Klaus Staeck - ADAC

Ade AC

1989 rief der Karikaturist Klaus Staeck, heute Präsident der Akademie der Künste, zum Austritt aus dem ADAC auf, 1990 ließ der Automobilclub Staecks Buch aufkaufen und in einem Container im Keller verschwinden. Jetzt revanchiert er sich mit einer Grafik über den Club.

Herr Staeck, wie haben Sie erfahren, dass der ADAC Ihr Buch verschwinden ließ?

Ich habe es der Seite Drei der Süddeutschen Zeitung entnommen. Wir haben uns damals eingebildet, das Buch liefe gut. Dabei wurde es einfach aufgekauft. In der Reportage erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter, der ADAC habe in seiner Zentrale in München einen ganzen Container voll mit dem Buch im Keller aufbewahrt.

Ihr Buch "ADAC ade" erschien 1990. Sie hatten schon ein Jahr vorher zum Austritt aus dem Club aufgerufen, warum?

Der ADAC machte damals eine Kampagne gegen Tempo 100 auf der Stadtautobahn AVUS in Berlin mit der Behauptung, das letzte Stück Freiheit würde eingeschränkt. Wir waren natürlich für Umweltschutz und Tempolimit. Ich habe dann Günter Grass und Böll-Sohn René angesprochen. Gemeinsam haben wir den Aufruf zum Austritt aus dem ADAC in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht.

War die Kampagne erfolgreich?

Damals gab es neun Millionen Mitglieder, heute sind es 19 Millionen. Also Nein! Wir bekamen 1000 Durchschläge von Austrittserklärungen – für den ADAC leider eine verkraftbare Anzahl.

Wie kamen Sie von der Kampagne zum Buch?

Uns wurde damals viel zugetragen – genau die Dinge, die jetzt durch den Manipulationsskandal endlich auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Die Geschäftemacherei war damals schon dieselbe wie heute. Es war keine einzige Frau in der Vereinsführung. Es gab zwei Vereine – einen für das zahlende Volk und den ADAC Motorclub für die Spitze. Und er war einer der größten Veranstalter von Autorennen, zum Teil sogar durch Naturschutzgebiete.

Was hat ihr Buch bewirkt?

Ich habe damals zweimal im Fernsehen mit dem ADAC-Präsidenten diskutiert, der gleich mit dem Motorrad ins Studio gefahren kam. Als Schnapsfabrikant war er natürlich auch gegen Null-Promille. Wir haben dann eine breit angelegte Diskussion gestartet, so wie heute.

Wie erklären Sie den Erfolg des ADAC?

Es besteht ein Bedürfnis nach den gelben Engeln: Wenn ich mal verunglücke, helfen die mir. Die gelben Engel sind so im deutschen Bewusstsein verankert, dass niemand sie schwarz werden lässt. Obwohl es ja Alternativen wie den ACE und den VCD gibt, die genau den gleichen Schutzbrief bieten. Aber Politiker und Medien haben schließlich Angst vor dem ADAC.

Ihr Buch ist wie gesagt in den Kellern des ADAC vergraben worden – denken Sie darüber nach, es jetzt als Ebook oder PDF nochmal zu veröffentlichen?

Man bekommt es heute tatsächlich nicht mehr, die waren wirklich gründlich! Für das Ebook werde ich meinen Verleger fragen.

Wie sehr überrascht Sie die Austrittswelle? "Spiegel Online" meldete gerade 280 000 Austritte.

Bei der gigantischen Zahl verbleibender Mitglieder besteht die Gefahr, dass sich beim ADAC dennoch nichts ändert. Wichtig ist, dass die öffentliche Diskussion über die Praktiken des Autoclubs nicht nachlässt.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete auch, dass der ADAC seit Jahren in Umfragen und Analysen herausbekommen hat, dass seine eigenen Mitglieder in der Mehrheit für ein Tempolimit sind. Glauben Sie, dass mit dieser Erkenntnis in Deutschland doch noch eine Geschwindigkeitsbegrenzung kommt?

Die Allmacht des ADAC scheint gebrochen. Deshalb sollte jetzt die Chance zur Einführung eines Tempolimits endlich genutzt werden.

Staecks Grafik zum Download

Die Grafik kann hier exklusiv für art-Leser als PDF runtergeladen werden