen, sie räumlich zu erfahren und so ihren eigenen Lebensweg zu ergründen.

Gaida begründet seine Skulpturen in der Ausstellung "Summe der Geschichten" philosophisch und quantenphysikalisch. In seinen in der Frankfurter Galerie Adler (Hanauer Landstraße 134) ausgestellten Figuren dokumentiert der Bildhauer das kaum wahrnehmbare Moment im Leben, welches aus der Summe der Ursachen resultiert und gleichzeitig den Anstoß für alle sich ergebenden Möglichkeiten gibt. Durch das einzigartige Zusammenspiel der detaillierten Protokolle von Mimik und Gestik und der teilweise unvollständigen, zerrissenen Körper dieser, am Scheideweg stehenden Personen fängt Gaida genau diesen Zeitpunkt ein und lässt eine nicht enden wollende Narration entstehen.

Berlin: Streetart von El Bocho

Die Werke von El Bocho lassen sich an vielen Orten in Berlin finden, er schärft die Blicke für Vergangenes, Aktuelles und Zukünftiges in dieser Stadt, die so voller Geschichte und mitten im Aufbruch steckt. Der Alltag der Großstadt ist sein Thema, seine Werke sind Zeugen eines aufmerksamen Beobachter, eines Referenten des urbanen Lebens. El Bocho nimmt an dem Geschehen der Welt teil, saugt es auf, verarbeitet es und gibt es in seiner ganz eigenen Schönheit an den Betrachter weiter. Er greift nicht in das Bestehende ein, verewigt sich nicht an Mauern, sondern bereitet seine Arbeiten auf Packpapier vor, um damit ausgesuchte Plätze zu bereichern. Seine Projekte sind von vornherein als temporäre Aktionen geplant und er hat damit seinen ganz eigenen Rhythmus gefunden. Der, seit zwölf Jahren aktive Künstler lässt sich mittlerweile auch in Galerien antreffen. Seine Werke werden meistens auf Leinwände übertragen ausgestellt, aber auch originale Packpapier-Arbeiten sind zu sehen. Wer den Zauber erleben möchte, der kann das noch bis zum 13. Februar in der Raab Galerie (Fasanenstraße 72).

Essen: Holzkleidung von Christoph Platz

Bei Christoph Platz scheinen die Leute mit ihren Kleidern zu verschmelzen, täuschend echt stellt der Bildhauer Teile des menschlichen Körpers in Form von Kleidungsstücken dar. Der Diskurs des Inneren und Äußeren ist omnipräsent, die Hüllen sind ohne Inhalt, und doch scheinen seine Objekte zum Leben erweckt worden zu sein, sie übernehmen Aufgaben des menschlichen Handelns, bedienen sich anderer Objekten, als wenn sie Herr über sich selbst wären. "Oberflächlich", so der Name der Ausstellung, die vom 15. Januar bis zum 19. Februar in der Essener Galerie Frank Schlag & Cie. (Meisenburgstraße 173) zu sehen ist, steht in direkter Beziehung zu den modifizierten Oberflächen. In knallbunten Farben kommen die Holzskulpturen daher, mit Abnutzungsspuren, die den Anschein aufkommen lassen, dass sie ihre ganz eigene Geschichte erlebt haben. Fast schon geisterhaft stehen, liegen, hängen sie in der Galerie herum und kommunizieren auf eine ganz besondere Weise mit ihren Betrachtern.

Hamburg: Vortragsreihe und Buchankündigung auf Kampnagel

Fast jeder zweite Mensch wohnt in einer Metropole, und die Einwohnerzahlen sind steigend. Dieser Zustand eröffnet viele neue Möglichkeiten, bringt neue Dynamiken mit sich, aber birgt auch viele Widersprüche und Aufgaben. Vor allem kulturell kommen immer mehr Herausforderungen auf Städte zu. In der Vortragsreihe "Kulturen der Metropole" beschäftigen sich Gäste aus Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft mit zukünftigen Lebensformen. Die Kulturfabrik Kampnagel (Jarrestraße 20) in Kooperation mit der HafenCity Universität Hamburg lädt ab dem 14. Januar bis zum 14. Februar jeden Donnerstag ein, sich die Gedanken, Ideen, Projekte von kompetenten Gästen anzuhören. Die Donnerstage stehen ganz unter den Mottos: Prozess und Werk. Diversität und Einfalt und Luxus und Elend. Gleichzeitig ist zu erwähnen, dass das Buch "Parcitypate: Art and urban space" im Niggli Verlag erschienen ist, ein Resultat des gleichnamigen und vieldiskutierten Symposiums auf Kampnagel im November 2007.

Berlin: Video, Druck und Fotografie von William E. Jones

Mit Filmen fing bei William E. Jones alles an. Die Hinwendung zu Video, Druck und Fotografie kam erst später dazu, tragen aber auch die eindeutige Handschrift von William E. Jones. Der Künstler, dessen Arbeiten schon unter anderem im MoMA, in der Tate Modern, im Louvre und auf dem Sundance Festival zu sehen waren, liebt es kleine Filmsequenzen aus ihrem Kontext zu entreißen und diesen neuen Formen zu verleihen. Die Frage nach Montage, Sinn und Manipulation schwingt in all seinen Werken mit. So auch in dieser ersten Einzelausstellung in Europa in der Galerie VeneKlasen/Werner (Rudi-Dutschke-Strasse 26). Erstmals wird die komplette Vorführung von "Discrepancy" gezeigt: Das umfangreiche Werk besteht aus sechs Videos aus einer noch nicht abgeschlossenen Serie. Die Bilder bei dem Ausstellungsherzstück stammen aus Aufnahmen der U.S.-Armee aus den Zeiten des Kalten Krieges, vertont wurden sie mit dem radikalen Manifest des französischen Autors Isidore Isou, das besagt, dass das Kino zerstört werden müsse, um es zu erneuern. Verwirrt? Am 15. Januar gibt der Künstler um 17 Uhr einen "Talk" zu seinem Werk in der Galerie. Zu sehen ist die Ausstellung dann noch bis zum 27. Februar.