Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Christiane Ernst Proteste gegen die Baumrodung in Hamburg, utopische Gedanken in Nijmegen und Gespräche über die Realität in Frankfurt.

Münster: "Krieg/Individuum" in der AZKM

15 internationale zeitgenössische Künstler haben sich für die Werkschau "Krieg/Individuum" mit den Auswirkungen kriegerischer Ereignisse beschäftigt. Je nach individuellem Hintergrund wechselt die Perspektive zwischen verschiedenen Positionen: Die Sicht des direkt Betroffenen ist ebenso vertreten wie die des mitfühlenden Beobachters und des politisch engagierten Kritikers.

So geben die Künstler Einblicke in ihre subjektiven Erfahrungen mit dem Vietnamkrieg, dem Nahostkonflikt, den Kriegen in Jugoslawien, Afghanistan und im Irak. Das Grauen des Krieges soll dabei nicht auf laute, schockierende Weise sichtbar gemacht werden, sondern mittels subtiler und eindringlicher Momentaufnahmen. Besonders deutlich wird dieses Konzept bei einer verstörenden Figur des gebürtigen Israelis Gil Shachar – sie trägt als stumme Anklage einen Sack über dem Kopf. Alle Arbeiten werden vom 20. Februar bis 25. April 2010 in der Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster (AZKM) gezeigt.

Hamburg: "Holz" im Kunst- und Kulturverein LINDA e.V.

Mein Freund der Baum: 14 Künstler protestieren mit ihrer Ausstellung "Holz" gegen den geplanten Bau einer Fernwärmetrasse. Ausgehend vom Kohlekraftwerk der Firma Vattenfall in Moorburg soll sich die Trasse künftig quer durch das Hafengebiet, über St. Pauli bis zum Verteiler in Diebsteich erstrecken. Ein Plan mit fatalen Folgen, denn mehrere Grünanlagen in St. Pauli und Altona stehen diesem Projekt im Weg und sind somit dem Untergang geweiht. Mit Hilfe von Gemälden, Zeichnungen, Videos und Fotografien wollen die Künstler dem Betrachter die Augen für die Schönheit der Bäume öffnen, das Kraftvolle wie Zerbrechliche der Wälder beschwören – und auf diesem Weg neue Mitstreiter gewinnen. Zu sehen ist die Ausstellung vom 19. bis 28. Februar im Kunst- und Kulturverein LINDA e.V.

Nijmegen: Peter Schloss – "This is just a test"

Was wäre, wenn die globalen Ressourcen tatsächlich gerecht aufgeteilt würden? Dieser utopischen Fragestellung ist der Künstler Peter Schloss in seiner aktuellen Ausstellung nachgegangen. Schauplatz seiner Installationen ist der Keller eines Gebäudes, das seit den fünfziger Jahren als Filiale der niederländischen Nationalbank diente. An diesem sonderbaren, abweisenden Ort – Tresorraum und Luftschutzbunker inklusive – soll der Betrachter zu Gedankenexperimenten rund um das Thema Chancengleichheit angeregt werden. Zu diesem Zwecke hat Schloss begehbare, "kubische" Zellen aufgebaut, die teilweise Überraschendes beinhalten: Auf einem Glastisch findet sich beispielsweise ein Gugelhupf samt Messer, der dazu auffordert, das eigene Denken und Handeln zu überprüfen – denn will nicht jeder ein Stück vom Kuchen abhaben? In Kooperation mit dem deutsch-niederländischen Euregioprojekt smax präsentiert das Zentrum für Bildende Kunst Nijmegen die Arbeiten noch bis zum 14. März 2010.

Frankfurt am Main: Eberhard Havekost – "Retina"

Eberhard Havekost, Heidi Specker und Tatjana Doll diskutieren am 23. Februar ab 19 Uhr in der Schirn-Kunsthalle über die Verarbeitung von Realität in Malerei, Fotografie und Film. Alle drei Künstler haben den Fokus ihres Schaffens auf die verschiedenen Möglichkeiten der Wahrnehmung gerichtet – welchen spezifischen Zugang dabei jeder für sich gefunden hat, erfährt man während des Ateliergesprächs. Triebfeder für den Gedankenaustausch ist Havekosts aktuelle Ausstellung "Retina", die noch bis zum 14. März in der Schirn zu sehen ist. Die titelgebende Serie des Künstlers spielt mit diffusen Farben und Formen ohne erkennbaren gegenständlichen Bezug. Laut Pressetext sind diese Ölbilder eine Simulation: "So könnte die Innenseite des Auges aussehen, bevor das eintreffende Licht in Bildinformation übersetzt wird."

Hannover: "Meisterwerke der Bildhauerei" in der Galerie Koch

Jubiläum in Hannover: Die Galerie Koch feiert ihr 55-jähriges Bestehen mit einer stattlichen Ausstellung. Der Kaufmann und Sammler Bruno Koch hatte das traditionsreiche Familienunternehmen am 2. Februar 1955 ins Leben gerufen – seit 2003 ist mit dem Geschwisterpaar Petra und Ole-Christian Koch bereits die dritte Generation am Werke. Vom 18. Februar bis 15. April können in der ältesten Galerie der Stadt zahlreiche Meisterstücke der Bildhauerei begutachtet werden. Schwerpunkt der Werkschau sind zum einen Bronzen von Künstlern der klassischen Moderne, darunter Ernst Barlach, Fritz Klimsch und Henry Moore. Der andere Teil des Programms ist den Skulpturen ausgewählter zeitgenössischer Künstler wie David Nash, Horst Antes und Waldemar Otto gewidmet.