Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Redakteurin Petra Bosetti empfiehlt diese Woche: Kunst statt Spinnen, Krempel für den Kanzler und Kristallines.

Graz: Der Hang zum kristallinen in Kunst und Design

"Die Kultur der Gegenwart liebt das Kristalline und Geologische. Die Inbegriffe natürlicher Schönheit, Dauerhaftigkeit und Härte sind aber erstaunlicherweise oft gekoppelt mit dem genauen Gegenteil: dem Welken, Flüchtigen und dem Tod." Dieses Phänomen hat der Kunstverein Medienturm in Graz nicht nur herausgefunden, sondern auch zum Thema der Ausstellung "Das blaue Licht – Der Hang zum kristallinen in Kunst und Design" (20. Juni bis 5. September) gemacht. Zu sehen sind unter anderem eine unterkühlte Lounge des Designstudios Walking Chair, eine Dokumentation über Robert Smithsons Land-Art-Skulptur "Spiral Jetty", eine Rauminstallation mit Tiefkühltruhe von Bogomir Ecker oder Herwig Weisers "Lucid Phantom Messenger", ein Labor zur Bilderzeugung mittels künstlicher Kristallgärten aus den zerriebenen Materialien eines Computers.

Leipzig: "From cotton to culture"

Was haben Berlin, New York, London und Leipzig gemein? Der Leipziger Galerist Gerd Harry Lybke (Eigen+Art) weiß es genau: Die Baumwollspinnerei in Leipzig "gehört zu den wichtigsten Kunstproduktionsorten der Welt. Da sind noch Berlin, New York und London zu nennen – und dann hört es schon auf." In der von Lybke so hoch gelobten "Spinnerei" wird schon lange nicht mehr gesponnen, sondern Kunst gemacht und gezeigt. Unter dem Motto "From cotton to culture" (Von Baumwolle zur Kultur) wird an diesem Wochenende (20./21. Juni) das 125-jährige Bestehen der Baumwollspinnerei mit einem grandiosen Fest gefeiert. Die "Werkschau 2009" bietet Einblick die Produktion von 100 Künstlerateliers. Dazu zeigen alle Galerien und Ausstellungsräume aktuelle Ausstellungen: ASPN, Columbus Art Foundation, Dogenhaus-Galerie, Filipp-Rosbach-Galerie, Galeria Hilario Galguera, Galerie b2, Galerie Eigen+Art, Galerie Kleindienst, Laden für Nichts, LIA, maerzgalerie, Nusser & Baumgart, Pilotenkueche, Spinnerei archiv massiv und Universal Cube. Dazu gibt es Tanz, Theater, offene Werkstätten, ein Jazzfrühstück und vieles mehr. Und wem das immer noch nicht Grund genug ist, sich nach Leipzig zu begeben, dem sei gesagt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festivitäten am 20. Juni eröffnen wird.

Hamburg: Bazon Brock über "negative Affirmation"

Jetzt aber Schluss mit lustig: Wem dies alles zu banal erscheint, der kann sich am gleichen Wochenende in Hamburg in die höheren Sphären der Kunst aufschwingen, denn da tritt der Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung Bazon Brock auf den Plan: Der Erfinder der Documenta-Besucherschulen referiert am Freitag, 19. Juni, 20 Uhr, im Kunstverein Harburger Bahnhof zum Thema "Über negative Affirmation". Die Veranstalter klären auf: "Affirmation muss nach Bazon Brock nicht die 100%ige Bejahung eines Zustimmung fordernden Anspruchs sein, sondern die mittels 150%iger Überhöhung radikalisierte Formulierung dieses Anspruchs. Durch die Drastik der Bejahung wird die Sinnlosigkeit vieler Aussagenansprüche in ihrer Konsequenz deutlich." Tags darauf spricht Brock mit Sammler Harald Falckenberg und den Künstlern Iso Maeder und Michael Mattern über "Kritik der Wahrheit aus dem Geiste der Utopien" (Kunstverein Hamburg, 16.30 Uhr). Am selben Abend leitet er ab 21.30 Uhr den "Kunsthasserstammtisch – Plattform für Performative Kunstkritik", veranstaltet von der – wie der Name schon sagt – raumlosen "NoRoomGallery", die zu diesem Zweck ins Panoptikum am Spielbudenplatz in Hamburg lädt.

Bayreuth: "Entdeckte Moderne – Verfemte Kunst zwischen den Kriegen"

Beim Stichwort "Entartete Kunst" – so der Titel der Ausstellung, in der ab 1937 nicht regimekonforme Künstler von den Nationalsozialisten diffamiert wurden – denkt man unwillkürlich an die Großen wie Ernst-Ludwig Kirchner, George Grosz, Karl Schmidt-Rottluff oder Ernst Barlach. Aber auch das Werk jüngerer oder weniger bekannter Künstler fiel den brutalen Säuberungsaktionen der Nazis zum Opfer. An sie will die Ausstellung "Entdeckte Moderne – Verfemte Kunst zwischen den Kriegen" (21. Juni bis 13. September) im Kunstmuseum Bayreuth erinnern, die sich aus der Sammlung Gerhard Schneider (im Museum Baden Solingen) rekrutiert. Der Maler Valentin Nagel (1891 bis 1942) etwa war der Öffentlichkeit völlig unbekannt, bis Schneider Mitte der achtziger Jahre durch einen Zufallsfund auf ihn aufmerksam wurde und sein Leben und Werk erforschte. Weitere Künstler sind unter anderem Carl Rabus, Dora Bromberger, Emil Betzler und Martel Schwichtenberg.

Völklingen: "Staatsgeschenke – 60 Jahre Deutschland"

Was schenkt man einem Bundeskanzler? Was einem Bundespräsidenten? Jetzt wissen wir es – nutzlosen Krempel, im schlimmsten Fall gnadenlos kitschig, im günstigsten wenigstens schlicht. Die Ausstellung "Staatsgeschenke – 60 Jahre Deutschland" im "Weltkulturerbe Völklinger Hütte" macht es möglich. Hier wird schonungslos vorgeführt, welche Liebesgaben Staatsoberhäupter anderen Staatsoberhäuptern so aufs Auge drücken, die Beschenkten reichen von Theodor Heuss bis Horst Köhler, von Konrad Adenauer bis Angela Merkel. Elefantenfiguren erfreuen sich merkwürdigerweise größter Beliebtheit – wie anders ist es zu erklären, dass Altbundeskanzler Helmut Kohl bereits eine ganze Herde sein eigen nennt und der Ausstellung ein mit Glasperlen und Spiegeln verziertes Exemplar überließ? In die Abteilung skurril gehört wohl auch ein kostbares Miniatur-Rennkamel mit Jockey, das der Botschafter des Königreiches Saudi-Arabien, Ali Sheobokski, 2006 Bundespräsident Horst Köhler schenkte. Schlicht, ja vergleichsweise fast geschmackvoll, ist dagegen der jüngste Neuzugang: eine Silberschale mit US-Adler, die man mit gutem Willem sogar praktischem Nutzen (Blumen, Fernsehgebäck, Gummibärchen etc.) zuführen könnte – ein Präsent von Barack Obama für Angela Merkel.