Choreography of Sound - Symposium

Wenn die Bilder sprechen lernen

Ein dreitägiges Symposium in Karlsruhe widmet sich Kunst zum Hören – Radiomacher treffen auf Soundpoeten, Philosophen, Komponisten und Performance-Künstler.

Dass es in Kunstausstellungen zuweilen ganz schön geräuschvoll zugehen kann, ist keine Überraschung mehr. Die letzte Documenta wurde mit einer Synthesizer-Performance des ultrahippen Klangkünstlers Tarek Atoui eröffnet und auf der diesjährigen Kunst-Biennale in Venedig bekam Tino Sehgal für seine spielerischen Stimminterventionen den goldenen Löwen übereicht. Bildende Künstler nutzen heute ganz selbstverständlich akustische Reize, um ihren Werken eine neue Dimension zu verleihen. Da scheint es naheliegend, dass sich auch die Hörkunst-Profis, also Radiomacher, Hörspielautoren, Musikkomponisten, so ihre Gedanken machen, was sie von den malenden, bildhauernden, performenden Künstlerkollegen vielleicht noch lernen können.

Anlässlich der ARD-Hörspieltage richtet das ZKM in Karlsruhe ein dreitägiges Symposium aus, wo es um genau diese Fragen gehen soll: Was ist die Essenz des Radios? Ist ein Hörspiel Medienkunst? Was macht eine Stimme verführerisch? Welche kulturhistorischen Spuren hinterlässt das flüchtige Medium Sound? Wie kann man Musik in Malerei einfangen? Wie erzählt man eine Geschichte mit Geräuschen?

Zu den Podiumsgästen gehören Künstler wie Sehgal, AK Dolven und Michaela Melián, Kulturwissenschaftler wie Michael Glasmeier, Steven Connor und Mirjam Schaub und Macher wie der Komponist und Theaterregisseur Heiner Goebbels. Neben Vorträgen und Panel-Diskussionen gibt es natürlich auch jede Menge Hörproben. So stellt die norwegische Künstlerin Thora Balke zwei britische Sound-Pionierinnen vor, Delia Derbyshire und Daphne Oram, die in den sechziger und siebziger Jahren mit avantgardistischen Synthesizerklängen die Londoner Musikszene aufgemischt hatten, und der New Yorker Künstler John Giorno zeigt, wie man mit selbstverfassten Gedichten und einem Anrufbeantworter ins MoMA kommt. Als Highlight kündigen die Veranstalter zudem die Live-Weltpremiere von Robert Wilsons "Monsters of Grace II" an – das erste Hörspiel überhaupt, das der virtuose Opern- und Videokünstler inszeniert. Was Wilson an dem Medium Radio schätzt? "Dass es die visuelle Fantasie befreit. Ganz einfach."

Choreography of Sound

10 Jahre Hörspieltage: 5. bis 10. November im ZKM und HfG Karlsruhe

Symposium "Choreography of Sound": 5. bis 7. November, ZKM

Alle Infos und das komlette Programm finden sie auf der Internetseite von "Choreography of Sound"
http://www.cosound.de

Mehr zum Thema auf art-magazin.de