Ebbsfleet - Landmark

Taufrisch, heroisch oder einfach dumm?

Fünf Künstler wetteifern um die Gestaltung eines gigantischen Kunstwerks für die künftige Stadt Ebbsfleet
Wahrzeichen:Erkennungsmerkmal für die Retortenstadt Ebbsfleet

Ein Königreich für ein Pferd: Mark Wallingers Vision eines Wahrzeichens für Ebbsfleet

Majetstätisch steht der Schimmel auf der grünen Wiese, ein perfektes Exemplar seiner Gattung, 33 Mal so groß wie ein echtes Pferd. Das um seinen Hals gelegte Halfter deutet an, dass er ein vom Menschen gezähmtes Tier ist, ein Rennpferd vielleicht.

Ein Pferd, ein Haus, ein Turm aus offenen Würfeln, ein senkrechter Flügel, ein weiterer Turm aus Polyedern – fünf Künstler hoffen, auf einem Hügel in der sonst flachen Landschaft des Themsedeltas östlich von London eine 50 Meter hohe Skulptur errichten zu dürfen. Hier wird in den nächsten Jahren die Retortenstadt Ebbsfleet entstehen. Einen Bahnhof, wo der zwischen London und Paris verkehrende Eurostar hält, gibt es schon. Die Plastik soll das Wahrzeichen der neuen Stadt werden, zwei Millionen Pfund lässt sich die mit dem Bau beauftragte Firma den Spaß kosten.

Die fünf Künstler wurden von einem Auswahlkomitee aufgefordert, einen Vorschlag für die größte Plastik des Landes einzureichen. Rachel Whiteread will auf einem aus Schutt gebauten Felsen den Abguss des Inneren eines Hauses errichten; Richard Deacon plant einen Turm aus 26 Polyedern - die Zahl entspricht den Buchstaben des Alphabets; Christopher Le Brun würde einen Parabolspiegel aus Beton bauen, vor dem ein senkrechter Flügel steht, das Symbol für Bewegung und Flug; und Mark Wallinger plant den gigantischen Schimmel, der an die in Kreidefelsen gekratzten neolithischen Pferdedarstellungen in Südengland erinnert.

Der einzige Ausländer ist der Franzose Daniel Buren. Er nennt seinen aus fünf übereinandergeschichteten offenen Würfeln bestehenden Entwurf "Signal": Ein Laserstrahl leuchtet senkrecht in die Unendlichkeit des Universums.

Wie so oft scheiden sich die Geister, was die Qualität angeht, vor allem bei Wallingers Konzept. In der Times begrüßte Rachel Campbell-Johnston sein Pferd als "eine taufrische Vision". Für Adrian Searle vom Guardian dagegen ist "das riesenhafte Biest einfach dumm", während sein Kollege Jonathan Jones in derselben Zeitung den "heroischen Vorschlag, mit seinem Sinn für Geschichte und Respekt für die Natur" schon jetzt als den Gewinner feierte. Der wird allerdings erst im Herbst bekanntgegeben.

Mehr zum Thema im Internet