Bookmarks - Lesetipps November

Die Lesetipps des Monats

art-Redakteurin Ulrike von Sobbe stellt Ihnen in unserer Rubrik "Bookmarks" jeden Monat zehn neue Kunstbücher vor. Diesmal mit wandlungsfähigen Gesichtsmalern, kolonialen Südseeperlen und doppelbegabten Literaten.

Aura Rosenberg. Who Am I? What Am I? Where Am I?

Für dieses Kunstprojekt hat die in Berlin und New York lebende Künstlerin Kollegen wie Mike Kelley, Tony Oursler oder Kiki Smith eingeladen, mit ihr zusammen Gesichtsbemalungen für Kinder zu entwickeln. Das Ergebnis dieser jeweils zu dritt entstandenen Verwandlungen wurde von ihr in ebenso überraschenden wie faszinierenden Porträtfotografien festgehalten. Sie zeigen, wie spielerisch die Kinder, unterstützt von den beteiligten Künstlern, die verschiedenen Seiten des eigenen Seins entdecken (Hatje Cantz Verlag. 200 S., 203 Abb., 39,80 Euro).

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Young Chinese Artists. The Next Generation

Sie sind aufgewachsen in einer Zeit, als ihr Land einen rasanten gesellschaftlichen Wandel vollzog. Wie nach 1975 geborene Künstler die politische Neuorientierung und den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas erleben und sich in ihren Arbeiten mit den neuen Entwicklungen auseinandersetzen, das dokumentiert dieser umfassende Überblicksband. Die Herausgeber Christoph Noe und Cordelia Steiner haben in Peking das "Ministry of Art" gegründet, eine Plattform zur Förderung junger chinesischer Künstler. Zusammen mit der in Peking lebenden Kunstkritikerin Xenia Piech stellen sie in dem Buch 30 Künstler vor, die von Malerei über Fotografie bis Video einen spannenden Einblick in die junge Kunstszene Chinas geben (Prestel Verlag. 296 S., 283 Abb., 39,95).

Philipp Weber. Weiße Herzen.

"Den Blick des Betrachters auf das Bild fixieren", das ist das Ziel der Realisten, zu denen auch der in Kassel und Berlin lebende Maler gehört. Webers hyperrealistischen Gemälde junger Mädchen erinnern äußerlich an die Ästhetik von Werbung und Modefotografie, an Stills bekannter Filme oder Bilderwelten der Popkultur. Dahinter bleibt jedoch immer die Individualität der Dargestellten sichtbar (Kerber Verlag. 116 S. mit Abb., 35 Euro).

Yasmin Mahmoudi, Kerstin Verena Lange: Rechtssicherheit im Kunstmarkt. Praxiswissen für Galeristen, Sammler und Kunstinstitutionen.

Wie kommt ein Kaufvertrag zustande? Haftet der Verkäufer für Mängel an einem Kunstwerk? Was ist bei der Einlieferung eines Kunstwerks in eine Auktion zu beachten oder wie wird ein Leihvertrag geregelt? An 96 Fallbeispielen erläutern die Autorinnen, beide auf Kunstrecht spezialisierte Juristinnen, wie praktische Lösungen zu erarbeiten sind. Dabei werden abstrakte Rechtsprobleme in einer für den Laien leicht lesbaren und verständlichen Form vermittelt. Dazu gibt es eine CD-ROM mit nützlichen Musterverträgen (GKS Fachverlag für den Kunstmarkt, Bad Honnef. 200 S., 29,80 Euro zu beziehen über Tel. (02 2 24) 98 19 92, info@gks-kunstsponsoring.de, www.gks-kunstsponsoring.de).

Susan Yekavich: Innenarchitektur weltweit.

Der Band untersucht, wie sich die Gestaltung von Innenräumen für öffentliche oder private Bauten in den letzten 25 Jahren gewandelt hat. Weltweit sind Projekte von Star-Architekten und -Designern, darunter Konstantin Gric, Zaha Hadid oder Renzo Piano, entstanden, die erkennen lassen, wie die Entwürfe für Architektur, Innenarchitektur und Innenausstattung zunehmend ineinander greifen und nicht mehr getrennt betrachtet und geplant werden. Neben den bekannten Namen der Designszene stellt die Autorin auch Arbeiten innovativer junger Büros vor, wie des Moskauer Studios Arch 4 oder der Schweizerin Sofia de Meyer. Mit detaillierten Werkbeschreibungen und aussagekräftigem Fotomaterial dokumentiert der Band höchst anschaulich, wie sich die Formensprache für Raumgestaltung aktuell entwickelt hat (Phaidon Verlag. 512 S., 1075 Abb., 75 Euro).

Paradiese der Südsee.

Während der Kolonialzeit blühte nicht nur der Handel mit den Inselwelten des pazifischen Ozeans – Kaufleute, Kirchenmänner und Kapitäne entwickelten zudem eine rege Sammlertätigkeit. Diesem Umstand verdankt das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim eine der bedeutendsten Südseesammlungen in Deutschland. Zum ersten Mal werden diese kostbaren Alltags- und Kultgegenstände nun in einer umfangreichen Ausstellung (bis 7. Juni 2009) der Öffentlichkeit präsentiert. Der begleitende Katalog bildet nicht nur die Exponate ab, sondern führt auch in die religiösen und gesellschaftlichen Riten dieser Völker ein, die mit ihren fremden Kulturen zu Beginn des 20. Jahrhunderts als "neue Nachbarn" große Faszination auf Europäer ausübten (Verlag Philipp von Zabern. Rund 250 S., über 350 Abb., 29,90 Euro bis 31.1.2009).

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München. Die große Zeit um 1900. Kunst, Leben & Kultur 1890–1920.

In jenen Jahren erleben Architektur, Malerei und Design eine spannende Phase des Aufbruchs, Gruppen wie Der Blaue Reiter oder Simplizissimus treten ins Rampenlicht, Jugendstil wird zur prägenden Formensprache, Künstlerfürsten wie von Lenbach oder Stuck geben den gesellschaftlichen Ton an. Schwabing lockt die Boheme aus Theater, Musik und Cabaret an. Auch Literatur und Buchkunst sorgen für glanzvolle Höhepunkte. "München leuchtet", schreibt Thomas Mann 1902, als die Stadt zu den einflussreichsten Kunstmetropolen der Welt gehörte. Die Autoren Rainer Metzger und Christian Brandstätter entwerfen in ihrem Buch einen leuchtenden Bilderbogen dieser kurzen grandiosen Epoche (Brandstätter Verlag. 376 S., 464 Abb., 49,90 Euro).

Malende Dichter: "Und ich mischte die Farben und vergaß die Welt."

Dürrenmatt, Goethe oder Proust haben eines gemeinsam: Sie verfügten über zwei Talente. Der amerikanische Jurist und Autor Donald Friedman sammelt Bilder von Dichtern und Schriftstellern. Die schönsten hat er nun in einem wunderbaren Bildband zusammengetragen. Rund 220 Kunstwerke aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind zu bestaunen, deren Urheber eigentlich der schreibenden Zunft angehören. Jedem Schriftsteller ist ein Text gewidmet, aus dem zu erfahren ist, welche Rolle dem Malen, Zeichnen oder Radieren im Leben des Doppelbegabten zukam. So konnte Hermann Hesse seine verletzte Seele durch das Malen ein Stück weit retten, Mark Twain spürte im Umgang mit Farben und Leinwand ein "neues glückliches" Leben, und für Günter Grass sind Grafiken "gezeichnete Gedichte" (Elisabeth Sandmann Verlag. 263 S. mit 220 Abb., 39,90 Euro).

Collecting Fine Art Photography. Volume 1. Highlights of the Lumas Portfolio.

Editionen von 120 zeitgenössischen Fotografen, darunter junge aufstrebende Talente ebenso wie international bekannte Künstler, hat die Galerie für Foto-Editionen mittlerweile in ihrem Angebot. Der nun erschienene Bildband zeigt 70 Positionen, dabei reicht das Spektrum von klassischen Fotogrammen über analoge Aufnahmen bis hin zu digital bearbeiteten Bildkonzepten. Alle Arbeiten sind zu erschwinglichen Preisen zu haben und somit auch interessant für junge Sammler oder alle, die sich mit den vielschichtigen Bildwelten der Fotokunst vertraut machen möchten (TeNeues Verlag. 128 S., 90 Abb., 45 Euro).

Frank Maier-Solgk: Neue Museen in Europa. Kultorte für das 21. Jahrhundert.

Muffige Musentempel waren gestern: Ob das Pariser Musée du quai Branly von Jean Nouvel, das Ausstellungshaus der Langen Foundation von Tadao Ando in Neuss oder das Caixa Forum in Madrid von Herzog & de Meuron – überall sind spektakuläre Museumsneubauten entstanden, die Scharen von Besuchern anziehen. Knapp, aber dennoch detailliert bietet der handliche Führer Anregungen für lohnende Reisen in die aktuelle Museumslandschaft (Deutsche Verlagsanstalt. 216 S., 80 Abb., 29,95 Euro).