Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit Kraftwerk-Robotern, philosophischer Objektkunst und dem Untergang Japans in einem Manga

WIEN: Japan sinkt!

Was passiert, wenn ein hochtechnisiertes Land wie Japan in 322 Tagen untergeht, konnten die Japaner von 2006 bis 2009 in der beliebten Manga-Serie "Nippon Chinbotsu" wöchentlich mitverfolgen.

Basierend auf dem Roman von 1973 und den Science-Fiction-Verfilmungen zeichnete der international bekannte Manga-ka (Zeichner) Ishiki ein Manga in grafischer Qualität, das in visueller Ästhetik sowohl die ungezähmte Natur mit ihren Erdbeben und der Zerstörung ganzer Städte erfasst, als auch die betroffenen Menschen. Ein Happy End gibt es zwar nicht, dafür ist die neue Kunstform Manga das ideale Medium für einen Endzeitepos, wie die Ausstellung beweist.

Die Ausstellung "Nippon Chinbotsu. Japan sinkt! Ein Manga" ist vom 16. Januar bis zum 21. April im Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien zu sehen. Eröffnung am Dienstag, 15. Januar um 19:00 Uhr.

KÖLN: Die verstörende Unbegrenztheit des Körpers

Anna Lena Grau hat sich durch ihre mit philosophischen Ansätzen behaftete Objektkunst einen Namen gemacht. Sie stellt abstrakte Glasobjekte her, verschafft geometrischen Gitterstrukturen mit schwebenden Gipsbinden eine unbeschwerte Leichtigkeit und fertigt Bronzeabgüsse von Maulwurfshügeln. In ihrer Ausstellung "Halbzeug" beschäftigt sie sich mit der Frage, ob Verworfenes durch feste Kontur zur Kostbarkeit wird, wenn die Unbegrenztheit eines Körpers als verstörend gilt. Passend dazu ist ihr persönlicher Held "Orlando" von Virginia Woolf, also jene literarische Figur, die zwischen dem Mann- und Frausein wandelt und somit den Körper ebenfalls in seiner Unbegrenztheit begreift.

Die Ausstellung "Anna Lena Grau – Halbzeug" ist vom 11. Januar bis zum 23. Februar in der Thomas Rehbein Galerie in Köln zu sehen. Vernissage am Freitag, 11. Januar um 18:00 Uhr.

DÜSSELDORF: Kraftwerk Roboter

Seit 20 Jahren dokumentiert Peter Boettcher die Auftritte von "Kraftwerk", den Pionieren der elektronischen Musik, und erfasst in seinen Fotografien die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. "Es fühlt sich gut an, Teil der Maschine zu sein," sagt Kraftwerk-Mitbegründer Ralf Hütter. "Es ist ein befreiendes Gefühl. Auch weil ich mich selbst als Individuum zurückstelle. Wir spielen die Maschinen und die Maschinen spielen uns." Parallel zur Konzertreihe von Kraftwerk zeigt die Ausstellung, welche Kraft und Klarheit Boettchers Fotografien auch ohne die Musik entfalten, einen gar zweimal hinsehen lassen, um zu überprüfen, ob sie Mensch oder Maschine abbilden – getreu dem Songtext: "Wir sind die Roboter."

Die Ausstellung "Kraftwerk Roboter – Fotografie Peter Boettcher" ist vom 12. bis zum 30. Januar im NRW Forum in Düsseldorf zu sehen. Eröffnung am Freitag, 11. Januar um 18:30 Uhr.

BERLIN: Das neue Zeitalter

Bereits 1873 benannte der italienische Geowissenschaftlicher Antonio Stoppani das neue Zeitalter "Anthropozän". Das Zeitalter des Menschen – denn nie zuvor vermochte es eine einzelne Spezies die Welt und somit die Natur derart grundlegend zu verändern. Der Mensch formt die Natur, und doch sind Mensch und Natur eins, erfährt man im Haus der Kulturen der Welt auf fünf Erzähl- und Diskussions-"Inseln", die thematisch in Perspektiven, Zeiten, Gärten, Techné und Oikos (Ökologie und Ökonomie) unterteilt sind. Dazu wird ein sensorisches Experiment von einer Metabolic Kitchen, also einer dem Stoffwechsel angepassten Küche inszeniert.

"Das Anthropozän-Projekt. Eine Eröffnung" findet vom 10. bis zum 13. Januar im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt. Weitere Veranstaltungen des Anthropozän-Projektes finden bis zum 31. Dezember 2014 statt.

MÜNSTER: Schnecken in einem muslimischen Viertel verkaufen

Das türkische Sprichwort bezieht sich auf das Paradoxon etwas anzubieten, wofür es eigentlich keine Nachfrage gibt. Auch Kunst kann in diesem Sinne eine Schnecke sein und Deutschland der entsprechende Markt. Am "Stammtisch" im lokalen Brauhaus Pinkus Müller diskutieren daher Künstler wie der aus New York und Istanbul stammende Burak Arikan, dessen Kunst in Form komplexer Netzwerke mit sozialen, ökonomischen und politischen Hintergründen dem einer abstrakten Maschine gleicht, und die Künstlerin Ayse Erkmen, die mit ihren Skulpturen, Objekten und Installationen 2011 die Türkei auf der 54. Biennale di Venezia vertrat, über die Rolle der Institution "Kunstverein" als Motor einer produktiven Interaktion von Kunst und Publikum.

Die Stammtischrunden "Selling Snails In The Muslim Neighborhood" vom Westfälischen Kunstverein finden vom 10. bis zum 12. Januar im Brauhaus Pinkus Müller in Münster statt.