Woodstock-Museum

Bethel Woods

Hippies im Museum
Einsteigen, bitte: Einmal in die Flowerpower-Ära und zurück (The Museum at Bethel Woods)

HIPPIES IM MUSEUM

Woodstock ist das legendärste Musikfestival der Welt – und wurde zum Höhepunkt der US-amerikanischen Hippiebewegung. Obwohl nur 60 000 Besucher erwartet wurden, pilgerten rund eine halbe Millionen Menschen in das US-amerikanische Dorf Bethel im Bundesstaat New York. Ein neues Kultur- und Veranstaltungszentrum mit Freilichtbühne und Museum lässt die Flowerpower-Ära noch einmal aufleben.

Die gute Nachricht vorweg: Viele von denen, die damals dabei waren, kommen heute günstiger rein. Das Woodstock-Museum in Bethel Woods, gut 90 Auto-Minuten nördlich von New York, gewährt Senioren ab 65 einen Nachlass; 11 statt 13 Dollar.

Immerhin dürfte ein nicht unbedeutender Teil der nahezu 500 000 mehr oder minder blumenbewegten Menschen, die sich am 15. August 1969 zu dem eigentlich nur auf drei Tage angelegten Musikfestival auf einem abgelegenen Farmgelände nahe dem kleinen Ort Bethel bei Woodstock einfanden, diese Altersgrenze inzwischen bald erreicht haben. Ebenso die Künstler: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Joan Baez, The Who, Joe Cocker und all die anderen – soweit sie überhaupt noch leben.

Doch was wiegt das Geld von heute angesichts des historischen Hippie-Happenings von damals? Viel, meint zumindest Darrel Supak, Chef der Firma Granite Associates, des kommerziellen Arms der Gerry-Stiftung, die das Museum initiiert, und den 100-Millionen-Dollar-Bau drum herum auch größtenteils bezahlt hat. "Wir leben hier in wirtschaftlich schweren Zeiten", sagt er der Zeitung "Times Herald-Record". "Unser größtes Kapital im Sullivan-Bezirk ist der Veranstaltungsort des original Woodstock-Konzerts."

Bunt bemalte VWs, Protestplakate und Blumenkränze

Und dieses Kapital arbeitet: Neben dem eigentlichen Museum wurde auf mehreren hundert Hektar schon in den vergangenen Jahren gleich noch ein ganzes Kultur- und Veranstaltungszentrum mit Platz für Hotels und andere Gewerbe aus dem Boden gestampft. Eine Freilichtbühne fasst 15 000 Zuschauer. Auf dem Programm stehen in diesem Sommer Stars wie Cyndi Lauper, Ringo Starr, Steely Dan und die New Yorker Philharmoniker. Auch Bob Dylan, der 1969 zwar nahe Woodstock lebte, beim Festival jedoch nicht auftrat, und die Woodstock-Veteranen Arlo Guthrie und Richie Havens waren schon dort. Seit Anfang Juni – gut ein Jahr vor dem 40 Jahrestag – hat nun auch des Woodstock-Museum geöffnet. Steigende Besucherzahlen und neue Jobs im Bezirk zeigten, dass der Plan funktioniert, sagt Supak.

Doch das Museum hat auch etwas zu bieten: Umfassend und multimedial wird der Besucher in die Zeit von Love, Peace and Harmony zurückversetzt. Umfangreiches Bild- und Tonmaterial soll einen Eindruck geben nicht nur von dem Kult-Festival, sondern von der gesamten Zeit der Hippiebewegung und ihrem Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung. Bunt bemalte VWs sind natürlich ebenso zu sehen wie Protestplakate und Blumenkränze. Und im Hintergrund schreit die Gitarre von Jimi Hendrix das legendäre "Star-Spangled Banner" – seine Interpretation der US-Nationalhymne, in der die Woodstock-Besucher damals die fallenden Bomben in Vietnam hören konnten.

Zahlreiche Artefakte, die Bürger der Gegend nach dem sagenumwobenen Wochenende gesammelt oder einfach nur aufbewahrt hatten und nun dem Museum zur Verfügung stellten, runden die Ausstellung ab. Auf Zettel handgekrizelte Nachrichten zum Beispiel, die sich Festivalbesucher schrieben, als es noch keine Handys und SMS gab – "The Times They Are a-Changin'", sang Bob Dylan damals. Wechselnde Ausstellungen ergänzen das Museumsangebot.

"Wir sind doch noch immer hier"

"Jede Menge Dinge passierten in der 60ern, und wir leben noch immer mit dieser Hinterlassenschaft", sagt Museumsdirektor Wade Lawrence. Bei der Gestaltung der Ausstellung mit ihren auch politischen Themen habe man meistens versucht, einen neutralen Standpunkt einzunehmen. An manchen Punkten wolle man aber auch die Besucher provozieren, selbst Stellung zu beziehen. "Das war doch die Erfahrung von Woodstock: Die Herausforderung, freundlich zu seinen Mitmenschen zu sein, aber auch die Welt zu verändern."

Alt-Hippie und Woodstock-Teilnehmer Duke Devlin, der damals gleich in Bethel geblieben ist und heute Besucher durch die Anlage führt, findet den Begriff Museum eigentlich unpassend. Für ihn sei es eine "Zeitmaschine". "Es soll vorbei sein?", fragt der 65-Jährige, der mit Tattoo, weißem Rauschebart, Schirmmütze und dunkler runder Sonnenbrille authentisch wirkt, in der "New York Times". "Wir sind doch noch immer hier und reden darüber." Eine ganze Reihe Themen von damals seien auch heute noch aktuell: "Wir haben einen Krieg, wird haben die Bürgerrechte und die Frauenthemen."

Ob es heute noch einmal zu einem Woodstock kommen könne? – Für Devlin, der auch ausländischen Fernsehteams wie dem der britischen BBC gerne Rede und Antwort steht, nicht ausgeschlossen. Die Kids von heute hätten doch dieselben Probleme wie sie damals: "Wir waren angewidert und hatten es satt, dass wir angewidert waren und es satt hatten." Zum Abschied hebt er die Hand mit den zum Victory-V gestreckten Fingern: "Peace, man!"

Martin Fischer, dpa

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