Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit zu Kunst transformierten Überresten, farbenfrohen Zwillingen mit dunklem Innenleben und poetischen Fotografien einer bildgewaltigen Neuinterpretation von Madame Butterfly.
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Michel Comte: "The Girl from Nagasaki", 2012

Berlin: Michel Comte

Michel Comtes Foto der nackten Carla Bruni aus ihren Tagen als Supermodel löste 2008 einen Skandal aus. Ästhetisch gesehen eine gelungene Fotografie: schlicht, schön, besonders und gewiss nicht obszön.

Doch war Bruni kurz zuvor an der Seite von Nicolas Sarkozy zur französischen First Lady geworden und ein Aktfoto, selbst ein stilvolles, daher politisches Thema. Und auch Comte, der bereits Ende der siebziger Jahre durch Karl Lagerfeld bekannt geworden war, auf einmal noch bekannter als zuvor. Als Mode-, Porträt- und Societyfotograf hatte er schon Stars wie Jeremy Irons mit Monokel, Vanessa Paradis mit Elefanten, Anthony Hopkins ungewohnt machohaft in einer Limousine, Nadja Auermann in sexy Pose oder Boy George ungewöhnlich elegant vor der Kamera. Die Ausstellung "Michel Comte" in der Galerie Camera Work zeigt neben diesen berühmten Aufnahmen Comtes neuestes Werk: anmutige und poetische Fotografien, die 2012 im Rahmen der Dreharbeiten zu seinem Kinofilm "The Girl from Nagasaki" entstanden – eine moderne Adaption von Puccinis "Madame Butterfly".

Die Ausstellung "Michel Comte" ist bis zum 1. Juni in der Camera Work Photogalerie in Berlin zu sehen.

Berlin: Tote Lebendigkeit

Betrachtet man die Bilder von Eckart Hahn, glaubt man erst Skulpturen vor sich zu haben, die vor einen gemalten Hintergrund gesetzt sind oder gemalte Figuren, die auf realen Objekten sitzen. Gerade diese verschiedenen Bildebenen machen den Reiz der hyperrealistischen Arbeiten des deutschen Künstlers aus, die auf den ersten Blick fröhlich erscheinen und erst auf den zweiten Blick düstere Untertöne offenbaren. So wirken die Tiere in seinen Arbeiten wie ausgestopft und nicht lebendig und ist der Tod als eine eigene Realität stets erkennbar. Entsprechend ist der Ausstellungstitel gewählt: "Asphodeliengrund", ein Teil der griechischen Unterwelt, in der mythische Blumen wachsen und die Schatten der Toten hausen, ehe sie sich verflüchtigen.

Die Ausstellung "Eckart Hahn – Asphodeliengrund" ist vom 17. März bis zum 20. April in der Galerie Wagner+Partner in Berlin zu sehen. Die Eröffnung findet am 16. März um 19 Uhr statt.

Herford: Ungleich gleiche Zwillinge

Ihre Köpfe sind kahl, ihre Gesichter stark geschminkt, ihre Kostüme zumeist pink – Eva & Adele, die sich als Zwillingsidentitäten ausgeben und als lebendiges Kunstwerk begreifen. Biografisch geben die beiden, die seit 1989 auf Ausstellungen und Vernissagen in der Öffentlichkeit auftreten, nicht viel mehr über sich preis als ihre Körpermaße. Da man schließlich auch bei nicht-lebendigen Kunstwerken oft nicht mehr als den Titel und die Maße in Zentimetern kennt. Mit ihrer Kunst jedoch, die abseits ihrer bunten und fröhlichen Auftritte in der Öffentlichkeit entsteht – Bilder, Fotografien und Videos – offenbaren sie mehr von sich selbst. Die Schattenseite der Farbe Pink gewissermaßen. Den juristischen Kampf um Evas Anerkennung als Frau etwa oder die Anzeichen einer niemals abgeschlossenen Identitässuche. Das Marta Herford zeigt rund 200 Bilder und neun Kostüme des Berliner Künstlerpaares.

Die Ausstellung "Eva & Adele – Obsidian" ist bis zum 26. Mai im Marta Herford zu sehen.

Berlin: Wiederverwertet

Gefundenes Holz, benutztes Porzellan, zerbrochene Spiegel, altes Metall. In der Gruppenausstellung "Re-Made // Re-Used" im jungen Projektraum REH Kunst verwenden Künstler Altgedientes, um Neues entstehen zu lassen. Weggeworfene und gebrauchte Materialien und Gegenstände werden zu Skulpturen, Tableaus oder Objekten umgearbeitet, die zweckentfremdet aus ihrer alltäglichen Wirklichkeit entrissen werden. "Das Leben schmeißt uns einen großen Haufen von Überresten hin, und wir sind herausgefordert, etwas daraus zu machen", sagt die "documenta13"-Künstlerin Madeline Stillwell, deren Arbeiten als Metapher des Lebens gesehen werden können. Beim dänischen Bildhauer und Maler Lars Bjerre hingegen ist eine neue Ästhetik bedeutender: Mit einer gehäkelten Ummantelung werden seine Saugglocken zu farbenfrohen Kunstobjekten.

Die Ausstellung "Re-Made // Re-Used" ist vom 14. bis zum 23. März in der REH Kunst in Berlin zu sehen.

Salzburg: Stadt/Land

New York, Maine. Stadt, Land. Moderne und Licht. Alex Katz, der 1927 als Sohn russischer Emigranten in Brooklyn geboren wurde, vereint in seinen Bildern die Moderne New Yorks und das Licht Maines. Die beiden Orte, in denen er seit den fünfziger Jahren lebt und arbeitet, sind ihm Inspirationsquelle und Lebensphilosophie. Während in seinem Malstil die harten Linien, die Hektik und das Künstliche der Großstadt miteinfließen, ist es vom Land die Natur in all ihren Facetten. Auch seine Porträtbilder sind von diesen kontrastreichen Orten beeinflusst, was insbesondere anhand der zahlreichen Porträts seiner größten Muse und Ehefrau Ada nachvollzogen werden kann. So scheint sie auf den New Yorker Bildern eine andere Frau als auf jenen aus Maine zu sein. Das MdM Museum der Moderne Mönchsberg zeigt Arbeiten des Künstlers, der als Wegbereiter einer neuen Gegenständlichkeit gilt, im Zeichen von "New York/Maine".

Die Ausstellung "Alex Katz – New York/Maine" ist bis zum 7. Juli im MdM Museum der Moderne Mönchsberg in Salzburg zu sehen.