Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Dieses Mal: Galerienrundgänge in Berlin und Leipzig, ein Filmfestival und die Gründung eines neuen Staates.

Remagen: "Jonathan Meese – Erzstaat Atlantisis"

Jonathan Meese meint es ernst mit seiner ultimativen Revolution, bei der, so der Künstler, "ein riesiger Vulkan ausbrechen und die ganze Welt mit Kunst wie Lava überströmen" wird. Die "vulkanische Druckkammer" in einem 40 Meter hohen Aufzugsschacht bildet das Herzstück der Ausstellung "Erzstaat Atlantisis" im Arp Museum in Remagen und soll "das absolut Neue" – zusammen mit dem Besucher, der selbst zur ausgeschleuderten Lava wird – ans Licht befördern.

Überlebensgroße Skulpturen, unter ihnen "General Pony" und "Babyadmiral Nullpe", bevölkern den Erzstaat, den Meese einer Rekonstruktion des platonischen Atlantis gegenüberstellt und in dem er zum ersten Mal eine von ihm entdeckte "Weltformel" vorführen will. Bis zum 30. August vereint die Schau noch eine umfassende Retrospektive seiner Plastiken. Zu sehen sind außerdem 14 großformatige Ölgemälde, Collagen, Atlantis-Arbeiten von Joseph Beuys und das Atlantis-Projekt von Helga und Hans-Jürgen Müller der Documenta von 1992.

Oberhausen: 55. Internationale Kurzfilmtage

In Oberhausen werden vom 30. April bis zum 5. Mai mal wieder jede Menge kurze Filme und Videos gezeigt: Zehn abendfüllende Programme, über 130 Filme in fünf Wettbewerben, Profile von Autoren und Institutionen, Diskussionsreihen und das groß angelegte Thema "unreal Asia" füllen das Programm der 55. Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen. Eine Retrospektive des japanischen Avantgardefilmers Matsumoto Tohsio wird ebenso zu sehen sein wie das russische Künstlerinnenduo "Factory of Found Clothes", das das cineastische Wochenende mit der Live-Performance "Vaterverwandlung und Kinderchor" eröffnet.

Berlin / Leipzig: Kunst-Tour am Maiwochenende

Das lange Maiwochenende bietet in drei Tagen und zwei Städten die Möglichkeit, über 50 Galerien und Ausstellungsräume zu besuchen. In Leipzig wird vom 30. April bis zum 2. Mai endgültig der Winter verabschiedet: Zum Frühjahrsrundgang der Spinnereigalerien eröffnen 15 Galerien und Ausstellungsräume am 30. April neue Ausstellungen. Ein Highlight wird in der Halle 12 gezeigt: Die mexikanische Galerie Hilario Galguera präsentiert neben 17 weiteren Künstlern fünf großformatige Leinwandarbeiten von Damien Hirst. Wem das noch nicht reicht, kann sich ausgiebig in der Kunstszene der Hauptstadt umsehen. Am Gallery Weekend Berlin eröffnen 38 Galerien zeitgleich ihre neuen Ausstellungen und bleiben am Freitag, 1. Mai, von 16 bis 21 Uhr und Samstag sowie Sonntag von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Am selben Wochenende feiert die Galerie Valery in den Uferhallen, Berlin, Vernissage. Am Samstag, 2. Mai, präsentiert sie um 18 Uhr 14 Positionen junger Kunst. Auch die Galerie Mikael Andersen eröffnet zeitgleich mit dem Gallery Weekend und zeigt mit der Ausstellung "Beyond the Horizon" abstrakte Figuren von Malte Urbschat.

Kassel: "François Weil – Die Alchemie der Gegensätze"

Wenn Jean Tinguely und Richard Serra sich auf eine gemeinsame Skulptur einigen müssten, käme das Ergebnis den Arbeiten François Weils sicherlich sehr nahe. Dieser verbindet schweres, fast unbearbeitetes Gestein mit Metallteilen, etwa vom Schrottplatz gesammelten Schrauben und Stahlstreben, zu monumentalen Mobiles. Die durch das Material bedingte archaisch-schroffe Erscheinung erhält in der neuen Anordnung etwas ungewohnt Leichtes, sobald die Steinbrocken sich im Wind bewegen oder vom Betrachter berührt werden. Die Skulpturen, teils abstrakt, in Andeutungen aber auch figürlich, tragen ihre Geschichte in sich, und Weil macht diesen Ansatz sicht- und spürbar. Die Galerie Ulrike Petschelt hat den Franzosen (geb. 1964) samt 24 Tonnen Skulpturen nun nach Kassel in den Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel eingeladen, wo noch bis zum 14. Juni seine Ausstellung "Die Alchemie der Gegensätze" zu sehen sein wird. Kleinformatige Arbeiten und Druckgrafiken werden in den Galerieräumen gezeigt.

Dresden: "Absolutely Fabulous"

Sieht man sich dieser Tage den Kultfilm "Pulp Fiction" in der Motorenhalle in Dresden an, werden die allzu bekannten Bilder von John Travolta und Samuel L. Jackson wohl etwas ins Wanken geraten. Verantwortlich dafür sind Nika Oblak (Jahrgang 1975) und Primoz Novak (Jahrgang 1973), die dessen Schlüsselszenen sowie die anderer Filmklassiker eins zu eins in Eigenbesetzung nachgedreht haben, ganz professionell im Studio. Aber auch medienwirksame Kunst, wie die der Young British Artists, wird nicht verschont und Arbeiten von Hirst, Emin oder Koons in der Serie "Saetchi Collection" hemmungslos kopiert. Ganz dreist und nicht ohne Ironie machen sich die beiden Slowenen selbst zu Superstars und Kultfiguren, um somit die Mechanismen von Medienhypes und globaler Popkultur zu untersuchen. Bei der Vernissage am 6. Mai werden die Künstler anwesend sein und über ihr Werk sprechen.