Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: viel Buntes zu Ostern, Kinder als Künstler und eine große Retrospektive von Zoe Leonard.

Kiel: Tal R. – "You laugh an ugly laugh"

Als "Kolbojnik", was im Kibbuz-Slang soviel wie Abfalleimer bedeutet, bezeichnet der 1967 in Tel Aviv geborene Künstler Tal R. seine Arbeiten. Scheinbar willkürlich verdichtet er Farben, Formen und Materialen wie Kürbisse oder Kronkorken zu Skulpturen, während es an anderer Stelle auch mal eine auf Hochglanz polierte Ente sein darf. Neben diesen Objekten sind außerdem Collagen, Fotografien, Zeichnungen und insbesondere Malerei Teil der umfassenden Werkschau, welche die Kunsthalle Kiel dem Künstler bis zum 7. Juni ausrichtet. Hinter dem vordergründigen Chaos der oft humorvollen Arbeiten stecken ein ausgeklügeltes Konzept und eine wissenschaftliche Präzision in der Arbeitsweise, die über eine rein expressive Kunst hinausgeht.

München: Zoe Leonard

Die Pinakothek der Moderne stellt das Werk der US-amerikanischen Fotokünstlerin Zoe Leonard (geb. 1961) ab dem 2. April in einer doppelten Premiere vor: Die Ausstellung, die noch bis zum 5. Juli gezeigt wird, ist nach zwei Documenta-Teilnahmen die erste große Einzelschau der New Yorkerin in Deutschland. Mit 120 Fotografien aus 25 Jahren Schaffenszeit ist sie dazu auch gleich ihre erste europaweite Retrospektive. Zu sehen sind unter anderem Bilder ihres Langzeitprojekts "Analogue", das sie über ein Jahrzehnt lang von der Lower East Side Manhattans nach Europa und Afrika geführt hat, wo sie die Überbleibsel des industriellen Zeitalters mit archäologischem Eifer dokumentierte. Analog, versteht sich. Ihr oft von Gegensätzen geprägter Stil spiegelt die Kämpfe wider, die Leonard auch thematisch aufgreift. Es sind die Kämpfe des Menschen gegen die Natur, seine Geschichte oder die eigene Sexualität.

Berlin: Zeughausmesse

Im Historischen Museum in Berlin ähnelt am Osterwochenende bestimmt kein Ei dem anderen. Denn die Zeughausmesse hat sich hier den Kampf gegen Massenproduktion, kurzlebige Trends und dem damit verbundenen Einerlei von Gebrauchsgegenständen, Kleidung und Accessoires auf die Fahnen geschrieben. Vom 9. bis zum 13. April zeigen rund 75 Aussteller aus ganz Deutschland, die von einer Jury ausgewählt wurden, unter anderem Papierobjekte, Schmuck, Holzskulpturen und Möbelunikate. Wie jedes Jahr konzentriert sich auch diese Frühjahrschau auf einen Schwerpunkt: Diesmal gibt es eine Sonderausstellung zu Glasarbeiten. Neu ist, dass als besonderer Besucherservice auch Führungen angeboten werden.

Kassel: "Pawel Althamer – Frühling"

Die Liste der Künstler, die an der Ausstellung "Frühling" mitgewirkt haben, ist lang: Mehrere hundert Kinder hat Pawel Althamer (geb. 1967) zu seinem Großprojekt eingeladen und sie dazu animiert ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Damit knüpft der polnische Künstler an seine Vorgängerarbeiten an, in denen er selbst hinter einer multiplen Autorenschaft zurücktrat und meist unterprivilegierte Gruppen, wie Obdachlose oder Emigranten, zu den Hauptakteuren machte. So wird bei Althamer der Entstehungsprozess zum eigentlichen Werk erklärt, bestehende Kunstkonventionen und -erscheinungen wie die des Künstlerstars werden aufgebrochen. Als Frühjahrsputz in der Kunst könnte man vielleicht am passendsten die Wirkung beschreiben, die die Aktion haben soll. Und wo lassen sich neue Sichtweisen und unvoreingenommene Ideen eindringlicher erproben als in dem geschichtsträchtigen Kasseler Fridericianum, einem der ältesten Ausstellungshäuser Deutschlands? Einen ganzen Frühling lang, bis zum 21. Juni, können Ritterburg, Horrorkabinett und an den Decken hängende Möbel besichtigt werden – auch von Erwachsenen.

Koblenz: Paul Schwer

Schwebende Möbelstücke sind auch in Koblenz zu sehen, wo das Ludwigmuseum im Deutschherrenhaus noch bis zum 3. Mai Raumarbeiten von Paul Schwer (geb. 1951) zeigt. Das Werk des ehemaligen Mediziners zeichnet sich durch die Elemente Licht, Bewegung und Farbe aus. Ausgehend von der Malerei, erweitert er diese mithilfe von Leuchtstoffröhren und Plexiglas zu raumumspannenden Objekten, die sich an mancher Stelle zu sternbildartigen Installationen verbinden. Darüber hinaus wird Schwer außerhalb des Museums an der historischen Mauer des Deutschen Ecks eines seiner sogenannten "Bautafel-Paintings" realisieren, bemalte und gebrannte Platten, die in Kombination mit Leuchtstoffröhren auf einfachen Baugerüsten angebracht sind.