Distanz Verlag - Boros, Taschen, Grosenick

Distanz ist eine Haltung

Christian Boros, Angelika Taschen und Uta Grosenick gründen den Kunstbuchverlag Distanz.
"Distanz ist eine Haltung":Neuer Kunstbuchverlag

Christian Boros, Angelika Taschen und Uta Grosenick im zukünftigen Gebäude des Distanz Verlags am Halleschen Ufer in Berlin. Es handelt sich um ein altes Pumpwerk und das ehemalige Lapidarium der Stadt Berlin

Es war ein Bild für die Götter: Christian Boros, Sammler und Berlinaufmischer, von der Statur her eher klein, flankiert von zwei hoch gewachsenen Damen - die eine Verlegerin Angelika Taschen, die andere Uta Grosenick, ehemalige Ausstellungsorganisatorin bei den Hamburger Deichtorhallen und Programmleiterin beim DuMont Buchverlag.

Und hinter dem Trio ragt die Kolossalskulptur eines steinernen Herkules empor. Er ist der Schutzpatron für das Projekt, das Christian Boros und seine Kolleginnen, beinahe unbemerkt vom Berliner Flurfunk, ausgeheckt haben. Das Trio hat einen Verlag gegründet. Sein Name "Distanz". Ein Verlag für Kunst, Architektur, Design, Mode und Lifestyle, für Bücher in Englisch und Deutsch. Alle drei Kölner sind geschäftsführende Gesellschafter der Firma. Angelika Taschen ab 1. Januar 2011; sie verlässt nach 23 Jahren den gleichnamigen Verlag.

Natürlich ist bei einem Boros-Projekt auch der Firmensitz außergewöhnlich. Es ist das ehemalige Pumpwerk und später, ab 1978, das Lapidarium Berlins, am Halleschen Ufer, eine Denkmalsammlung, in der einst auch die Quadriga des Brandenburger Tors aus Schutz vor saurem Regen eingelagert war. Das Licht zwischen den riesigen Stahlrädern und Pumpen in den zwei Hallen wird Olafur Eliasson gestalten. Es ist der zweite spektakuläre Ort den Christian Boros in Berlin mit neuem Inhalt füllt. Inhalt, "Content" ist für die drei Gründer auch der wichtigste Baustein des Verlags. "Es gibt zu viele schlechte Bücher", so Christian Boros. "Uns interessieren nur Dinge mit starker Autorenschaft und einer gelungenen Gestaltung, dem wollen wir eine Plattform geben", sagt er und tritt die vierte Zigarette auf dem noch rohen, zerklüfteten Boden aus.

Bücher als Liebhaberobjekte

Wie will er sich denn distanzieren? "Zu allererst von dem, was wir vorher gemacht haben", da sind sich die drei einig. "Wir wollen keine Bücher produzieren, die 'me too', sind, so Christian Boros, "sondern Bücher, denen man über den Leineneinband streichen will, bei denen man die Bindung erspürt und die Fotos glänzen", schwärmt der Sammler. Liebhaberobjekte eben, die man vererbt. Einige Bücher werden nicht gedruckt – sondern dafür gibt es dann eine Application auf der Website des Verlags. "Wir erwarten mit Spannung unsere ipads". "Vielleicht wird man auch ein tolles Parfüm über die Website kaufen können", wirft Angelika Taschen ein, "man könnte ja auch mal ein Buch über die besten Parfümeure machen – eben über alles Schöne dieser Welt".

Auch wenn bei der Vorstellung des neuen Verlags noch nicht ganz klar wurde, was anders sein wird als beispielsweise an den Büchern von dem Berliner Verlag "Die Gestalten", gibt es doch einige Anzeichen für Überraschungen: Bei Bestellungen im Internet wird versandkostenfrei geliefert, "manchmal zusammen mit einer Überraschung, vielleicht einer Tasche von Tobias Rehberger", verrät Christian Boros. Über die Website werden Kunsteditionen angeboten – aktuell von Alicia Kwade – um den Druck zu finanzieren. Und die Titel kosten zwischen 29 und 2900 Euro – eine App 2,90. In Planung ist eine Anthologie über ganz junge Kunst, das erste Buch über Sergej Jensen und eines zum Werk des Eberhard Havekost, der ab Sommersemester 2010 zum Professor für Malerei nach Düsseldorf berufen wurde. Gerade fertig gestellt wurde ein Kompendium zum Werk der kürzlich gestorbenen Künstlerin Louise Bourgois – natürlich nicht geschrieben von irgendeinem Autor, geschrieben hat Elfriede Jelinek.

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