Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfehlen die art-Autorinnen Sünje Todt und Lena Radtke Schlingensief in Hannover, Stoffpenisse in Heilbronn und Naive Kunst als DVD-Tipp.
Die Tipps der Woche:Die fünf Tipps der Woche

Robert Signer: "Bürostuhl", 2006

Hannover: "KunstFestSpiele Herrenhausen"

Eine Mischung aus Kunst, Oper, Konzerten und Tanztheater: Das sind die "KunstFestSpiele" in den Herrenhäuser Gärten in Hannover.

Der Schweizer Künstler Roman Signer, der bereits auf der Biennale in Venedig und auf der Documenta 8 in Kassel vertreten war, verwandelt am 18. Juni im Rahmen einer Performance Tisch, Stuhl, Hubschrauber und Kajak in ein "skulpturales Ereignis". Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief, der für Deutschland auf der nächsten Biennale in Venedig zu sehen ist, stellt seine Idee des "Festspielhauses Afrika" vor. Wie das Ganze dann aussieht, kann man sich noch bis zum 27. Juni anschauen.

Berlin: "Der Augenoptiker auf der Invalidenstrasse Neunzig"

Anfangs war es das Ziel, möglichst unerkannt zu bleiben. Daraus wurde leider nichts. Mit ihrem Umzug wollten die Inhaber der New Yorker "Anti-Galerie" Fruit and Flower Deli, kurz FFD, dann nicht nur die Räumlichkeiten wechseln, sondern auch ihr äußeres Erscheinungsbild. Was liegt also näher, sich hinter der Fassade eines Optikers zu verstecken, nicht eines fiktiven, sondern eines real existierenden, dem Elridge Optician in New York. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, kommt nun eine dritte Ebene hinzu. Die Galerie DUVE in Berlin verwandelt sich bis zum 31. Juli in die New Yorker Galerie/Optiker und nennt das ganze dann: "Der Augenoptiker auf der Invalidenstrasse Neunzig". Im Schaufenster liegen Brillen des Designers Oscar Magnusons, der nicht zuletzt ein Modell für Lady Gaga entwarf. Passt dies noch ins Gesamtkonzept, folgen in der weiteren Ausstellung: Porzellan-Penisse von Rainer Ganahl und gemalte Masturbationsserien von Ylva Ogland.

Heilbronn: Andrea Pritschow "Toys Don`t Cry"

Gestreift, pink, grün, umgestülpt, groß und klein, Andrea Pritschow häkelt Penisse in allen erdenklichen Farben und Formen. Wie niedliche Spielzeuge stehen sie allein, in Gruppen oder von anderem Spielzeug umgeben da. Mit viel Humor verkehrt die Kölner Künstlerin Machtverhältnisse und Geschlechterrollen. Auch lassen sich Ihre Arbeiten als ironische Anspielung auf die Überpräsenz der Sexualität in den Medien und der Gesellschaft verstehen. Zu sehen sind die farbenfrohen Häkelpimmel noch bis zum 26. Juni in der Galerie Basementizid sowie im neu erschienenen Bildband "Cockpit".

Hamburg: temporary-concept-store "Steinbeisser"

"Wir möchten die Leute mit Dingen überraschen, die sie zuvor noch nicht gesehen haben", erläutert Jouw Wijnsma das Konzept des Projekts "Steinbeisser". Er ist einer der beiden Initiatoren, die 2009 in Amsterdam den temporären Laden erstmals eröffneten. Dabei handelt es sich nicht um ein konventionelles Geschäft. "Steinbeisser" ist vorrangig eine Plattform für internationale Künstler aus den Bereichen Design, Schmuck und Mode. Gekauft werden dürfen die Objekte natürlich auch, doch sollte man schnell zugreifen, denn in Hamburg ist der Concept-Store nur noch bis zum 31. Juli zu finden. Danach zieht er in eine andere Stadt weiter.

DVD-Tipp: "Séraphine"

Dass Séraphine Louis zu den wichtigsten Vertreterinnen der "Naiven Kunst" gehört, ist vielen nicht bekannt. Der Regisseur Martin Provost füllte diese Lücke mit einem Film über die französische Künstlerin. Und reüssierte: "Séraphine" gewann 2009 sieben César und entwickelte sich zum Publikumsliebling. In den Hauptrollen spielen Ulrich Tukur als Kunstsammler Wilhelm Uhde und Yolande Moreau als Séraphine. Der Plot ist schnell erzählt: Wir befinden uns im Jahr 1912, Uhde entdeckt durch Zufall, dass seine spröde Haushälterin Séraphine weitaus mehr Qualitäten besitzt als gedacht: Sie ist eine talentierte Malerin. Der Kunstmäzen, der unter anderem Pablo Picasso und Jean-Jacques Rousseau entdeckte, beginnt fortan damit die ungewöhnliche Künstlerin zu fördern. Im Juni ist der Film als DVD bei Arsenal erschienen.