Durch den Monat mit: - Dirk Luckow

Meister und Außenseiter

In unserer neuen Serie präsentieren Kunstprofis jeden Monat ihre persönlichen Höhepunkte. Diesmal: Dirk Luckow, 51, neuer Intendant der Hamburger Deichtorhallen.
Meister und Außenseiter:Die Kunsthöhepunkte von Dirk Luckow

Dirk Luckow ist der neue Intendant der Hamburger Deichtorhallen. Von 2002 an hat er die Kunsthalle zu Kiel geleitet, die im November unter anderem die Ausstellung "Cocker Spaniel" zeigt. Im Hintergrund: Das Gemälde "o.T.", 2007 des österreichischen Künstlers Herbert Brandl

Die allerorts von der Wirtschaftskrise gezeichnete und nun erst recht schillernde Kunstwelt lebt im November auf. Jenseits der vielen schönen Momen­te dieses Jahres, unter anderem in London mit John Baldessari und Ed Ruscha, bietet das Novemberloch ideale Voraussetzungen für Ausstellungsbesuche mit Lust am genauen Blick. Die Liste der Möglichkeiten liest sich angesichts der vielen glanzvollen Auftritte wie ein Abenteuerroman. Man könn­te im siebten Himmel schweben und entspannen: mit hundert Claude Monets in Wuppertal, mit Ernst Ludwig Kirchner, dem kompromisslosesten Ex­pres­sionisten, in Salzburg oder – raffiniert und verrätselt – bei Renoir im 20. Jahrhundert in Paris.

Nicht weniger präsent als solch zeitlose Kunst sind die Wer­­ke von Bridget Riley: Wer letztes Jahr in den Genuss ge­kommen ist, ihre Retro­spektive in Paris zu sehen, wird versucht sein, nun nach Goslar zu pilgern. Im Fotomuseum Winterthur ku­ra­tiert Urs Stahel eine Folgeschau seines Darkside-Erfolgs von 2008, die verspricht, Fotografie als direkte Brücke zum Leben zu zeigen: Darkside II – Foto­grafische Macht und fotografierte Gewalt, Krankheit und Tod. Im gleichen Haus: Augen zum Fliegen von Graciela Iturbide, der mexikanischen Fotografin und Assistentin des großen Manuel Álavarez Bravo. Auf ganz andere Weise fesselt Jeppe Hein den Betrachter mit seinen Räumen: In Aarhus werden seine coolen Skulpturen-Thriller ausgestellt. Schlagfertig kommt eine Themenausstellung in Leverkusen daher: Slow Paintings, mit verwirrend tiefgründig, in manischer Langsamkeit entstandenen Bildern.

Ein Gefühl, das Tatiana Trouvé in Zürich mit "A Stay Between Enclosure and Space" in den Raum überträgt. Sympathie für die rätselhafte Grenzlinie zwischen plasti­schem Körper und Raum zeichnet Katharina Fritschs Werke aus, vorgestellt in den Hamburger Deichtorhallen von Bice Curiger und Robert Fleck. Jahrhunderte vor Fritsch verdichtete Katharina von Kleve Frömmigkeit und Dämonen in ihrem Stundenbuch (zirka 1440), das als Leihgabe aus New York in Nijmegen zu be­wundern ist. Malerische Raffinesse und aktuelle Vielseitigkeit bietet Wilhelm Sasnal auf 60 Bildern in Düsseldorf. Der Besuch seiner Ausstellung lässt sich mit einem Abstecher nach Köln verbinden, wo eine Isa Genzken-Retrospektive lockt: "Sesam, öffne Dich!"

"Katharina Fritsch"

Termin: bis 7. Februar 2010, Deichtorhallen Hamburg
http://www.deichtorhallen.de/639.html

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