The Splasher - Street Art

Krieg der Farben

„Die Langeweile, die von den Museen ausgeschieden wird, gleicht zunehmend dem Gestank der Kirchen. Zerstört die Museen! In den Strassen und überall!“. Die Splasher haben ihr Manifest veröffentlicht – und attackieren Werke bekannter Street-Art-Künstler
Die Revolution frisst ihre Kinder:Warum werden Street Art-Werke attackiert?

Attacke: Grafitti der Splasher-Gruppe in New York

Bereits seit Monaten zerstören die Splasher in New York Street Art-Werke von Banksy, Shepard Fairey oder Swoon. Ein wahrer Kunst-Krieg ist ausgebrochen und gekämpft wird mit Sprühdosen, Farbbeuteln und Schablonen.

Street Art war einst Aufbegehren gegen das Establishment. Ein rebellischer, illegaler Akt. Doch aus der subkulturellen Gegenbewegung wurde ein globales Pop-Phänomen. Heute werden die rebellischen Anti-Helden bejubelt, vereinahmt und kommerzialisiert. Banksy-Bilder erzielen Rekordpreise bei Sotheby´s, Shepard Fairey spielt die Hauptrolle in einem Videospiel und Andere verkaufen mit ihrem Namen Shirts, Schuhe oder Softdrinks. Street Art sei nichts anderes mehr, als eine Werbekampagne für eine hippe Künstlerkarriere, kritisieren die Splasher in ihrem Manifest die Szene. Die Kunst verkomme zum Logo und der revolutionäre Habitus zum Marketingtrick. „Deshalb wollen wir ein Loch in den Picasso bohren, bevor er versteigert wird.“

Ihre Destruktion richtet sich gegen die Kunst selbst. Und ihre Motivation reiht sich ein, in eine lange Tradition der Kunstzerstörer, die so alt wie die Kunstgeschichte selbst ist. Herostratos brannte im Jahr 356 vor Christus den Aremis-Tempel von Ephesos nieder, eines der sieben Weltwunder der Antike. Er wolle berühmt werden, gestand er später. Der Franzose Pierre Pinoncelli, der in Duchamps „La Fontaine“ urinierte oder der Kasache Alexander Brener, der auf Malewitschs „Suprematistisches Bild“ ein Dollarzeichen sprühte, wähnten sich im wahren Geist der Avantgarde zu handeln.

Wer sich hinter dem Splasher verbirgt, ist noch unklar. Es gibt zahlreiche Verschwörungstheorien und ebensoviele Verdächtige: Banksy selbst könne der Täter sein, ein gefrusteter Polizist der Anti-Graffiti-Einheit oder ein gekränkter Freund Swoons. Andere glauben ein Neider oder Kunstkritiker würde dahinter stecken. Manche vermuten einen marxistischen Antikapitalisten, andere eine clevere Werbekampagne. Und die Zyniker prophezeien dem Splasher bereits zahlreiche Ausstellungen im nächsten Jahr – und eine eigene Modelinie.

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