Verlorener Michelangelo - New York

Der "Mike" hinterm Sofa

Wenn sich bestätigt, wovon der italienische Michelangelo-Experte Antonio Forcellino fest überzeugt ist, dann wäre es nicht weniger als der Fund des Jahrhunderts. Denn was eine amerikanische Vorstadtfamilie jahrzehntelang unbeachtet hinter dem Sofa verstaut hatte, ist laut Forcellino tatsächlich ein echter Michelangelo.
Sensationsfund?:Echter Michelangelo im Wohnzimmer entdeckt

Mittlerweile im Banksafe gesichert: Entdeckte Pietà von Michelangelo

Wie der britische "Daily Telegraph" berichtet, nannte Familie Kober in Buffalo, New York, ihr Familienerbstück schlicht "The Mike". Nachdem seine Kinder das Gemälde mit einem Tennisball von der Wand gekickt hatten, verbarg es Vater Martin, 53, lieber vor der Heizung hinter dem Wohnzimmersofa. Zwar wusste man um die Familienlegende, das alte Bild mit der flehenden Maria und dem von zwei Kindern gestützten Leichnam Jesu sei aus der Hand von Michelangelo. Nachgegangen war Martin Kober der Sache aber erst 2003, nach seiner Pensionierung von der US-Air-Force.

Nun hatte er Zeit, bemühte sich um eine Restaurierung, kontaktierte Auktionshäuser und Wissenschaftler wie Antonio Forcellino. Dieser will die Entdeckung nun in einem 2011 erscheinenden Buch ("The Lost Michelangelos") aufgreifen. Auch er sei anfangs skeptisch gewesen, als er auf Kobers Bitten hin in die USA flog, sagt Forcellino. Röntgen- und Infrarotuntersuchungen belegen allerdings, dass der Maler des Kunstwerks eine Serie von Veränderungen vornahm, so als habe er seine Absichten mehrmals gewechselt. Zudem gäbe es eine unvollendete Stelle am Knie, die nach Forcellino ebenso ein sicheres Indiz für die Originalität des Bildes ist: "Kein Auftraggeber in der Renaissance hätte für eine unfertige Kopie gezahlt".

Offenbar hat Michelangelo die Pietà 1545 für seinen Freund Vittoria Colonna angefertigt. Nach zwei römischen Kardinälen gehörte eine deutsche Baronin namens Villani zu den Besitzerinnen. Sie gab es schließlich ihrer Kammerfrau Gertrude Young, Schwägerin von Kobers Ururgroßvater. Deren Nachfahren dürfte es nun die Sprache verschlagen haben, als sie hörten, dass man vergleichbaren Michelangelos einen Wert von bis zu 300 Millionen Dollar zuspricht.