Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Leonie Radine empfiehlt diese Woche Kunst von starken Frauen, androgyne Schönheiten und ein Höhepunkt der Hamburger Off-Space-Szene.
Die Tipps der Woche:Androgyne Schönheit und feministische Kunst

News

Zürich: Walter Pfeiffer – "In Love with Beauty"

Die Travestie machte ihn berühmt: Walter Pfeiffer. Doch schmiss nicht er sich einst in Frauenkleider, sondern seine Modelle. Pfeiffers Fotografien, die durch den sensiblen Umgang mit Erotik und Humor bestechen und zwischen Verspieltheit und Zerbrechlichkeit, Künstlich- und Natürlichkeit changieren, erbrachten dem Schweizer seit seiner Entdeckung durch Jean-Christophe Ammanns Ausstellung "Transformer – Aspekte der Fotografie" 1974 internationale Erfolge.

Noch immer zeugen seine Bilder von einer intensiven Beschäftigung mit Moden und Stilen und der Experimentierfreude eines leidenschaftlichen Fotografen. Aber vor allem wecken seine androgynen Schönheiten auch homoerotische Assoziationen. Das erotische Moment in seinen Bildern mag vor Melancholie und Zartheit der häufig adoleszenten Modelle für Irritation sorgen, und an anderer Stelle wirken die Kompositionen erfrischend unmittelbar, ungezwungen und ironisch. Es sind eben diese selten unverfrorenen Darstellungen bestimmter Momente des Alltags, die ungewöhnlich viel natürliche Schönheit versprühen. "In Love with Beauty" heißt die Retrospektive im Fotomuseum Winterthur, die bis zum 15. Februar 2009 einen chronologischen Überblick zahlreicher bisher unveröffentlichter Werke Pfeiffers gibt.

Berlin: "Re.act.feminism"

Sollte es Gründe geben, warum Männer den Kunstbetrieb dominieren, liefert spätestens die Berliner Werkschau "Re.act.feminism" in der Akademie der Künste genügend schlagfertige Gegenargumente. Was in den sechziger und siebziger Jahren in Gang gebracht wurde, setzen zeitgenössische Künstlerinnen erfolgreich fort: die feministische Performance, die das (männliche) Verständnis weiblicher Identität unterminiert sowie die Idee ihrer gesellschaftlichen Emanzipation mit zeitgenössischen Debatten auflädt. Was vor 40 Jahren noch ein Experimentierfeld für die Erforschung des weiblichen Körpers und ein Konventionsbruch war, beruht heute vor allem auf einer kritischen und reanimierenden Reflektion und der Suche nach Bezugspunkten. 24 Künstlerinnen zweier Generationen werden in einer Ausstellung gegenübergestellt, die einen Schmelztiegel künstlerischer Strategien darstellt und sich als Dialog zwischen damaliger Revolte und heutiger Komplexität jenseits des Mainstreams versteht. Neben Fotos, Videos und Objektinstalationen, werden Aktionen der früheren Generation neu inszeniert, wie zum Beispiel Niki de Saint Phalles Schieß-Performance in Cornelia Sollfranks Aktion "TroubleShooting". Bis zum 8. Februar kann sich der Besucher am historischen Blick erproben und sich von den Waffen der Frauen überzeugen lassen.

Hamburg: "SKAMment"

Hamburg, was machst du nur mit deiner Kultur? 16 Jahre kämpft die selbstverwaltete und –finanzierte Gemeinschaft SKAM als Garant der Hamburger Off-Space-Kunstszene nun erfolgreich für sein Bestehen, gut getarnt in einer Bauruine am Spielbudenplatz auf der Reeperbahn, im ehemaligen Bowlingbahn-Gebäude. Es ist an der Zeit, ein Statement zu machen, ein Comment oder eben ein SKAMment – zur Bedrohung der Hamburger Kunstszene, die durch steigende Mieten, Abrisse und horrenden Investitionen für das neue In-Viertel der Hafen-City unaufhaltsam scheint. Obgleich sich die Stadt gerne mit den kulturellen Schätzen zwischen Kiez und Schanze rühmt, steht den Künstlern und Kulturinstitutionen das Wasser bis zum Hals. Doch von der Parole "Schöne Kunst Allen Menschen!" wird die Institution, die sich als experimentelles Labor versteht, so schnell nicht ablassen. Auch dieses Jahr gaben sich wieder 25 Maler, Bildhauer, Musiker, Video- und Konzeptkünstler dem Prozesshaften hin und realisierten ihre Ideen, deren subtil kritischen Früchte man vom 11. bis zum 14. Dezember im "White Cube" des SKAM ernten kann. Zur heutigen Vernissage versammeln sich Größen der Hamburger Musikszene wie Lesley Farfisa (Der Fall Böse) und Frank Spilker (Die Sterne) sowie weitere Überraschungsgäste. Alles ist nur eine Frage der Vernetzung!

Berlin: "Recently seen and admired"

Der Name der Galerie "Kunstagenten" ist Programm. Ihr Auftrag: Die Suche nach künstlerischen Positionen, die bisher in Berlin noch nie zu sehen waren. Jene, die dabei jüngst die Begeisterung der Kuratorin Barbara J. Scheuermann gefunden haben, kann man ab dem 16. Dezember oder wahlweise schon am kommenden Samstag anlässlich der Vernissage aufspüren. "Recently seen and admired" wurden vier Künstlerinnen, die jeweils einen Raum der Galerie in Eigeninitiative gestaltet haben. Ihre voneinander unabhängig entstandenen aktuellen Arbeiten lassen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Die menschliche (weibliche) Figur. Nachdem der Besucher von den opulenten Brüsten und dem erhobenen Mittelfinger von Hamra Abbas raumgreifender "Woman in Black" etwas unsanft in Empfang genommen wurde, versetzt ihn Eli Cortinas Hidalgos Arbeit "There is no place like home" in das vermeintliche Traumland der Kindheit. Doch so entzückend der finale Satz der sündenlos lächelnden Heldin Dorothy aus "The Wizard of Oz" im ersten Moment auch sein mag, desto beunruhigender wirkt er in seiner endlosen Wiederholung. Freya Hattenberger stellt in ihrer Video "Sirene" vor allem einen Körper ins Zentrum ihres künstlerischen Schaffens – den eigenen. Emotionslos, fast apathisch umspielt ihr Mund ein Mikrophon, das für eine irritierende Geräuschkulisse sorgt. Während sie mit dem gängigen Verständnis von Obszönität spielt, stellt K8 Hardy die ungeschriebenen Gesetze der Modehefte in Frage, indem sie ihre New Yorker Magazine, in denen sie sich selbst in alternativen Posen präsentiert, zum Durchblättern zur Verfügung stellt. Gesehen und bewundert werden kann die Ausstellung bis zum 31. Januar 2009.

Berlin: Paulina Olowska / Sarah Crowner – Ceramics

Keramik ist nicht immer gleich Keramik. Wer dabei an etruskische Grabkunst denkt, wird von den beiden Künstlerinnen Paulina Olowska und Sarah Crowner eines Besseren belehrt. Gemeinsam präsentieren sie in der Berliner DAAD-Galerie mit den Traditionen und den Möglichkeiten der Innovation ihres Metiers. Olowska erprobt sich an malerischen Glasurtechniken, die sie mit Elementen der klassischen Moderne und dem polnischen Metallhandwerk der fünfziger und sechziger Jahre kombiniert. Auf diesem Wege gilt es, die heutige Situation ihres Heimatlandes im Verhältnis zum Westen sowie die Rolle der Frau in der Kunst zu reflektieren. Die US-Amerikanerin Crowner hantiert indessen mit streng geometrischen Formen in abstrakten Kompositionen. Sie beschäftigt sich mit modernen Einflüssen des Handwerks im amerikanischen Raum und knüpft damit unter anderem an die Traditionen der kalifornischen Keramikerin Beatrice Wood an. Die unkonventionelle Werkschau wird am 12. Dezember eröffnet und ist noch bis zum 31. Januar zu erkunden.