Markus Lüpertz - Interview

Rückkehr zur Avantgarde

Im kommenden Frühjahr verabschiedet sich der Maler Markus Lüpertz als Rektor der staatlichen Düsseldorfer Kunstakademie, die er seit 1988 leitet. Er gilt als leidenschaftlicher Verteidiger der Malerei, was den Düsseldorfer Fotografen Andreas Gursky vor wenigen Monaten dazu veranlasste, ihm die Vernachlässigung zeitgenössischer Kunstformen vorzuwerfen. Nun will Lüpertz eine private Kunstakademie eröffnen. art-Korrespondent Michael Kohler sprach mit ihm über seine Pläne.
Rückkehr zur Avantgarde:Markus Lüpertz plant eine private Kunstakademie

"Erschlaffung des akademischen Gedankens": Markus Lüpertz vor dem Bild "Malsuppengrund" (2004) von Jörg Immendorff

Herr Lüpertz, welche Idee liegt der geplanten Akademie zu Grunde?

Markus Lüpertz: Ich glaube, dass in Zukunft Malerei und Bildhauerei, so wie ich sie verstehe, an den öffentlichen Anstalten nicht mehr gelehrt werden. Schuld daran ist die Erschlaffung des akademischen Gedankens, der sich der Moderne anbiedert. Meine Idee einer Akademie erinnert mich eher an eine bestimmte Vorstellung des 19. Jahrhunderts, nämlich, dass der Nachwuchs direkt in die Künstlerateliers geht und das Studium an der Basis stattfindet.

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Worin wird sich Ihre private Akademie von den staatlichen Schulen unterscheiden?

Erst einmal durch eine andere Form der Auswahl und eine klare Ausrichtung auf die avantgardistische Bedeutung von Bildhauerei und Malerei. Das hat nichts mit irgendwelchen romantischen Ideen zu tun, sondern dahinter steht meine Überzeugung, dass die klassischen Künste heute so aktuell sind wie schon immer. Dafür soll es eine zeitgemäße, von den Künstlern gewollte Form der Vermittlung geben.

Sie wollen die Akademie auch in ein intellektuelles Zentrum einbetten.

Aus dem Akademiekonzept folgt automatisch eine erweiterte Form der Begegnungsstätte, wie in der Antike meinetwegen, wo auch Dichtervorträge gehalten werden. Das ist der geistige Hintergrund, der zur Malerei unbedingt dazugehört.

Haben Sie bereits einen Standort gefunden?

Wir sind gerade in Verhandlungen mit Potsdam, Weimar, Teltow und Berlin. Mehr möchte ich zurzeit nicht sagen, denn dann würde ich mir ja was vergeben.

Wer wird bei Ihnen unterrichten?

Auch das kann ich Ihnen nicht verraten. Die Kollegen, die ich gefragt habe, haben alle "Ja" gesagt. Aber wenn ich jetzt einen vergessen würde… also, das bringt jetzt nichts. Es sind Leute aus meinem Freundeskreis dabei und Künstler, die Malerei und Bildhauerei in ihrer Eindeutigkeit vertreten.

Wie soll sich die Akademie finanzieren?

Wir sind in Verhandlungen, dass wir ein Gebäude zur Verfügung gestellt bekommen. Die laufenden Kosten sollen durch eine gemeinnützige Stiftung und teilweise auch durch die Abgaben der Schüler gedeckt werden. Wie viel das im Einzelnen sein wird, muss man dann sehen. Wichtig ist, dass alles gemeinnützig und die Teilnahme erschwinglich bleibt.

Wann ist die Eröffnung geplant?

Ich bin gerade dabei die Stiftungsangelegenheiten mit meinen Anwälten zu regeln. Ich nehme an, dass ich Mitte nächsten Jahres das frohe Ereignis verkünden kann.

"Markus Lüpertz"

Termin: 24. April bis 21. Juni 2009, Akademie-Galerie – Die Neue Sammlung, Burgplatz 1, 40213 Düsseldorf
http://www.kunstakademie-duesseldorf.de/galerie.html