Neues Stipendium - Schloss Heiligenberg

Von den Medici abgeschaut

In den vergangenen Jahren hat ihre Familie viele Negativschlagzeilen gemacht wegen des Ausverkaufs ihrer Kunstschätze. Jetzt will das junge Erbprinzenpaar Jeannette und Christian zu Fürstenberg die Kunst wieder fördern. Dazu laden sie Stipendiaten auf ihr Schloss Heiligenberg, und stellen vom nächsten Jahr an im Museum in Donaueschingen Künstler ihrer Generation aus.
Künstler in Residenz:Neues Stipendium für junge Künstler

Das Schloss Heiligenberg in Donaueschingen

Frischer Wind in Donaueschingen: Jeannette und Christian zu Fürstenberg, das jung verheiratete Erbprinzenpaar, will die zeitgenössische Kunst in die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen bringen. Im Frühjahr 2011 wird in dem Museum, das vor allem Objekte zur Paläontologie und Zoologie umfasst, eine neue Abteilung für Künstler ihrer Generation eröffnet. "Es soll eine spezielle Sammlung bleiben und nicht irgendein Museum für zeitgenössische Kunst werden", sagt die 28-jährige Jeannette zu Fürstenberg, sondern die Arbeiten sollen sich einfügen in den Kontext der Sammlung und diese vielleicht auch neu interpretieren.

Hierzu hat das Erbprinzenpaar schon jetzt Künstlerinnen und Künstler auf ihre Sommerresidenz eingeladen, das Schloss Heiligenberg. Jedes Jahr im Sommer sollen künftig Stipendiaten auf dem Schloss über dem Bodensee mit der Familie Fürstenberg leben und vor Ort arbeiten. Zum Auftakt haben die beiden bereits durchaus renommierte Künstler gewinnen können: Keren Cytter aus Tel Aviv, Gareth Moore aus Kanada und der deutsche Bildhauer Michael Sailstorfer. Auch Dirk Bell, der gerade eine Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München hat, ist derzeit als Gast da.
Maßgabe an die Stipendiaten ist, sich mit der Geschichte der Fürstenbergs, dem Schloss oder den Objekten im Museum zu beschäftigen. Dadurch soll die Geschichte neu aufleben und ins "21. Jahrhundert hineingetragen werden", so Jeannette zu Fürstenberg – und vor allem ein neuer Akzent gesetzt werden, nachdem die Familie in den vergangenen Jahren wegen des Ausverkaufs ihrer Kunstschätze, Alten Meister und Handschriften, negative Schlagzeilen gemacht hatte. Durch die künstlerischen Interventionen erhofft sich Jeannette auch eine Außenperspektive auf die Familie, die Geschichte, "wie man sie noch nicht gesehen hat".

Das scheint bei der ersten Stipendiatenrunde schon gut zu funktionieren. Die Künstlerin und Filmemacherin Keren Cytter hat ein ganzes Team mitgebracht und dreht auf Heiligenberg derzeit einen Film über das Schloss und entwickelt außerdem ein Theaterstück, das im September im HAU in Berlin herauskommen wird. "Das Schöne ist", sagt Jeannette zu Fürstenberg, "dass man durch die Künstler ein neues Gespür für die Wertigkeit der Dinge bekommt". Und so hofft sie, dass auch die Sammlungen in Donaueschingen eine neue Wertschätzung erfahren könnten.
Das Stipendium wird nicht ausgeschrieben, das Erbprinzenpaar spricht selbst Künstlerinnen und Künstler an, deren Werk und Arbeitsweise schließlich zu ihrem Konzept passen muss. Beraten werden sie dabei von dem Kurator Moritz Wesseler, der nach seiner Ausbildung an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen auch die künstlerische Leitung der Fürstenberg Foundation for Contemporary Art in Donaueschingen übernehmen wird.

Schwierigkeiten, Künstler in die Provinz zu locken, hatten die drei nicht. "Sie empfinden es als willkommene Abwechslung zur grauen Stadt", sagt Jeannette zu Fürstenberg. "Wir bieten den Künstlern ein Konglomerat von Besonderheiten, die das Stipendium einzigartig machen", meint denn auch Moritz Wesseler. Denn neben der Landschaft lockt auch das Wohnen in der spätmittelalterlichen Burg, die zum Renaissance-Schloss umgebaut wurde.
Die Idee für das Stipendium hat Jeannette zu Fürstenberg den Medicis abgeschaut, über deren spezielles Mäzenatentum die Betriebswirtin derzeit promoviert. Die berühmten Italiener kauften nicht einfach Kunstwerke an, sondern umgaben sich auch gern mit Künstlern und pflegten einen regen Austausch mit ihnen. "Diese Nähe und gegenseitige Befruchtung wollten wir für uns ausprobieren", sagt Jeannette zu Fürstenberg und lebt nun mehrere Wochen mit den Künstlern auf dem Schloss. Man bekocht sich gegenseitig, isst und diskutiert miteinander – und Jeannette ist begeistert: "Da entsteht eine ganze Menge Kreativität".

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