Einheitsdenkmal - Ausstellung

Sogar die Schlümpfe mischen mit

Die Jury war nicht überzeugt – und dennoch gibt es nun eine Ausstellung. Die mehr als 500 Entwürfe für das Einheits- und Freiheitsdenkmal sind am Dienstag in Berlin zum ersten Mal öffentlich präsentiert worden.
Bundesbanane und Schlümpfe:Entwürfe für das Einheitsdenkmal in Berlin zu sehen

Die Bundesbanane – ein Entwurf von Hanns Malte Meyer

Die Preisrichter hatten unter den über 500 eingereichten Vorschlägen nicht die erforderlichen 20 Arbeiten für die nächste Wettbewerbsstufe gefunden. Damit hat Berlin wieder eine Debatte über ein Denkmal.

Auch über das Holocaust-Mahnmal, die Neue Wache oder das Mahnmal für die von den Nazis ermordeten Homosexuellen war mehr oder weniger heftig diskutiert worden. Wie soll ein Denkmal aussehen, das auf dem Schlossplatz an die Demonstrationen und den Mauerfall vor fast 20 Jahren erinnert, ein Jahrhundertereignis? Die Pläne im Kronprinzenpalais sind eine höchst bunte Mischung, die von den Kritikern mit Neugier und einigem Stirnrunzeln begutachtet wurden: Einstürzende Mauerteile, Treppen, Kugeln, Ringe, Stelen und Figuren, Kerzen, eine Riesenbanane und einiges Schwarz-Rot-Gold sind zu sehen. Mehrere Entwürfe variieren die Sätze "Wir sind ein Volk" und "Wir sind das Volk". Ein Adlerpaar soll die beiden Teile Deutschlands symbolisieren. Ein Klangkunstwerk will die Nationalhymne zum Denkmal machen. 22 Figuren sollen eine "Aufforderung zum Tanz" sein. Sogar die Schlümpfe und eine Giraffe mischen mit.

Ein Entwurf sieht ein Meer aus Stein als Symbol für die Einheit, andere platzieren Stühle am Stadtschloss, das erst noch gebaut wird. Nur wenige bekannte Namen fallen beim Rundgang auf. Gottfried Böhm sieht eine zweiteilige Skulptur vor. Kanzleramtsarchitekt Axel Schultes und Charlotte Frank haben sich in Anspielung an Luther ein gewaltiges,
abstraktes Apfelbäumchen ausgedacht. Und der Amerikaner Jonathan Borofksy, dessen berühmtestes Freiluft-Kunstwerk in Deutschland, "Der Mann, der zum Himmel geht", zum Wahrzeichen der Documenta 9 wurde, steuerte einen gigantischen Torbogen aus leuchtenden Menschenfiguren bei. Wie die interessanten Ideen aus den 532 Entwürfen doch noch zum Zuge kommen können, steht nicht fest. "Es ist überhaupt noch nicht entschieden, wie der Wettbewerb weitergeht", sagte Andreas Kübler vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Der Siegerentwurf aus der neuen Runde soll nach Möglichkeit zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November vorgestellt werden. dpa

"Entwürfe für das Einheits- und Freiheitsdenkmal"

Termin: bis zum 31. Mai, Berliner Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, Berlin. Der Eintritt ist kostenlos.
http://www.wettbewerb-denkmal.de/