Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Sünje Todt "Blondies" in Köln, russische Theoretiker in Frankfurt und "weiche" Comic - Helden in München.

Köln: Alexandra Bircken "Blondie"

In der kommenden Woche lockt die Art Cologne nach Köln. Abseits des Messegetümmels lohnt es sich, den Kölner Kunstverein zu besuchen, wo die Einzelausstellung "Blondie" der ehemaligen Atelierstipendiatin des Kölner Kunstvereins Alexandra Bircken zu sehen ist.

Die Skulpturen und Installationen der 1967 geborenen Kölner Künstlerin begeistern durch ihre Materialvielfalt: Haare, Wolle, Vintagekleidung, Beton, Alltagsgegenstände, Holz und Äste verwendet Bircken für ihre frei im Raum stehenden Skulpturen, Wandarbeiten und die von der Decke hängenden Objekte. Die Vermischung künstlicher und natürlicher Materialien verleiht den Arbeiten einen besonderen Reiz.
Bircken studierte am Central Saint Martins College of Art and Design, London, zuerst Kunst und dann Mode. Die von ihr entworfenen Kleidungstücke wurden mit der Zeit zu eigenständigen Objekten, die nicht mehr dem Zweck der Bekleidung dienten. So begann Bircken zunehmend künstlerisch zu arbeiten und genießt mit ihrer Kunst mittlerweile internationale Anerkennung.

Hamburg: Der 6. "Körber-Foto-Award" und Michael Schirner

"Der erste Schritt – Der Einzelne und sein Leben im System" lautet der Titel der begleitenden Ausstellung zum diesjährigen "Körber-Foto-Award", der bereits zum sechsten Mal vergeben wird. Der Förderpreis wird an junge Fotografen aus Deutschland verliehen. Eine Jury, deren Vorsitz Bernhard Prinz hat, suchte zehn Fotokünstler aus, die innerhalb eines halben Jahres eine Fotostrecke zu dem titelgebenden Thema erarbeitet haben. Die Position des Einzelnen in der Gesellschaft, des Individuums in der globalisierten Welt wird von den Künstlern auf subjektive und somit höchst unterschiedliche Weise aufgegriffen. Zu betrachten sind die Arbeiten von Anja Engelke, Katharina Gaenssler, Johanna Manke, Liza Nguyen, Julian Röder, Mona Simon, Andrzej Steinbach, Jan Stradtmann, Lorenz Straßl und Rivkah Young noch bis zum 30. Mai in den Deichtorhallen.
Bis zum 25. April ist dort ebenfalls die Ausstellung "Bye Bye" von Michael Schirner zu sehen. Im letzten Jahr gewann Schirner den "Lead Award" für die ersten fünf Bilder aus der gleichnamigen Serie, nun ist sie ganz zu sehen. Es handelt sich um Reproduktionen von Bildern mit grobem Raster, die uns bekannt zu sein scheinen, auch wenn die so genannten "Didigraphien" vom Künstler neu geschaffen wurden. Schirner entfernt das Raster einer Reproduktion eines Bildes, übermalt dieses digital und legt dann wieder ein Raster über das "neue" Bild. Er entnimmt seine Bilder aus Zeitungen, Filmen, Webung, Internet, Kunst und Fernsehen und setzt sich somit mit unserem kollektiven Gedächtnis auseinander.

Berlin: Kristof Kintera "A Bigger Problem Than Yours"

Aus mehreren Modellen unterschiedlicher Lampen ist die riesige Figur zusammengesetzt, die in ihrem eigenen Kabelwust steht. "My light in Your life", lautet der Titel der Skulptur. Kristof Kintera setzt Alltagsgegenstände zu Skulpturen zusammen, so dass ihnen eine neue Bedeutung gegeben wird. In seinen Arbeiten hinterfragt er die Möglichkeiten und die Rolle der Kunst auf teils humorvolle, teils kritische Weise. Kintera ist einer der bedeutendsten jungen Künstler Tschechiens. In der Galerie Jiri Svestka, Berlin ist seine Einzelausstellung "A Bigger Problem Than Yours" noch bis zum 22. Mai zu sehen.

München: "Die ersten Jahre der Professionalität 29"

Neue junge Talente aus München und Oberbayern lassen sich in der Galerie der Künstler entdecken, unter ihnen Ulla Reiter, 1979 in Bamberg geboren. Ihre Skulpturen sind von Comicfiguren aus der Konsumwelt beeinflusst. Die in dieser Welt gewalttätigen Helden entwickelt Reiter durch barocke Ornamente, veränderte Proportionen und einen bunten Mix aus unterschiedlichen Bezugsquellen weiter. Mythologische Gestalten, Weltraumfiguren, Bodybuilder und Märchenwesen nimmt Reiter auseinander und setzt ihre Einzelteile zu gigantischen Skulpturen zusammen. Dass diese Wesen keine Helden sind, ist nicht zuletzt durch deren Materialität bedingt. Der verwendtet Schaumstoff ist im Gegensatz zu der Kraft und Stärke, die die Comichelden vermitteln, ein weiches und vergängliches Material. Auch in der Szenerie der Gestalten untereinander wird auf ironische Weise deren Macht entkräftet. So drehen sie sich in der Installation "turn me on and on and on – beasty mistress fest. Body bunny" (2009) mit Peitschen bewaffnet um sich selbst.
Neben Ulla Reiter sind noch bis zum 7. Mai sieben weitere Künstlerinnen und Künstler zu sehen, die künstlerische Bandbreite ihrer Arbeiten umfasst Videoinstallationen, Zeichnungen, Skulpturen und Malerei.

Frankfurt: Heide Nord und Falke Pisano

Eine Ausstellung der Stipendiatinnen der Jürgen-Pronto-Stiftung zur Förderung junger Kunst ist vom 16. April bis zum 13 Juni im MMK Zollamt zu sehen.
Heide Nord, geboren 1980, setzt sich mit Malerei und Skulptur auseinander und fügt diese zu Installationen im Raum zusammen. Ihre Arbeiten sind teils abstrakt, teils figurativ und beziehen ihre Inhalte aus Anthropologie, Biologie, Kunstgeschichte, Musik und Popkultur. Ausgestellt ist eine Installation aus gemalten Bildern von Künstlern und Theoretikern meist russischer Abstammung. Nord studierte bei Beatrice von Bismarck an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Ihre Arbeiten entstehen aus einer großen Materialvielfalt, so integriert Nord beispielsweise Polster und Stäbe in ihre Bilder.
Die zweite Stipendiatin ist die 1978 geborene Niederländerin Falke Pisano. Sie beschäftigt sich mit abstrakten Objekten und interessiert sich an deren Veränderbarkeit durch Sprache. In ihren Videoarbeiten und Vortragperformances macht sie das Verhältnis zwischen Kunstwerk und Kunstbetrachter zum Thema, indem sie versucht, den Prozess der Wahrnehmung erfahrbar zu machen.

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