Sammlung Jägers - Prozess

Wir wünschen Ihnen viel Freude

Mit der Aussage von Otto Schulte-Kellinghaus wurde im Kölner Kunstfälscherprozess der Geständnisreigen abgeschlossen. Nach der romantischen Selbstdarstellung der Beklagten ging es am fünften Verhandlungstag darum, den eher prosaischen Teil des bandenmäßigen Betrugs zu klären. Dabei kam auch ans Licht, dass Burkhard Leismann, Direktor des Kunstmuseums Ahlen, bereits im Jahr 2000 ein stattliches Darlehen von Schulte-Kellinghaus erhalten hatte.
Schulte-Kellinghaus sagt aus:Beltracchi setzt sich weiter in Szene

MIt Otto Schulte-Kellinghaus (rechts, mit Weste) ist der Reigen der Geständnisse vorerst abgeschlossen

Wegen der Verspätung eines Anwalts begann der Prozesstag denkbar zäh. Der Vorsitzende Richter ergriff pflichtschuldig die Gelegenheit, Beschlagnahmungsprotokolle und Polizeiberichte zu verlesen und ratterte gebetsmühlenartig Schweizer und andorranische Kontobewegungen herunter. Immerhin sorgte das Begleitschreiben an den Käufer eines gefälschten Gemäldes kurzfristig für Heiterkeit. Die Galerie Henze & Ketterer gratuliert zum Erwerb des exzellenten Werks und schließt: "Wir wünschen Ihnen viel Freude."

Wenig Freude scheint bislang die Staatsanwaltschaft mit den Geständnissen zu haben. Sie ließ durchblicken, dass sie die Voraussetzungen für den in Aussicht gestellten Handel noch nicht erfüllt sieht – und das, obwohl die Zahlung von gut 960 000 Euro von einem Schweizer Konto der Eheleute Beltracchi mittlerweile angewiesen ist. Auch die Aussage von Otto Schulte-Kellinghaus dürfte sie nicht vollends zufriedenstellen. Der 68-Jährige gestand zwar durch seinen Anwalt ein, für Maklerdienste jeweils eine 20-prozentige Provision auf den Verkaufspreis erhalten zu haben, blieb aber dabei, ein eher kleines Licht zu sein. Er habe sich auf den Betrug eingelassen, weil ihn die Kunstszene schon immer fasziniert habe und er gehofft habe, mit bedeutenden Menschen in Kontakt zu kommen. Das ergaunerte Vermögen sei ihm nur so durch die Hände geronnen, unter anderem weil er zahlreiche Künstler und Musiker unterstützt und selbstlos hohe Beträge verliehen haben will, die er niemals wiedersah.

Nur ein Bruchteil des Ausmaßes bekannt

Zu den Nutznießern dieser Wohltätigkeit zählt offenbar auch Burkhard Leismann, Direktor des Kunstmuseum Ahlen, der im Jahr 2000 entweder 150 000 Euro (laut Schulte-Kellinghaus) oder 350 000 Euro (laut Polizeibericht) erhielt. Gegen Leismann, bei dem zwei Gemälde der Fälscherwerkstatt beschlagnahmt wurden, laufen derzeit gesonderte Ermittlungen. Schulte-Kellinghaus stimmte in den allgemeinen Chor der Beklagten ein, der Kunstmarkt habe es ihnen unglaublich leicht gemacht, und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass ihm noch einige Lebensjahre in Freiheit vergönnt sein mögen. Damit war die romantisierende Selbstdarstellung der Fälscherbande abgeschlossen.
Nach der Mittagspause machten sich Gericht und Staatsanwaltschaft daran, die prosaischen Fakten des Kriminalfalls aufzuklären. Dabei wurde noch einmal deutlich, dass nur ein Bruchteil der Fälschungen tatsächlich vor Gericht verhandelt wird. Schon in den achtziger Jahren haben Wolfgang Beltracchi und Schulte-Kellinghaus die Sammlung Knops erfunden und "Bilder vertickt", wie es der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer formulierte. Außer den Beklagten, den betroffenen Händlern und vielleich einigen Käufern weiß derzeit niemand, wieviele weitere Fälschungen sich in Museen und Sammlungen befinden.

Geständnis im Plauderton

Es darf bezweifelt werden, dass einer von ihnen ein Interesse hat, etwas daran zu ändern. Ansonsten entspann sich unter der Leitung des leutseligen Kremer ein gelegentlich mit raffinierten Fragen gewürztes Plauderstündchen, das Wolfgang Beltracchi erneut Gelegenheit bot, sich in Szene zu setzen. Auf seine Produktionszahlen angesprochen, erwiderte er, selbst für 1000 falsche Bilder hätte es einen Markt gegeben, und als es ums liebe Geld ging, traf er das Publikum ins Herz. Er und seine Frau hätten keinesfalls auf großem Fuß gelebt und blindes Vertrauen in die Vermögensverwaltung ihrer Bank gehabt. "Aus drei Millionen wurden da ganz schnell mal 1,5 Millionen", sagte er, und hatte die Lacher auf seiner Seite. Offenbar ist selbst der gewiefteste Kunstfälscher gegen seinen Bankberater ein Waisenknabe.

Ermittlungen gehen weiter

Über den Verbleib des Vermögens ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen. Doch da die Kontoauszüge der Beltracchis tatsächlich Minusbeträge ausweisen und auch das Guthaben einer panamaischen Scheinfirma mittlerweile abgewickelt wurde, muss die Staatsanwaltschaft wohl akzeptieren, dass von der Millionenbeute nicht mehr viel übrig ist. Stattdessen könnte sie auf Aussagen zu möglichen Komplizen und in den Betrug verstrickten Dritten drängen. Gegen drei Personen wird noch ermittelt. Einer ist Burkhard Leismann, der zweite vermutlich Werner Spies. Über ihn heißt es im Polizeibericht mehrmals: "…soll mit Wolfgang Beltracchi befreundet sein."