Unser e.V.

WKV Münster

Unser e.V. – Der Westfälische Kunstverein Münster
Eine Ausstellungsansicht von Surasi Kusolwongs Installation "1-Euro-Market" im Westfälischen Kunstverein. Kusolwong nutzt den großen Markt von Billigwaren in Thailand um bunte Basare zu entwerfen und die farbvolle Energie in den Ausstellungsraum zu transportieren (Roman Mensing / artdoc.de)

UNSER E.V. – DER WESTFÄLISCHE KUNSTVEREIN MÜNSTER

In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: Zehn Fragen an den Westfälischen Kunstverein Münster.

Über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Carina Plath: Über die Ausstellung mit Plakaten von Klaus Staeck, 1976. Sie wurde vom damaligen Geschäftsführer Herbert Molderings geplant und kurz vor Eröffnung vom damaligen Vorstand abgesagt – ein in der Geschichte des Westfälischen Kunstvereins einzigartiger Fall.

Der Vorstand plädierte für eine Kunst, die bei der Kunst bleibt und ihre Bewertung nicht im Politischen sucht. Auslöser war wohl der Einbezug von Staecks Plakaten in den Bundestagswahlkampf von 1976. Molderings erhielt Unterstützung von der Internationalen Kunstausstellerleitertagung (IKT) und der überregionalen Presse und reklamierte, dass die Nichtverlängerung seines Vertrags eine politisch begründete Kündigung war. Andererseits hat der Vorstand den Verein in seiner heutigen Form damals wahrscheinlich gerettet, denn einige Mitglieder, die Molderings unterstützten, beantragten eine außerordentliche Mitgliederversammlung und Satzungsänderung, derzufolge die Mitglieder nicht nur das Ausstellungsprogramm, sondern auch den Geschäftsführer mitbestimmen sollten. An der legendären Versammlung nahmen 306 Mitglieder teil, 67 stimmten für, 240 gegen die Satzungsänderung. Ein spannendes Stück Kunstgeschichte im Westfälischen Kunstverein.

Und welches war Ihre best besuchte Ausstellung?

Wir erheben keine Zahlen, da der Eintritt bei uns frei ist; dennoch gehört die Ausstellung Gustav Metzger, die vom 17. Juni bis zum 30. September des letzten Jahres im Rahmen von "Skulptur Projekte Münster 07" im Westfälischen Kunstverein zu sehen war, wohl zu den bestbesuchten.

Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt? Und welches ist das teuerste Exponat?

Der Schwerpunkt liegt auf altwestfälischer Malerei; so führt der Westfälische Kunstverein unter der Inventarnummer 1 das sogenannte Soester Antependium, das älteste Tafelbild nördlich der Alpen. Sein Wert ist wohl unschätzbar. Die etwa 1500 Werke umfassende Sammlung des Westfälischen Kunstvereins ist eine Dauerleihgabe an das Westfälische Landesmuseum und wird in dessen Räumen mit ihren Höhepunkten gezeigt.

Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Paul Sharits und Marlene Dumas.

Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Nach Texas.

Was war die bislang höchste Spende?

Kein Kommentar.

Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Junge Mitglieder mit Qualitätsbewusstsein in Kunst und Leben.

Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?
-

Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

In einem neuen Gebäude mit eigenem Eingang und weiterhin fortschrittlichem und eigenständigem Programm. Aufgrund des Neubaus des Westfälischen Landesmuseums wird der Westfälische Kunstverein 2012 neue Räume beziehen. Der Kunstverein erhält einen eigenen Eingang, und Ausstellungsräume und Büros werden eine Einheit bilden – damit verbindet sich die Möglichkeit, die kulturelle Arbeit des Vereins stärker auf verschiedenen Ebenen sichtbar werden zu lassen.

Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

1. Zeitgenössische Kunst im Moment ihrer Entstehung zu fördern. 2. die Möglichkeit, sich aus erster Hand über aktuelle Kunst zu informieren. 3. Austausch und Spaß bei Ausstellungen, Veranstaltungen, Reisen, und dem Erwerb junger Kunst.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 1831. Mitgliederzahl: 960. Altersdurchschnitt: keine Erhebung. Jahresbeitrag: 50 Euro (35 Euro für Künstler, 25 Euro für Studenten). Ausstellungsfläche: ungefähr 300 Quadratmeter. Jahresbudget: zwischen 300 000 und 500 000 Euro.

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