KMB - Köln

420 000 Bücher suchen ein neues Zuhause

Die Kölner Kunst- und Museumsbibliothek wird entgegen einem früheren Beschluss nicht in den Neubau des Kölner Historischen Archivs einziehen. Das hat der Kölner Stadtrat am 18. Juli mit den Stimmen von SPD und Grünen entschieden.
Ein Heim für Bücher:KMB Köln kommt nicht ins Stadtarchiv

Auch die Proteste haben nichts gebracht: Die Kunst- und Museumsbibliothek Köln darf laut Ratsbeschluss nicht in das neue Stadtarchiv einziehen

Seit Wochen streiten Politik und Kultur in Köln um die Zukunft der renommierten Kunst- und Museumsbibliothek (KMB). Diese sollte nach dem Willen des Stadtrats eigentlich in den Neubau des eingestürzten Historischen Stadtarchivs mit einziehen und an einem Standort zusammengeführt werden; derzeit sind die rund 420 000 Bände der KMB auf mehrere Lesesäle und ein Depot verteilt.
In der Sitzung vom 18. Juli hat die Ratsmehrheit von SPD und Grünen diesen Beschluss nun gekippt: Das Stadtarchiv wird ohne KMB gebaut, wodurch sich die Politik Einsparungen von 21 Millionen Euro erhofft. Gleichzeitig will der Rat die KMB erhalten und begrüßt das Angebot der Universität Köln, sich an deren Kosten zu beteiligen. Die Universität hat in den Verhandlungen mit der Politik angeboten, drei Personalplanstellen der Bibliothek zu übernehmen und sich bei der Einwerbung von Drittmitteln zu engagieren. Gerade Letzteres könnte die KMB auf finanziell solidere Beine stellen. Die beiden gravierendsten Probleme der Bibliothek, Raumnot und Dezentralität, werden dadurch freilich nicht gelöst.

Dem Ratsbeschluss gingen teils heftige Proteste voraus. Kasper König, ehemaliger Direktor des Kölner Museums Ludwig, sprach von einer "Banausenidee" der Politik und Philipp Kaiser, sein Nachfolger im Amt, von einer "intellektuellen Bankrotterklärung". In der Woche vor der Entscheidung hatte die Bibliothek noch einmal namhafte Fürsprecher erhalten: Die Initiative "Rettet die KMB!" veröffentliche eine Liste prominenter Unterstützer, die von Künstlern wie Gerhard Richter und Rosemarie Trockel bis zu Glenn D. Lowry, dem Leiter des New Yorker Museum of Modern Art, und Städel-Direktor Max Hollein reicht. In einer Petition werben die Unterzeichner "für den Erhalt der Kunst- und Museumsbibliothek als öffentlich zugänglicher Einrichtung" und "bitten die Politik und die Verwaltung der Stadt Köln nachdrücklich, sich für den Einzug der KMB in den Neubau des Historischen Stadtarchivs einzusetzen". Gegen die Sparpläne der Ratsmehrheit kamen aber auch sie nicht an.

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