Durch den Monat mit: - Erwin Wurm

Vom Cockerspaniel lernen

In unserer neuen Serie präsentieren Kunstprofis jeden Monat ihre persönlichen Höhepunkte. Diesmal: Der Künstler Erwin Wurm.
Vom Cockerspaniel lernen:Die Kunsthöhepunkte von Erwin Wurm

Erwin Wurm: "Künstler des Jahres 2007", 2007 – aktuelle Ausstellung (bis 31. Januar) im Lenbachhaus München

Wenn ich Ausstellungen vorbereite, versinke ich in meiner Arbeit und komme kaum dazu, mir anderes anzusehen. Ich habe ein Atelier auf dem Land, gehe zwischendurch baden, mit meinem Cockerspaniel spazieren und dann wieder arbeiten. So vergeht der Sommer, und im Herbst hole ich dann alles nach. Zur Moskau-Biennale fahre ich, die der von mir sehr geschätzte Jean-Hubert Martin kuratiert hat. Moskau ist eine wilde Stadt: Reich und Arm und Altkommunisten und Neukapitalisten, da sieht man alles Mögliche.

Ich reise viel herum und gucke mir Kunst an. Es ist schon vorgekommen, dass ich wegen eines ein­zigen Bildes nach London geflogen bin: Jan van Eycks Arnolfini-Hochzeit in der National Gallery – und dann war die zufällig gerade verliehen! Messen besuche ich ungern, da ist mir zu viel Trubel. Und als Künstler ist man da nur noch die Kirsche auf dem Eis. Da geht es eher um andere Dinge: Geschäfte, Partys …

"Wie sich Oehlen so schlägt mit dem Älterwerden"

Zur Frieze nach London werde ich wohl trotzdem fahren, denn da wird wahrscheinlich eine Großskulptur von mir gezeigt. François Pinaults neues Haus in Venedig werde ich mir aber wahrscheinlich nicht ansehen. Da geht es doch pri­mär um teure Kunst, und alles ist so schrecklich wichtig. Mir fehlen da die zyni­scheren Positionen. Dafür schätze ich Künstlerinnen wie Ceal Floyer sehr, deren Arbeiten in Berlin gezeigt werden: die Zurückhaltung, das Marginale, einen sub­versiven und zum Teil auch kritischen Minimalismus. Von Rogier van der Weyden, auf den ich bei meinen Reisen immer wieder gestoßen bin, möchte ich in Leuven gern einmal ein größeres Konvolut anschauen. Bei Thomas Demand (in Berlin) bin ich neugierig, neue Arbeiten zu sehen. Und von Albert Oehlen, der genauso alt ist wie ich, will ich in Paris mal wissen, wie er sich so schlägt mit dem Älterwerden.

Bei Dan Graham (in New York) bin ich mir nicht sicher: Da habe ich zuletzt immer wieder das Gleiche gesehen. Ich finde es wichtig, dass man die ei­gene Arbeit immer weitertreibt, etwas riskiert und das Machen spannend und mit Freude verbunden bleibt. Wenn das einmal weg ist, ist es bloß noch zum Gäh­nen. Schließlich lockt mich ein Titel nach Kraichtal: Cocker Spaniel and Other Tools for International Understanding. Von meinem habe ich unter anderem gelernt, dass Cockerspaniel große Stinker sind. Aber ich liebe ihn trotzdem.