Szpilman Award - Ephemere Kunstwerke

Das Karohemd und die Kunst

Der Szpilman Award, 2003 zum ersten Mal verliehen, erfreut sich wachsender Beliebtheit. Auch 2009 wurden sechs Künstlerinnen und Künstler mit sieben Werken ausgezeichnet – der Sieger bekommt den symbolischen Preis von 500 Zloty.
Das Karohemd und die Kunst:Die Gewinner des Szpilman Award 2009

"In den Zillertaler Alpen" nannte der Award-Sieger Hank Schmidt in der Beek seine Malaktion – er übertrug das Muster seines Oberhemdes auf die Leinwand

"Ephemer" kommt aus dem Griechischen, bedeutet im Wortsinn "für einen Tag" und heißt laut Fremdwörterduden "nur kurze Zeit bestehend, rasch, vorübergehend". Nicht unbedingt Eigenschaften, die man spontan mit Kunstwerken verbindet. Gäbe es da nicht den Szpilman Award, der – 2009 zum 7. Mal – Kunstwerke auszeichnet, die, wie es heißt, "nur für einen Moment oder eine kurze Zeit" existieren und den die gleichnamige deutsche Künstlergruppe (Absolventen der Kunsthochschule Offenbach) ins Leben gerufen hat.

Sieger wurde der Deutsche Hank Schmidt in der Beek. Der steht, ganz wie die klassischen Pleinairmaler, mit der Staffelei in idyllischer Gebirgslandschaft – und pinselt akribisch das Muster des Oberhemdes, das er gerade trägt, auf die Leinwand. Er darf sich über einen Preis freuen, der erstens aus einem gnadenlos scheußlichen Pott ("Challenge Cup") besteht und zweitens aus einem durchaus ephemeren Preisgeld – die 500 Zloty (125 Euro) sind wohl ruck, zuck ausgegeben (im vergangenen Jahr waren es noch 200!).

Sechs Künstlerinnen und Künstler wurden insgesamt ausgezeichet, einer gleich zweimal: Jennyfer Haddad erzeugte mit einer großen Metallpfeife mystische Töne und kontrollierte – wie auch immer das funktionieren mag – die Klangfarbe mit einem toten Oktopus. Gerard Herman (Belgien) harrte eine ganze Nacht lang in der Pose eines Hooligan aus – seine ausgestreckten Arme waren Attrappen. Sein zweites temporäres und ebenfalls ausgezeichnetes Werk: Er radelte mit einem Tandem – ein selbst kreiertes, entenähnliches Wesen auf dem Sozius – zu einem 16 Kilometer von seinem Heim entfernten Ausstellungsort.

Jaroslav Kyša: Love us or die

Am 12. Juni 1990 deklarierte das russische Parlament seine Unabhängigkeit, seitdem wird an dem Datum der "Russland-Tag" gefeiert – Jaroslav Kyša (Slowakei) nutzte die Gelegenheit zu einer kurzfristigen Kunstaktion – er leckte in aller Öffentlichkeit die russische Fahne ab. Wie man mit wenigem Handgriffen und etwas Plastikgrünzeug eine Lounge in einem veritablen Dschungel verwandeln kann, demonstrierte Roy Menahem Markovich (Israel). Alexander Thieme (Dänemark) verwandelte sich mit Pinsel und Farben in ein menschliches Chamäleon – er passte sich farblich exakt der ihn umgebenden Landschaft an.

Trotz der eher symbolischen Dotierung ist der Szpilman Award ausgesprochen beliebt. Waren es im Gründungsjahr 2003 ganze 17 Anwärter, so hatten sich 2007 schon 203 beworben, 2008 waren es 298 und jetzt, 2009, meldeten sich es 375 Aspiranten.

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