Szpilman Award 2008 - Kunstpreis

Ein Preis für (fast) nichts

Der Szpilman Award belohnt ephemere Kunstwerke aus aller Welt – die diesjährige Siegerin Kamila Szejnoch bekommt 200 Zloty, darf zehn Tage nach Polen fahren und sich einen potthässlichen Pokal ins Regal stellen.

Kunstpreise gibt es en masse. Mal sind sie nur für die Ehre, wie der Kaiserring im Harzstädtchen Goslar, meistens gibt es weniger oder auch mehr Geld – beim Turner Prize der Londoner Tate Gallery darf sich der Sieger über rund 20 000 Euro freuen, gar 50 000 Euro kriegt der Gewinner des Kunstpreises der Berliner Nationalgalerie, und satte 100 000 Euro stauben die Glücklichen ab, die mit dem Preis von Hugo Boss oder dem Praemium Imperiale der Japan Art Association ausgezeichnet werden.

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Da werden meist Arbeiten gekürt, die in einem Museum ausgestellt, angekauft und einer ständigen Sammlung einverleibt werden können. Ausnahme: Martin Creed erhielt 2001 den Turner Prize für einen leeren Raum, in dem ein einsames Licht an- und ausging. Für derlei ephemere Kunstwerke – und zwar nur für diese – gibt es den Szpilman Award, den die gleichnamige deutsche Künstlergruppe (Absolventen der Kunsthochschule Offenbach) ins Leben gerufen hat. Der Preis ist verbunden mit einem zehntägigen Aufenthalt in Cimochowizna in Polen (für Detailversessene: liegt im Distrikt Gmina Suvalki im Nordosten von Polen), der Gewinner bekommt außerdem einen potthässlichen Pokal ("Challenge Cup") und den Jackpot, der zur Zeit 200 Zloty (knapp 52 Euro) enthält.

Dieser sympatisch-bescheidene Preis ist beliebt. Zur sechsten Ausschreibung meldeten sich immerhin 298 Künstlerinnen und Künstler, und die kommen nicht nur aus nahezu allen europäischen Ländern inklusive Russland, sondern auch aus den USA, aus Israel, dem Libanon, aus Japan, Kanada, von den Philippinen, aus Indien, Singapur und Australien.

Als Siegerin darf Kamila Szejnoch aus Polen den Pott nach Hause tragen und 200 Zloty verprassen – sie installierte für kurze Zeit eine Schaukel am pathetisch ausgestreckten Arm des riesigen Bronzesoldaten eines Kriegerdenkmals in Warschau.

Die Libanesin Giorgina Choueri druckte menschliche Gesichter auf Kartoffeln, die wuchsen, keimten und verfielen. Julia Dick aus Deutschland ahmte die Gestik von Bundeskanzlerin Angela Merkel während einer Wahlkampagne nach. Sai Hua Kuan (Großbritannien) zeichnet schwarze Linien in weiße Räume, Kate Mitchell (Australien) sägt Löcher in Fußböden und bezieht sich damit auf Comics, und Christopher Richmond aus den USA bemalte den blauen Himmel über dem Dach eines Apartmenthauses mit himmelblauem Farbspray.

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